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Autoschau auf römischen Straßen

Nicht nur in Rom, aber eben auch in Rom ist der Straßenverkehr eine Sache für sich. An unübersichtlichen, vielspurigen Kreuzungen zum Beispiel gibt es kein Zaudern – man fährt einfach rein. „Wenn du wartest, wartest du immer“, grinst Stefano. Kein Deutscher kann das: geschmeidig ins Chaos, einfädeln, irgendwie geht es, ein Wunder. Wir kommen jedes Mal heil an, auch wenn es nie danach aussieht auf dem Rücksitz.

Fette Audis und Mercedes sehen wir kaum, nur Kleinwagen, und so gut wie jedes Fahrzeug hat Blessuren. Die Millionärskarossen parken im abgesicherten Modus auf privaten Grundstücken. Wir haben nur einmal gesehen, wie in der Luxusstraße Via Condotti eins herausfuhr. Ein paar Männer zogen hohe Eisentore auf und verscheuchten die Menschentraube davor, dann rollte ein hochglanzpolierter Wagen heraus. Ansonsten gibt es eben Wichtigeres als Autos. Gutes Essen zum Beispiel.

Auch das Parken soll erwähnt werden: Geparkt wird, wo ein Auto hinpasst. Parkverbotsschilder sind nur die berühmten Vorschläge. Einmal sehen wir einen Fiat, der auf der gestreiften Fläche im Zentrum einer Kreuzung abgestellt ist. Der Fahrer sei wohl ein Eis essen gegangen, mein Stefano, und nein, auch dieses Auto wird nicht abgeschleppt werden. So wenig wie die andern, die im unbeschränkten Halteverbot stehen. Deshalb ist Parken in Rom praktisch kostenlos (während Alkohol am Steuer streng geahndet wird). Ich habe den Eindruck, dass Italiener sowieso nirgends lange bleiben. Sie sind ständig unterwegs, und ein Auto ist bald wieder weg.

Ich mag dieses Improvisiationstalent und wie alles fließt, es ist so herrlich italienisch. Und zur Überraschung mancher Deutschen bricht der Stadtverkehr nicht zusammen!

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Italienisches Brauchtum

An der berühmten Piazza del Popolo stehen Soldaten mit Maschinenpistolen. Ihr Militärjeep verstellt eine Zugangsstraße, die Männer blicken angespannt auf das Treiben der Menschen auf dem Platz. Wir warten auf Stefano.

Bei unseren Streifzügen durch die Stadt sahen wir auch an anderen stark belebten Orten und vor öffentlichen Gebäuden schwer bewaffnete Soldaten. Mir ist nicht wohl bei dem Anblick, erwartet man einen Terroranschlag?

Da taucht Stefano auf. Er stammt aus Rom und war mit einer deutschen Frau aus unserer Heimatstadt verheiratet, von dort kennen wir ihn. Als sie vor einigen Jahren starb, kehrte er nach Rom zurück, aber der Kontakt riss nie ab.

Wir fallen uns in die Arme und als wir mit dem Begrüßen fertig sind, äußere ich meine Furcht wegen des Militärs.
„Ach was“, lacht Stefano und radebrecht auf Deutsch: „in Italien gibt keine Islamisten. Wir haben Mafia, die passen auf, dass Terror keine Geschäfte stört.“
„Aber wozu stehen dann überall bewaffnete Soldaten herum?“
„Ist immer so in Italien“, lacht Stefano wieder, „keine Angst. Nur Folklore.“

Terroranschläge – Italien weniger gefährdet?

Stefanos Hochzeit

 

Die Pyramiden von Südtirol

Nicht weit von unserem Hotel entfernt finden wir die berühmten Erdpyramiden von Terento. Berühmt trifft die Sache nicht ganz, denn ich habe noch nie von ihnen gehört. Jedenfalls handelt es sich um mehrere etwa dreißig Meter hohe Säulen, auf deren Spitze ein  Gesteinsbrocken liegt. Der Anblick ist originell, ihre Entstehung nicht minder.

