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Hexen, Geister, Teufelsbräute

Heute bei einem der zahlreichen Narrensprünge der schwäbisch-alemannischen Fasnet. Mit dem vergleichsweise zivilisierten rheinischen Karneval hat das nichts zu tun: Bei uns geistern gruselige Gestalten herum, alle mit einer „Larve“, also einer Holzmaske. Jede Zunft hat ihren eigenen Schlachtruf, der vom Publikum beantwortet werden muss. Zum Beispiel: „Dr Torf isch weg“ – „jetzt hommer dr Dreck!“
Die Kinder bekommen Süßigkeiten, die jungen Mädchen Konfetti ins Haar. Uns hat man nur versucht, den Schal wegzunehmen und die Schnürsenkel aufzuziehen. 😉

 

Aus der Traum

In einem Kleid aus schwerem Brokat, mit Perlen und hochgestecktem Haar schritt ich heute durch den Festsaal eines fürstlichen Anwesens. Ich plauderte mit den anderen Gästen über Ländereien, Personal und einträgliche Geldanlagen, die üblichen Themen in unserem Stand. Gutgelaunt würzte ich sie mit Anekdoten, wir nippten an Champagnerkelchen und verhakten uns schließlich in philosophischen Themen: Wie beeinflusst ein festgefahrenes Leben im Vergleich zu einem ungeordneten das Glücksempfinden jedes Einzelnen zum Beispiel. Ein Diener sammelte Gläser ein, bevor die Speisen aufgetragen wurden und wir setzten uns an die Tische.

Ich betrachtete den Silberlöffel in meiner Hand und einen Augenblick lang kam mir mein altes Leben in den Sinn. Die Liebe darin hatte mich sicher gehalten, doch gab es auch widerwärtige Menschen. Gefangen war ich gewesen in Gegebenheiten, die ich mir nicht ausgesucht hatte und denen ich nicht hatte entrinnen können. Der Traum vom Leben, wie mein Herz es mir sagt, war immer bei mir geblieben.

Wie Wolken, die sich fortwährend neu formen und in denen man immer deutlichere Bilder erkennt, wurden meine Erinnerungen auf einmal konkret. Da sah ich mich Geld verdienen, Rechnungen begleichen, Angehörige versorgen. Das war nicht mein Leben. Das ist mein Leben. Das Kleid fiel von mir ab, die Gäste waren fort, niemand hatte sich hier je über Ländereien unterhalten. Schon gar nicht ich.

Ich saß am Küchentisch und las weiter in einem Artikel über das Ulmer Kostümhaus. Ich wäre gern eine Gräfin, sagen wir 18. Jahrhundert,  Rokoko, da gabs die schönsten Kleider.  Vor allem müsste ich nicht mehr arbeiten gehn.

Und ihr? Was würdet ihr euch aussuchen in einem Kostümverleih? Auf welchen Ball würdet ihr gehen? Was wäre euer Tagtraum heute?