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Ich bin verliebt!

Und zwar seit gestern Abend. Es geschah beim Spiel England gegen Island: Ich habe mich in das isländische Team verliebt. Dem geliebten Briten habe ich es gebeichtet und er sagt, er verzeiht mir. England ist im Moment einfach auf Abschiedstournee, die wollen überall raus – nach dem Brexit jetzt auch aus der Europameisterschaft. Der Liebste hat also Verständnis für mein Fremdgehen. Hoffentlich lässt er sich vom derzeitigen Spirit in England nicht infizieren und beantragt die Entlassung aus unserer Beziehung. Wenn er ein derartiges Gesuch einreicht, werde ich es jedenfalls undemokratisch zerreißen.

Trotzdem liebe ich nicht nur ihn, sondern auch diese frischen Kerle aus dem Norden. Der eine da mit dem dicken Bart … Ich mag Bärte ja nicht, schon gar nicht so einen, aber wie der manchmal lacht, so ungekünstelt und aus der Tiefe, also, da mach ich eine Ausnahme!

Vielleicht trifft im Endspiel Deutschland auf Island. Ein Traum wäre das. Aber wem drück ich dann die Daumen?

Sensation! Island schaltet England aus
(Quelle: rp.online.de)

München Hauptbahnhof

Gestern in München: Als wir aus dem Zug gestiegen sind und die Haupthalle erreichen, fällt uns die enorme Polizeipräsenz auf. Eine größere Gruppe Uniformierter stehen vor dem nächstgelegenen Ausgang, und als wir an fünfzehn Bahnsteigen vorbei zur gegenüberliegenden Seite gehen, um zum Stachus zu gelangen, werden Menschenmassen und Polizeiaufgebot immer dichter. Auf Treppen und Galerien stehen Leute und halten Fotoapparate, nun hören wir aus dem Getümmel Geschrei und Gesänge. Ich stelle mich auf die Zehenspitzen und kann hochgereckte Arme erkennen, die zu jungen Männern in schwarzen Kleidern gehören. Weitere Polizisten bilden nun Barrieren.

Sauber, denke ich. Hier findet eine Demonstration mit Neonazis statt und wir stehen mittendrin. Immerhin scheinen die Polizisten keinen Stress zu haben, sondern leiten den Zug entspannt in eine bestimmte Richtung. Es sind fast ausschließlich Männer zwischen Zwanzig und Dreißig, die nun an uns vorbeigeführt werden. Ich weiß nicht, welche Parolen sie rufen und worüber sie sich so ereifern, aber ein neben uns stehender junger Polizist gibt freundlich Auskunft: „Das sind Fußballfans aus Hannover. Kamen mit einem Sonderzug und wir begleiten sie jetzt zur S-Bahn. Die sind harmlos, nur ein bisschen laut.“ Jetzt seh ichs auch. Jacken und Schals zeigen ja das Logo, die Vereinsfarbe ist offenbar Schwarz.

Ich bin begeistert: Bayern München hat den Meistertitel bereits sicher, Hannovers Abstieg steht ebenfalls fest. Trotzdem sind so viele gekommen, um ihre Mannschaft anzufeuern.  Leider hats nicht geholfen, Hannover verlor. Aber auf solche Fans darf man trotzdem stolz sein.

 

München-Hbh

Sch..viech!

Man hätte das Tier ersäufen sollen vor dem Spiel, womöglich gibt es eine ominöse Art von Einflussnahme. Wie konnte ein blöder Octopus wissen, dass Deutschland verliert? Viel eher wirkt da ein oberschlauer Pfleger, der seine Tipps als Kraken-Leckerbissen in einem der beflaggten Futtercontainer deponiert. Wie auch immer. Ob durch Magie, Vorsehung oder einfach weil die Spanier besser waren – Deutschland ist raus. Welche Deppen geben draußen eigentlich grad Hupkonzerte?

Schade. Es ist so schön, auf sein Land stolz zu sein. Die ganze Welt staunte über die deutsche Mannschaft. Ein paar phantastische Spiele haben wir hingelegt, und die kann uns keiner nehmen. Vielleicht klappts beim nächsten Mal, Spiel ist Spiel. Es gibt ja noch ein paar Dinge mehr, auf die man als Deutscher stolz sein kann. Es ist uns nur beigebracht worden, nicht so laut drüber zu reden. Bei Fußball-Weltmeisterschaften ist das ganz anders!

Spannend, spannend!

Gegen Argentinien zu verlieren, wäre keine Schmach gewesen. Aber 4:0 gegen sie zu gewinnen – da fällt dem Deutschen nichts mehr ein außer Jubeln! Unbekümmert schossen unsere Jungs drauflos, Millionen Menschen auf der ganzen Welt sahen ihnen dabei zu, feierten gemeinsam und litten gemeinsam, je nach Standort. Was für ein Team! Ein hinreißender Tag.

