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Zimmerreisen 01/2021: Aroma-Diffusor

Kurz vor Schluss dieser Runde finde ich doch noch etwas mit A: meine heutige Zimmerreise geht zu einem Aroma-Diffusor. Ich bekam ihn vor ein paar Jahren von einem meiner Söhne zu Weihnachten geschenkt. Er hatte selbst so eine Freude daran, dass ich dem Gerät diese Begeisterung heute noch ansehe.

Ich glaube an die Kraft von Gerüchen, sonst könnte mich der Duft von Sonnencreme nicht sekundenschnell an einen Badestrand beamen samt aller körperlich-seelischen Symptome wie Entspannung und Freude darüber, faul in der Sonne zu liegen.
Früher benutzte ich Räucherzeugs für Magie im Raum. Allerdings hat man immer ein bisschen Sauerei damit und natürlich den Qualm, deshalb hat die Räucher-Schatulle den letzten Umzug nicht überlebt. Ich habe ja den Aroma-Vernebler.

Zu ihm gehört eine ganze Kollektion an ätherischen Ölen, aber ich greife fast immer zum selben Fläschchen: Rosmarin.
Rosmarin ist ein mediterranes Gewürz (ihr wisst schon: „Mami, ist das Tanne im Essen?“), dessen Name aus dem Lateinischen stammen soll und „Tau des Meeres“ bedeutet. Schon das genügt, dass ich Rosmarin mag.
Google sagt, dass Rosmarinduft das Gedächtnis verbessert, entspannend wirkt, Ängste und depressive Symptome lindert. Ich spüre aber etwas anderes: Rosmarin riecht so stark, dass er negative Energien vertreibt. Quälende Geister in der Zimmerecke werden zerlegt und gefressen, für mich hat Rosmarinduft etwas Reinigendes.

Wie riecht ein Kuhstall?
Ist euch schon aufgefallen, dass es im Deutschen keine Worte gibt, um Düfte zu benennen? Wie riecht zum Beispiel eine Rose, Kaffee, oder Leder? Das ist nicht überall so: Menschen im malaysischen Regenwald z.B. haben für viele Gerüche so eindeutige Begriffe wie wir für Farben. Vielleicht sind diese Unterscheidungen wichtig für ihr Leben und Überleben.
Gibt es in westlichen Ländern also keine Worte für Gerüche, weil sie in unserem Leben keine Rolle spielen? Oder spielen sie keine Rolle, weil wir keine Worte dafür haben?

Geruchshalluzinationen
Auch das gibt es: So, wie man beim Tinnitus nicht vorhandene Geräusche hört, riecht man bei der Phantosmie nicht vorhandene Gerüche. Ich bin selbst betroffen, denn seit einem halben Jahr rieche ich Zigarettenrauch, wo keiner ist. Ich rauche nicht und niemand in meiner Umgebung raucht, trotzdem rieche ich ständig Zigarettenqualm, als stehe jemand draußen vor dem geöffneten Fenster mit dem Glimmstengel in der Hand. Lästig ist das.

Derselbe Geruch riecht immer wieder anders
Ob man einen Geruch mag oder nicht, hängt übrigens auch davon ab, wie andere ihn finden. Schon der glückliche oder angewiderte Gesichtsausdruck eines Menschen genügt, um die eigene Wahrnehmung zu beeinflussen, und dieser Mensch muss noch nicht einmal anwesend sein. Ein Bild genügt. Mehr dazu

Andersrum funktioniert es auch: In einer Studie bewerteten die Probanden Gesichter als attraktiver, wenn sie zuvor einem angenehmen Geruch ausgesetzt waren. Schönheit liegt also auch in der Nase des Betrachters. Mehr dazu

Besser riechen in der Pandemie
Angeblich werden unsere Nasen derzeit empfindlicher, wenn wir mehr zu Hause sind und weniger Autos bzw. Verschmutzung in der Umwelt eingeatmet werden. Es ist ähnlich als wenn man aus einem Urlaub in den Bergen zurückkommt und plötzlich die Abgase auf der Straße wahrnimmt.
Das Gegenteil ist der Fall, wenn man sich mit Covid-19 infiziert hat. Ein typisches Symptom ist nämlich ein stark eingeschränkter Geruchssinn.

Ich rieche jedenfalls gut, eher zuviel. Infiziert bin ich also nicht und wer weiß – vielleicht zerschießt Rosmarin auch Viren?

 

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