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Durchatmen

4. Tag: Humshaugh – Grindon

Vom Hadrianswall sehen wir auch heute nur Fragmente. Wir wandern aber direkt auf ihm, denn dieser Teil der Mauer existiert noch und wurde nicht freigelegt. Sie verbirgt sich unter einer Erdschicht und weicher Grasnarbe, über die unser Weg führt. Häufig sieht man versprengte Steine der Originalmauer.


Unsere Strecke ist heute etwas kürzer: Nur 15 km. Das machen wir mit links. Wider Erwarten werde ich nicht jeden Tag erschöpfter, sondern jeden Tag fitter! Wenn es so weitergeht, muss ich die letzten Etappen im Handstand zurücklegen, damit meine Waden nicht zu kräftig werden. 😉

Wir wandern lange Zeit über sanft geschwungene Hügel. Man denkt an gar nichts mehr. Ich atme ein und atme aus, spüre den frischen Wind im Gesicht, nehme den Duft von Gras, Heu und getrocknetem Viehdung wahr. Ich blicke nach vorne. Die Landschaft hat etwas von der Weite eines Ozeans. Mehr braucht es nicht.


Die Besonderheit dieses Busses ist die Nummer der Buslinie: AD122: es bedeutet Anno Domini 122 / 122 n. Chr., und da wurde mit dem Bau des Hadrianwalls begonnen.

Die Umgebung verändert sich. Das Weideland verschwindet allmählich, der Untergrund wird feuchter, der Boden wird zur Heide. Der Wind pfeift uns stundenlang um die Ohren. Wir können uns nicht mehr unterhalten, so laut ist es. Über weite Strecke sehen wir nur flaches Land und die Hinterlassenschaften von Schafen. Man muss aufpassen, wo man hintritt. Da die Tiere nur vereinzelt zu sehen sind, war der Rest wohl auf der Durchreise.

Hier ein sog. Turret: ein kleiner Wachturm, in dem römische Soldaten Dienst hatten. Etwa alle 500 m gab es ein solches Turret oder eine kleine Festung.

Scottish Blackface heißt diese Schafrasse, die man hier häufiger sieht. Und ja, ihr seid die Coolsten!

 

Wanderung am Hadrianswall:

Tagesstrecke: 14 km in ca. 5 Std.
Bisher gelaufene Strecke: 67,7 km
Reststrecke: ca. 67 km

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Wandern ist eine Tätigkeit der Beine …

… und ein Ζustand der Seele. ( Josef Hofmiller)

3. Tag: East Wall Houses – Humshaugh

Das Gepäck wird immer gegen halb zehn Uhr abgeholt, d. h. bis dahin muss alles gepackt sein und es ist wichtig, dass nichts liegenbleibt. Heute z. B. waren unsere Koffer gerade mit einem Minibus davongefahren, da entdeckte ich den Haarfön auf dem Frisiertisch. Also musste ich ihn den ganzen Tag im Rucksack mit mir herumtragen, morgen passe ich besser auf.

Unser Weg führt heute kilometerweit an Wiesen und Feldern entlang.

Auf dem Gras liegt dicker Tau, die Tropfen glitzern in der Sonne, frischer Wind weht uns um die Nase. Hier und da tauchen kleine Bauernhöfe auf.

Am Anfang wandern nicht nur die Beine, sondern auch die Gedanken. Aber das hört wieder auf. Mit der Zeit legt sich das satte Grün, das sanfte Auf und Ab der Hügel und die Harmonie der Natur auf die Seele. Wir werden Teil der Landschaft.

Immer wieder geht es durch Weideland.

Wenn ich den Blick dieses jungen Stieres richtig deute, dann ist er mit unserer Anwesenheit nicht einverstanden. Wir warten respektvoll darauf, dass er seine Meinung ändert. Aber erst als eine Kolonne Motorräder vorbeidonnert, rennt er erschrocken zur Seite und macht den Weg frei. Wir schreiten nun zügig voran. Aus dem Augenwinkel sehe ich, dass das Tier uns entrüstet hinterherblickt.

Links verläuft die Military Road.

Die Straße hört man heute mal mehr, mal weniger. Zu sehen ist sie fast nie, sondern nur Wiesen, Haine und weitläufiges Agrarland. Die Szenenwechsel der Umgebung gehen nur allmählich vonstatten und es ist ungewohnt, nicht ständig neuen Eindrücken ausgesetzt zu sein.

Was ich während es langen Gehens feststelle ist, dass nicht nur die Beine unterwegs sind, sondern auch der Kopf, und dieser hat mitunter ein geringeres Tempo als die Beine. Es ist, als hätte er sich zum Ausruhen ein wenig hingelegt, und auf einmal kommt man ins Trödeln. Um den Anschluss zum geliebten Briten nicht zu verlieren, muss ich nun meinen Kopf mit einem kräftigen „Auf gehts!“ wecken. Das klappt, meine Beine gehen dann tatsächlich schneller und leichter.Links deutlich zu sehen: Der oder das Vallum, der Graben. Man sieht ihn oft heute noch neben dem Hadrianswall. Ich weiß nicht, ob er einst der zusätzlichen Sicherung der Grenze diente oder einfach der Erdaushub war. Vermutlich beides.

Nach etwa vier Stunden fangen meine Waden an, ein wenig zu zwicken. Kurz vor dem Ziel bekomme ich dann Muskelkrämpfe, die nicht mehr vergehen. Die letzte halbe Stunde wird schmerzhaft. Zum Glück hat unsere Unterkunft eine Badewanne … … und zum Glück hat der geliebte Brite Magnesium dabei. Er schaut außerdem in YouTube nach, wie man Wadenkrämpfe massiert, und alles hat geholfen. Etwa eine Stunde später bin ich wieder schmerzfrei!

 

Der Vallum Hadriani oder auch Hadrianswall wurde im 2. Jahrhundert n. Chr. unter Kaiser Hadrian errichtet. Er markiert, wo der Feldzug der Römer endete und ist daher auch ein Symbol dafür, dass die britische Insel niemals vollständig beherrscht werden konnte: Der Süden und Osten Englands wurde unterworfen, aber die Stämme Nordbritanniens waren wilde Gesellen, hartnäckig und unberechenbar. Sie konnten vom disziplinierten Militär der Römer nicht besiegt werden. Möglicherweise machte den sonnenverwöhnten Römern auch das raue Klima zu schaffen.

Der Wall verläuft zwischen Newcastle und dem Solway Firth über 100 km lang quer durchs ganze Land in der Nähe der englisch-schottischen Grenze. Er sollte den Handels- und Personenverkehr kanalisieren, um dort z. B. die Erhebung von Zöllen zu ermöglichen. Außerdem war er eine Bastion gegen die unkontrollierte Migration schottischer und irischer Stämme in die Provinz Britannia inferior(Quelle: Wikipedia). https://de.wikipedia.org/wiki/Hadrianswall

Heute ist der Hadrianswall eine Weltkulturstätte. An ihm entlang führt ein eindrucksvoller Fernwanderweg.

Wanderung am Hadrianswall:

Tagesstrecke: 19, 4 km (ca. 6 Std.)
Bisher gelaufene Strecke: 53,7 km
Reststrecke: ca. 81 km

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