Sie ist vermutlich auf ein Unwetter vor rund zweihundert Jahren zurückzuführen, bei dem herabstürzende Regenfälle den Hang aufrissen, unterirdische Moränenschichten fortspülten und tiefe Furchen zwischen den herumliegenden Felsenbrocken hinterließen. In den hier typischen trockenen Sommern wurde das Erdreich seither fest zusammengebacken und in den Regenzeiten die dazwischen liegenden Rinnen weiter und weiter ausgewaschen. So bildeten sich mit der Zeit eine Art Pfeiler, die jeweils „ihren“ Felsbrocken tragen. Wenn der Steindeckel irgendwann herunterfällt, verschwindet auch die Pyramide allmählich, während an anderen Stellen immer wieder neue entstehen.

So ganz hab ichs nicht verstanden, aber mir gefällt das Bild – im tatsächlichen wie im übertragenen Sinn: Nach einem Erdrutsch bildet sich ein Steilhang, an dem in einem ständigen Kreislauf interessante Formationen entstehen und vergehen. Mit einer festgezurrten Grasnarbe wäre das nicht möglich.

Wie im Leben.

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Bergzeit

Gletscherwasser sieht aus, als hätte jemand Milch reingeschüttet. Ganz weiß. Wir überqueren einen Gebirgsbach am Fuß des Monte Rosa Massivs und ich würde ein Foto machen von diesem eigenartig gefärbten Wasser, aber es geht nicht. Ich kann mich nämlich nicht bewegen, mein Körper ist ganz starr, denn ich habe solche Angst. Damit habe ich gerechnet, denn wer Höhen nicht ertragen kann, sollte in keinen Sessellift steigen. Wir gehören aber zu einer Reisegruppe und die heutige Wanderung beginnt weit oben. Also schaue ich auf Baumwipfel hinunter und denke, man sollte auf Baumwipfel nicht hinunter schauen, sondern immer nur zu ihnen hinauf, und ich richte den Blick schnell wieder gerade aus. Aber es hilft nichts. Ich sterbe endlose zwanzig Minuten lang.

Danach – in etwa 2000 m Höhel – klettere ich mit den andern in einem langen Zug über einen Gletscher hinweg. Auf seiner Oberfläche liegen Felsbrocken und Geröll, so dass man keine Schlittschuhe braucht, sondern festes Schuhwerk und Wanderstöcke. Auf der anderen Seite steigen wir immer weiter nach oben. Es weht ein gewaltiger Wind, der uns manchmal fast umnimmt, aber er sorgt auch für ein Gebilde, das ich noch nie gesehen habe: Über den Gipfeln zeigen sich grandiose, sich ständig verändernde Wolkenformationen. Es sind aber keine Wolken. Es ist Schnee, der von den Böen aufgesprüht wird und sich zu immer neuen Bildern zusammensetzt. Wir stehen alle da und schauen. Gigantisch.

MonteRosa

Meine letzten Vorräte an Tapferkeit verbrauche ich während der Rückfahrt. Der Bus schraubt sich etwa eine Stunde lang Serpentinen hinunter und diesmal sitze ich auf der falschen Seite. Wenn ich aus dem Fenster sehe, geht es so tief hinunter, dass der Grund der Schluchten nicht mehr zu sehen ist. Die Straße ist schmal, ich wage keine abrupten Bewegungen mehr und lehne mich vorsichtig vom Fenster weg, als könnte eine unbedachte Bewegung den Bus aus dem Gleichgewicht bringen und wir stürzen alle in die Tiefe. Ich will nie mehr in die Berge.

Aber das sage ich jedes Mal.