Kurzer Blick auf die Statistik:

Deutschland-Australien: 4:0 (toller Auftakt)
Deutschland-Serbien: 0:1 (schuld war der Schiedsrichter)
Deutschland-England: 4:1 (No comment)
Deutschland-Ghana: 1:0 (da hatten wir’s schwer)
Deutschland-Argentinien: 4:0 (unglaublich!)

Bleiben wir auf dem Boden, wir sind ja deutsch und das nächste Spiel kann das letzte sein. Andererseits… sieht es nicht danach aus, oder? (Hastig-dreimal-auf-Holz-klopf, toi-toi-toi-ruf und Stoßgebet-zum-Himmel-schick.)

Ich meine … es könnte schon sein, oder? Dass wir – zunächst mal – weiterkommen? 🙂

Schlaaand!

Der Engländer an meiner Seite schüttelt verhalten den Kopf. Selbst wenn das Ergebnis andersrum ausgegangen wäre, meint er, hätte es einen solchen Hexenkessel in seiner Heimat nicht gegeben. An der zentralen Kreuzung der Stadt blockieren deutschland-beflaggte Autokorsos und Tausende jubelnder Fans die Straßen in allen Richtungen. Es wird an Fahrzeugen gerüttelt, Humpta Humpta Täteräää grölt es von irgendwoher, auf dem Dach eines Milchwagens drängen sich junge Leute mit Vuvuzelas, Mädchen hängen aus den Fenstern vorbeirollender Autos und recken Deutschland-Fähnchen hoch. Das Straßenbild ist schwarz, rot und gold.

Es sei doch nur ein Spiel, stellt mein Darling klar. Nicht das Endspiel, noch nicht mal das Halbfinale, einfach nur ein Spiel. Jaaa, aber es war DAS Spiel, das Spiel gegen England! Da verschmerzt der Deutsche die 5:1-Pleite vor ein paar Jahren in München doch besser. Und überhaupt: Wann darf unser Land schon patriotisch sein? England beweihräuchert sich jahraus, jahrein, wie alle andern Ländern auch. Aber wir? Wir streuen Asche auf unser Haupt und schämen uns, wie es sich gehört mit unserer Geschichte, außer bei der Weltmeisterschaft. Da dürfen wir stolz sein, deutsch zu sein, und wir sind es. Erst Recht, wenn wir gegen England gewinnen!

Auch die türkisch-stämmige Jugend ist gekommen, in schwarzrotgold-dekorierten Autos. Sie freuen sich mit und feiern mit, ein Mädchen mit Kopftuch trägt die Deutschlandfahne um ihre Schultern, sie lacht und winkt. Wir sind Fußball.

Schön!

🙂

Hauptsache gewonnen!

Wenn man ein Weltmeisterschaftsspiel mit der englischen Mannschaft in einem englischen Pub anschaut, fallen einem zwei Dinge auf:

  1. .Trotz Überfüllung steht man frei da. Niemand berührt einen. Es bleibt Luft zum Atmen,auch wenn sie dick und heiß ist.
  2. .Inmitten der Menschen nimmt man allerlei Düfte wahr. Deos, Parfums, aber keinen Schweißgeruch, von niemandem. Weder auf das eine noch auf das andere könnte man sich in einer deutschen Kneipe verlassen.

Während des Spiel s unserer eigenen Jungs gegen Ghana war es hingegen nicht überfüllt, in keinem Pub. Das macht aber nix. Hauptsache gewonnen. 🙂

Herzliche Grüße aus London, bei Strongbow und Hotspot!

Rätselhaftes Fußball

Wie Millionen andere Frauen werde ich pünktlich zur Weltmeisterschaft  Fußball-Fan. Natürlich bin ich morgen dabei, wenn Deutschland den Australiern zeigt, wo der Hammer hängt. Es war aber auch keine Frage, welches Spiel ich als erstes sehen würde: England gegen USA. Heute.

Ich gebe zu, wenn ein Tor fällt, tu ich mich manchmal schwer zu erkennen, ob es das richtige war. Deshalb prüfe ich immer  erst die Umgebung, bevor ich anfange zu jubeln oder zu trauern. Als heute nach wenigen Minuten der Ball schon ins Tor traf, wandte ich mich daher zu meinem Liebsten. Der blickte mit halb geschlossenen Augen und hochgezogenen Augenbrauen vor sich hin und ich gab mich also enttäuscht. Offenbar hatte ein Amerikaner das Tor geschossen. Die Wahrheit ist aber: Es war ein Engländer. Mein Darling ist eben nicht nur fußballbesessen, sondern auch – very British. Erst die Einblendung im Fernseher gab mir die Sicherheit, die Arme hochwerfen zu können. Da war es dann aber irgendwie zu spät.

Das zweite Tor fiel eine halbe Stunde später und jetzt schüttelte er den Kopf und lachte. Das irritierte mich, denn auf dem Bildschirm war nicht derselbe Torwart zu sehen wie beim ersten Mal und mein Scharfsinn gab mir Recht: ein Amerikaner war diesmal der Schütze. Was daran den Briten neben mir amüsierte, verstand ich wieder nicht.

Engländer lachen und schweigen an ganz anderen Stellen als Deutsche.