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Briefkästen – vom Aussterben bedroht?

Bei unserer Wanderung in Italien fiel mir mancher hübsche, kreative und völlig normfreie Briefkasten auf. Es wäre schade, wenn es sie nicht mehr gäbe. Ob wohl unser Leben irgendwann einmal komplett digitalisiert ist und die Postannahmestelle am Haus obsolet wird? Es ist ja schon heute nicht mehr viel darin zu finden. Das einzig Interessante sind die Reklameblättchen von Aldi oder Lidl, und auch die könnte man im Internet nachschauen. (Aber nicht aufs Klo mitnehmen als Lektüre.)

Unser Briefkasten ist dagegen unspektakulär: Nur ein Einwurfschlitz mit Klappe, der Kasten befindet sich innerhalb des Gebäudes. Standard.
Wie sieht euer Briefkasten aus?

Natürlich!


Ich frage mich, ob der Anblick eines hochschwangeren Bauchs für kleine Kinder heutzutage normal ist, oder ob sie nicht doch etwas verstört reagieren könnten. Wo doch selbst Erwachsene sich über Frauen aufregen können, die in der Öffentlichkeit stillen.

Das Ding auf dem Bauch der jungen Mutter ist übrigens kein Hühnerbein, sondern der Stiel einer Blume.

Gesehen haben wir die eindrucksvolle Skulpturenausstellung des Künstlers Franco Alessandria bei unserer Wanderung im Piemont in La Morra.

Dem Nutellakönig zu Ehren

Jeder Deutsche und jede Deutsche muss man mindestens einmal im Leben eine Schachtel Mon Chéri geschenkt bekommen haben. Sonst kann einem die Staatsbürgerschaft aberkannt werden. Traditionsgemäß verschwindet die Schachtel in einer Schublade zum Weiterverschenken (sodass es insgesamt vielleicht gar nicht viele gibt), und wer hats erfunden? Ein Italiener. Michele Ferrero, König des Piemont, ihm verdanken wir Nutella, Duplo, Kinderschokolade, TicTac und vieles mehr. Stammsitz des Imperiums ist in Alba/Italien, und weil er so viele Menschen glücklich gemacht hat – egal ob durch Arbeitsplätze oder Überraschungseier – tragen viele Plätze und Straßen in dieser Region seinen Namen.

Wir entdeckten aber etwas anderes, das ihm gewidmet ist. Und das ist gleich in zweifacher Hinsicht einmalig:

1. Das Design – schaut es euch an!
2. Nichts, aber auch gar nichts ist darüber im Internet zu finden.

Wir wissen nur, dass es sich um ein optisch interessantes Haus in einem kleinen Ort namens Serravalle Langhe handelt, aber nicht, was es damit auf sich hat. Wer hat es gebaut? Wem gehört es? Neben dem Gebäude befinden sich Sportplätze – ist es ein Vereinsheim? Oder ein Museum? Ein Privathaus? Wir wissen es nicht, aber nunmehr ist dem Internet wenigstens bekannt, dass es dieses Haus gibt. Sollte also jemand dort aufschlagen und zufällig italienisch sprechen, könnte man ja mal nachfragen und Mrs Google aufklären.

Fotomodelle

Kennt ihr das auch, dass ihr gar nicht mehr aufhören könnt, etwas Bestimmtes zu fotografieren?

Ich jagte bei unserer Wanderung ständig Zeit hinter Schmetterlingen und Eidechsen her. Die Schmetterlinge waren meist unfotografierbar, aber ein paar habe ich erwischt. Was ich nicht einfangen konnte, war eine Art Heuschrecke. Man erkannte sie kaum auf dem Boden, aber wenn man näher trat, flog sie ein paar Meter davon, und im Flug entfaltete sie leuchtend blaue Flügel! Wir sahen diese erstaunlichen Tierchen immer wieder, und am letzten Tag durften wir noch eine andere Variante bewundern: Sie leuchtete beim Fliegen rot.
Mrs Google kennt sie übrigens: Es handelt sich um die Blau- bzw. Rotflügelige Ödlandschrecke. Nun wissen wir das auch.

Die Eidechsen hielten eher still beim Fotografieren, sahen aber alle gleich aus. Außer einer: Sie war größer und fülliger als die kleinen Mauereidechsen, grasgrün und herrlich anzusehn. Eine Art Gecko oder so was. Bis ich die Kamera positioniert hatte, war sie leider weg.

Habt ihr auch Motive, denen ihr mit der Kamera nicht widerstehen könnt?

Reisegeschichten (2)

Um ein Haar hätten wir uns im Urlaub mit jemandem angefreundet. Es waren ja noch mehr Wanderer unterwegs: einmal hatten wir einen Abend lang Spaß mit einem jungen holländischen Paar. Aber die meine ich nicht. Ich meine Her Highness und den Husten.

Die beiden waren schon älter und stammten aus Australien. Sie fielen uns auf, weil Er sich beim Reden ständig räusperte, während Sie auf eine Art sprach, als sitze sie beim Pferderennen in Ascot: very british, very posh, „I am utterly exhausted“ und so. Her Highness in Wanderhosen.

