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Erklärbär gesucht

Auf dem Parkplatz unserer Kleingartenanlage: An einem schmalen Weg entlang parken Fahrzeuge dicht an dicht, nur ganz hinten sind noch Lücken. Da biegt mit quietschenden Reifen ein Golf um die Ecke, fährt rasant auf einen freien Platz zu, bremst abrupt, stürmt im Rückwärtsgang in die leere Parkbucht und steht beim ersten Versuch drin wie eine Eins.
Dem Fahrstil nach handelt es sich um einen jungen, jedenfalls stark testosteronhaltigen Mann, was nicht recht passen will in unsere Schrebergartenidylle.
Die Tür fliegt auf, und heraus springt eine kleine, drahtige Frau um die Sechzig, die mit wehendem Seidenschal zum Gartentor sprintet.
Mir fällt fast der Gemüsekorb aus der Hand.
Ich meine, ich stelle mich beim rückwärts Einparken auch nicht ganz blöd an (sowieso seit ich älter werde und nicht mehr zuviel Östrogen mein räumliches Vorstellungsvermögen behindert), aber doch nicht in dieser Geschwindigkeit und Präzision!

Etwa zehn Minuten später taucht sie wieder auf. Ich stehe noch bei einem Schwätzchen mit anderen Gartenliebhabern und schaue interessiert zu der Teufelsfahrerin hinüber. Sie kehrt weit weniger hektisch zu ihrem Wagen zurück, jetzt mit einem kleinen Terrier an der Leine.

Manches mag noch so unwichtig sein – man hätte doch gern eine Erklärung.

 


 Hier handelt es sich nicht um die Parksituation unserer Kleingartenanlage!
Die Installation gehörte zu einer Ausstellung vor einigen Jahren.

Kulturaspekte

Auf einer Bahnhofstoilette in Basel erlebte ich kürzlich die weibliche Mentalität im Allgemeinen und die schweizerische im Besonderen: Nach der Ankunft mit dem Zug musste ich nämlich aufs stille Örtchen, wo allerdings schon etwa zehn Frauen vor vier besetzten Kabinen warteten. In dem engen Vorraum war Schlangestehen unmöglich und so stellte man sich irgendwo hin. Ich merkte mir nur die Frau, die vor mir eingetreten war, eine Inderin im roten Sari.

Wenn eine Kabine frei wurde, löste sich aus dem ungeordneten Haufen immer genau eine Frau und begab sich zur Toilette. Anscheinend wusste jede, wann sie an der Reihe war. Doch einmal geriet der Ablauf ins Stocken: eine Kabine war frei geworden, und keine Frau trat vor. Nach wenigen Augenblicken richteten sich ein paar Augenpaare auf die Inderin neben mir und deuteten freundlich auf die offen stehende Tür. Verschämt lächelnd huschte sie hinein.

Wenig später kam sie wieder heraus, trat zum einzigen Waschbecken und wusch sich die Hände. Als ich fertig war und die Kabine verließ, wusch sie sich die Hände immer noch. Ich stellte mich hinter sie und wartete, aber sie rieb und knetete ihre Finger unter dem Wasserstrahl und wollte nicht aufhören. Kein Mensch kann so schmutzig sein, dass man so lange ein Waschbecken belegen muss, dachte ich und sah etwas ungehalten zu.

Das bemerkte eine andere Frau. Sie wandte sich diskret an die Inderin und sagte mit Schweizerischem Akzent: „Nehmen Sie die Hände einfach vom Hahn weg, dann hört das Wasser auf.“ Die Inderin zog ihre Hände zurück, betrachtete kurz das Wunder des versiegenden Wasserstrahls und lachte schüchtern auf.

Während ich nun ans Waschbecken trat, erklärte die Frau der Inderin noch unauffällig das Gebläse zum Händetrocknen.

