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Hexen, Geister, Teufelsbräute

Heute bei einem der zahlreichen Narrensprünge der schwäbisch-alemannischen Fasnet. Mit dem vergleichsweise zivilisierten rheinischen Karneval hat das nichts zu tun: Bei uns geistern gruselige Gestalten herum, alle mit einer „Larve“, also einer Holzmaske. Jede Zunft hat ihren eigenen Schlachtruf, der vom Publikum beantwortet werden muss. Zum Beispiel: „Dr Torf isch weg“ – „jetzt hommer dr Dreck!“
Die Kinder bekommen Süßigkeiten, die jungen Mädchen Konfetti ins Haar. Uns hat man nur versucht, den Schal wegzunehmen und die Schnürsenkel aufzuziehen. 😉

 

Geistreich

Wie oft habe ich mir gewünscht, nicht mehr hierher kommen zu müssen – in die Wohnung meiner Mutter, ins Pflegeheim. Wie oft habe ich mir gewünscht, die nicht enden wollenden Besuche würden aufhören. Sieben Jahre sind vergangen, und nun ist es so: ich muss nicht mehr kommen. Trotzdem stehe ich heute in dem Raum, in dem sie die letzten Monate ihres Lebens verbrachte. Nicht weil ich ihrer Seele nachspüren will oder sowas, sondern weil ich ihr Zimmer ausräumen muss. Es fällt mir aber nicht schwer, ich bin gern hergekommen. Sie ist noch hier. Ich besuche sie wie immer, aber diesmal geht es ihr gut. Es ist, als ob sie mir helfen wollte und nach den Pinseln greife, die ich gerade in einem Täschchen fand. Dann lacht sie über sich selbst, weil Himmelsfrauen ja gar keine Bilder malen können. So wie sie früher – als sie noch besser sprechen konnte – darüber lachte, wenn ein falsches Wort ihre Lippen verließ oder gar keins. Das ist auch nicht wichtig, niemand kann alles, und Geister sind wie alte Menschen: Sie haben ein Recht, dazusein. Sie können lieben und geliebt werden. Nur die Hülle ist weg, die beschwerliche. Ich hatte heute einen schönen Nachmittag.

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© Ursula Holly, „Tanz der Elfen“