Sommerfrische auf italienisch

Braucht jemand eine günstige Villa? Ich weiß, wo es welche gibt: Im Piemont, in den Bergen und Hängen um den Lago Maggiore herum liegen schicke, elegante Residenzen mit meist geschlossenen Fensterläden. Vor etwa hundert Jahren wurden sie von den Reichen aus Mailand erbaut und inzwischen wären sie froh, ihre Prachtbauten wieder loszuwerden, wenn man Tonio glauben darf. Tonio ist unser Wanderführer, und während wir mit heraushängender Zunge vor einem der mondänen Gebäude stehen bleiben, beschreibt er die Details so anschaulich, dass ich vermute er betreibt auch noch ein Geschäft als Immobilienmakler. Dann marschieren wir weiter stramm bergauf und haben ein Gesprächsthema immerhin. Es ist die erste Wanderung mit unserer Reisegruppe, lauter ältere Menschen und wildfremd noch dazu.

Schuld an der Misere sei Monti, schimpft Tonio in einem fort. Natürlich ist der Gardasee oder Comer See attraktiver geworden für wohlhabende Sommerfrischler, völlig unverständlich, aber Monti will einfach auch zu viele Steuern. Nun muss mancher arme Reiche sein Anwesen aufgeben, unter Berlusconi hätte es das nicht gegeben. Die einen oder andern von uns erheben Einwände gegen solcherlei Anschuldigungen, weil sie über die Hintergründe Bescheid wissen. Das sind die Lehrer. Die Lust an Wissensanhäufung und Wissensvermittlung verliert sich offenbar auch im Ruhestand nicht. Es entstehen kleine Diskussionen in der Gruppe, manche schütteln den Kopf oder lachen.

Während wir weiter wandern, wechseln wir immer mal ein paar Worte mit dem, der gerade neben einem geht, es ist eine fröhliche und aufgeschlossene Gruppe. Ich stelle fest, dass die äußerlich eher schlichten Erscheinungen die anregendsten Gesprächspartner sind. Und da wir als Käufer einer Villa allesamt nicht in Frage kommen, berühren uns auch die Probleme italienischer Großgrundbesitzer nur peripher. Die Tour macht Spaß.

Wieder was gelernt

Gibt es in Italien eine Gegend, die perfekt organisiert ist? Man kann es sich schwer vorstellen, aber wir waren da! Gestern kamen wir von einer Reise zurück, die nachweislich nach Italien geführt hatte, und alles hat tiptop geklappt. Ohne augenzwinkernde Kompromisse erlebten wir ein paar herrliche Urlaubstage in Meran. Die Gründlichkeit des nördlichen Nachbarn mischt sich hier mit dem Weltbild eines südlich geprägten Landes: La vita è bella.

Wir erinnern uns an eine Stunde im Geschichtsunterricht: Südtirol gehört seit dem Ersten Weltkrieg zu Italien. Aber mehr als die Hälfte der Menschen, die dort leben, sind heute noch Österreich-stämmig. Ihre Kinder werden in deutschsprachigen Schulen unterrichtet mit Italienisch als erster Fremdsprache. Italienische Mädchen und Buben besuchen Schulen in ihrer Landessprache und lernen dort deutsch. Zwischen Italien und Österreich gibt es Vereinbarungen zum Schutz des autonomen Südtirols. Der italienische Staat hat hier also kein freies Spiel, erläuterte der freundliche Hotelbesitzer mit Nachdruck.

Das Ergebnis: Man spricht überall deutsch, und die Angestellten in Hotels und Restaurants sind entspannt. Es gibt keine Hektik, alles funktioniert, und der Besucher hat die Wahl zwischen einem der herrlichen Spazierwege im Ort und darum herum, kilometerlang, alle mit Liebe zum Detail angelegt und instand gehalten, oder – wer es knackiger mag – der Bergwelt, die in einer Viertelstunde mit dem Auto oder Bus zu erreichen ist. Wer es wissen will, darf auch einen der Dreitausender hochkraxeln.

Hier der gemütliche Tappeiner Höhenweg mit herrlichen Ausblicken auf Meran und das Etschtal:

Wie im Frühling … Die Lagerströmie oder Kreppmyrte blüht im Spätsommer.

Weiter oben in den Bergen:

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