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Fragen des Tages

Neulich in der Mittagspause: Ich gehe durch eine Grünanlage zur nahegelegenen Bäckerei. Es ist heiß, ich ziehe meine Bluse etwas vom Körper weg und fächle meinem Bauch Luft zu.

Weiter entfernt sehe ich zwei Teenager, die in der prallen Sonne auf einer Parkbank sitzen. Das Mädchen trägt lange Leggings, darüber eine Tunika bis an die Waden und ein buntes Tuch um den Kopf, das nur ihr Gesicht frei lässt. Der Junge neben ihr in T-Shirt und Shorts streicht sich die verschwitzten schwarzen Haare aus der Stirn.

Mein erster Gedanke ist: Dürfen die das? Ich meine, ein muslimisches Pärchen auf einer Parkbank ohne Begleitpersonal? Es handelt sich also entweder um ein sehr junges Ehepaar oder um Geschwister.

Dann frage ich mich, wie Frauen in islamischen Ländern es aushalten, in heißen Ländern so gekleidet zu sein.

Und drittens: Warum gehen sie nicht in den Schatten?

Es ist eben eine ganz andere Kultur, denke ich mir, sie kennen es nicht anders – bis ich näher an die beiden herankomme. Der Junge hat sich mit den Ellbogen auf die Knie aufgestützt, während sie energisch auf ihn einredet. Sie spricht akzentfrei Deutsch.

Verdattert gehe ich an ihnen vorbei. Wenn die beiden jetzt aufstehen und an den Bratwurststand gegenüber beim Supermarkt gehen und das Mädchen dann anfängt, mit den herumstehenden Jungs herumzualbern, dann fange ich mit meiner Einschätzung von Muslimen nochmal von vorne an. Aber sie bleiben sitzen, und ich wende mich einfacheren Fragen des Lebens zu: Nehme ich einen Joghurt mit frischen Pfirsichstücken oder einfach nur ein Eis?

 

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Fragespiel

Es ist nicht so, dass ich auf alles eine Antwort haben muss. Es ist nur so, dass mich ungelöste Phänomene nicht loslassen. Heute zum Beispiel beschäftigte mich die Frage, warum die Spinnenbabys auf dem Balkon gestern Abend noch friedlich zusammengeknödelt an einem Zweiglein hingen, und heute Morgen waren sie woanders. Sie sind mindestens 30 cm weitergezogen, für ein knapp 1 mm großes Spinnenbaby ein langer Weg. Wieso machen sie das? Und wie finden sie wieder zusammen?

Nicht dass es in meinem Leben nichts anderes gäbe, was mich beschäftigt, das gibt es wohl. Vielleicht ist es gerade deshalb so attraktiv, mir über die Kinderstube einer kleinen Spinnenstaffel den Kopf zu zerbrechen. Es ist so angenehm unwichtig, und doch auch ein wenig aufregend – gerade recht, um auf andere Gedanken zu kommen.

Damit ich heute Nacht aber schlafen kann, habe ich mir folgende Lösungen ausgedacht:

Sie machen das, weil ich zu oft mit einem Stöckchen an ihrem Kokon gezupft habe (es ist zu lustig, wenn dann alle auseinanderrennen). Es ging ihnen auf die Nerven.

Der Umzug erfolgt so, dass ein Spinnlein einen kleinen Faden produziert und sich vom Wind ein Stück forttragen lässt, zum Beispiel zwei Blätter weiter. Dort wird geankert, und es produziert wieder ein Fädchen und lässt sich wieder ein Stück weitertragen. Das macht es so lange, bis es einen Platz ohne stöckchenschwingende Frauen mittleren Alters gefunden zu haben glaubt. Die andern krabbeln einfach an den Fäden entlang hinterher bis zum neuen Parkplatz, schon ist die Umsiedlung abgeschlossen.

So entstand der Begriff „Leitfaden“.

Und ich verspreche: ich lass die Krabbelbabys jetzt in Ruhe.

Spinnennest-4_Wo der Pfeil ist, waren sie vorher! (Das Blatt ist zwecks besserer Aufnahmetechnik nach unten gebogen)

Was bisher geschah

Platzregen

Regentropfen, die auf Asphalt auftreffen klingen anders als Regentropfen, die auf Polyamid niederprasseln. Im Moment trommeln sie auf die Kapuze meiner Regenjacke. Ihre Aufschläge werden verstärkt vom Textil und als geräuschvolles  Geknatter dringen sie an meine Ohren, rattattattattattatt…. Dazwischen auch tiefe Töne,  rattattatta pong… so hört es sich an, wenn ein Feuerwerk hoch geht, pong, pong, rattattatta …

Ich frage mich, warum auf meinem Kopf unregelmäßige Geräusche entstehen. Sind Regentropfen verschieden groß? Oder leiten manche Stellen meiner Kapuze den Klang ihres Aufpralls anders weiter?

Fragen über Fragen.

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