Liebe Schweizerinnen, ich bin derart beeindruckt, dass ich hier davon erzählen wollte. Nicht nur die Inderin hat an diesem Tag etwas gelernt, sondern auch eine Deutsche. 🙂

Helvetia

Bemerkenswert

Wenn sich Menschen auf arabisch unterhalten, klingt es wie ein nicht enden wollendes „Achmad war am Hallabad“ oder so. Die Tonation ist nicht elegant wie im Französischen oder vornehm wie im Britischen, sondern forsch. Die Sprache wirkt mitunter fast aggressiv und irgendwie breit – als müssten einzelne Worte aus dem hinteren Rachen hervorgewürgt werden.

In den Unterrichtspausen unserer Sprachkurs-Teilnehmer aus Syrien klingt es deshalb im Aufenthaltsraum, als wären sehr viele Achmads in sehr vielen Hallabads unterwegs.

Am meisten erstaunen mich aber nicht die fremden Sprachklänge, sondern die Frauen. Man hat ja dieses Bild der Muslimin, die einige Meter hinter dem Mann geht und in Demut den Kopf neigt. Das kann ich nicht bestätigen. Die Frauen sitzen hier aufrecht zwischen den Männern und debattieren, lachen, eifern. Wie kam ich denn auf dieses Klischee?

Glaubenssache

Letzte Woche in Liverpool: Beim Empfang nach der Trauerfeier für meine Schwiegermutter sitze ich eine Weile neben einer sympathischen jungen Londonerin. Sie ist indischer Abstammung und fährt noch am Abend zurück, denn heute sei der wichtigste Tag des Durga-Puja-Fests. Dabei feiert man neun Tage lang den Sieg der Göttin Durga über einen Büffel-Dämon. Wenn ich es richtig verstanden habe, trifft man sich abends zu traditionellen Tänzen und das Ganze ist eine große Party. Die junge Frau ist Hindu, und in ihrer Religion gebe es ständig Partys, sagt sie lachend.

Ich erfahre auch von einem kleinen Schrein bei ihr zu Hause mit verschiedenen Gottheiten, die täglich verehrt werden sollen. Dazu wiederholt man für jeden Gott ein bestimmtes Mantra. Sie mache das nicht jeden Tag, sagt sie, aber so oft wie möglich. Es sei eine wertvolle Inspiration für den Alltag. So geht Religion also in anderen Kulturen. Fast möchte man zu dieser bunten, lebensbejahenden und spirituellen Weltanschauung konvertieren.

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Aber: Frauen stehen im Hinduismus weit unten in der Wertskala. Um aus dem Kreislauf der Wiedergeburten erlöst zu werden, müssen sie erst als Männer wiedergeboren werden. Bis dahin ist es ihre vornehmliche Aufgabe, dem Ehegatten zu dienen. Durch diese Geringschätzung werden Frauen in Indien noch heute viel zu oft unterdrückt, vergewaltigt und ermordet.

Also werd ich doch keine Hindu. Mit der christlichen Nächstenliebe und ohne viel Kirchen-Kladderadatsch lebt es sich nämlich auch sehr gut. Selbst als Frau.

Die Welt ist flach

Mein Hintern wird flach,“ stöhnt meine in die Jahre gekommene Freundin und verrenkt sich unzufrieden vor dem Spiegel. „Ich werd ins Fitness müssen. So guckt mich kein Mann mehr an.“

Männer kennen ähnliche Sorgen. Nicht weil wenig Hintern da ist, sondern wenig Einkommen, gleich wenig wichtig, gleich „So krieg ich keine Frau rum“.

Das heißt aber nicht, dass Frauen mit flachem Hintern und Männer mit flachem Portemoinnee vereinsamen. Im Gegenteil: Sie haben mehr Auswahl bei der Partnerwahl. Die schmale Spitze der Reichen und Schönen bleiben unter sich, aber der flache Hintern erhört den armen Schlucker. Und umgekehrt. Also die Mehrheit, und das ist gut so.