Sie zeigten kein Interesse an uns. Wir auch nicht an ihnen, weil uns Husten und Gehabe auf die Nerven gingen. Der Mann grüßte immerhin zurück beim Frühstück oder Abendessen. Die Dame würdigte uns keines Blicks.

Einmal steuerten wir bei einer Wanderung auf die einzige Bar in einem Dorf. Da hörten wir es von der Terrasse her schon husten. Wir gingen trotzdem rein, weil wir Hunger hatten, und zum ersten Mal bedachte uns Her Highness mit einem Lächeln. „Hi,“ begrüßte sie uns charmant. „Hi Highness“, hätte ich beinahe erwidert. Sie empfahlen uns die Panini, mehr wurde nicht daraus. Auch nicht später beim Abendessen.

Die Wende kam am letzten Tag. Wir wurden von Cortemilia zum Ausgangspunkt in Alba zurückgebracht und landeten im selben Taxi: 45 Min. Zeit, uns anzuschweigen oder nicht. Und da ging das Plaudern los. Wie fandet ihr es? Hattet ihr auch Angst vor Wildschweinen? Manchmal ging es schon lange bergauf, oder?

Es wurde geradezu munter zwischen uns und wir entdeckten einige Gemeinsamkeiten. Deshalb wollten war beim Aussteigen gar nicht glauben, dass es vorbei ist. Wir werden uns niemehr wiedersehen. Australien ist zu weit weg.

Warum dauerte das so lange?

Angekommen

An unserem letzten Wandertag wurde es wieder warm, und wir marschierten gemütlich vor uns hin. Von Cravanzana nach Cortemilia, 13 km, 450 m nach oben, 790 m nach unten. Ein letztes Mal ließen wir uns von der Schönheit der Natur einfangen.

Etwa 80 km gingen wir in sechs Tagen zu Fuß und keuchten knapp 3000 Meter bergauf. Die Muskeln und Gelenke sind fit geworden, der Geist auch. Wir wissen nun, dass Wegbeschreibungen nicht strikt befolgt werden dürfen, dass Wegmarkierungen öfters fehlen oder an interessanten Stellen erscheinen, z.B. vor (!) einer Kreuzung. Als wollten sie sagen: „Links? Rechts? Was sind das für Fragen! Geh, wohin dein Herz dich führt, dann kommst du schon an. Wo auch immer.“
Nur auf die App mit dem Tourenverlauf war Verlass, deshalb haben wir uns auch nie verirrt. Respekt vor den Wandersleut, die früher nur mit einer Karte losgezogen sind.

Nun sind wir wieder zu Hause. Ich sehe noch immer das unendliche Grün der Landschaft und das strahlende Blau des Himmels vor mir. Es ist nicht so, dass eine solche Wanderung das große und einzigartige Erlebnis ist. Es sind die vielen kleinen Begebenheiten unterwegs: was man alles sieht, wen man trifft, was man lernt, wie die Strapazen immer besser gemeistert werden, wie die Natur die Seele weitet.
Es geht darum, was der Kopf mitnimmt auf einer solchen Reise und wie manches Thema des Lebens in den Hintergrund rückt.
Deshalb mache ich sowas.

„Reise! Geld kommt zurück, Zeit nicht.“

Gebucht haben wir diese Wandertour bei AbenteuerWege.
Wir waren in hervorragenden Hotels oder Gästehäusern untergebracht und unser Gepäck wurde immer zur nächsten Unterkunft gebracht. Hat alles prima geklappt.

Von Geistern und Schweinen

14 km schaffen wir heute, von Cissone nach Cravanzana. 570 m bergauf, 622 bergab. Da knarrt der Wanderstiefel.

Meist geht es durch lichte und dichte Wälder, perfekt für einen heißen Tag. Nur: Es ist nicht heiß. Gestern Abend gingen Regengüsse nieder, es kühlte auf etwa 15 Grad ab und der heutige Tag bleibt verhangen. So ist das Leben eben.

Wir folgen also den lehmigen, z.T. steilen und glitschigen Wegen der Routenplanung und werden immer tiefer in einen riesigen, naturbelassenen Wald geführt. Keine andere menschliche Seele weit und breit.

Da tauchen mit der Zeit Fratzen und Monster auf. Es sind ja nur abgestorbene Baumreste, aber in der wabernden Feuchtigkeit fühle ich mich wie in einem Zauberwald.

Noch gruseliger sind die Hufabdrücke in der einen oder anderen Lehmkuhle, und immer öfters die frisch (!) aufgeworfene Erde auf dem Weg.
Das waren keine Waldgeister.
Das waren Cinghiale. Wildschweine.

Ich möchte hier nicht den Handy-Empfang verlieren, denke ich, aber das kann einem ja nur in Deutschland passieren.

Der geliebte Brite weiß jedenfalls, dass Wildschweine sehr scheu und nur bei Nacht unterwegs sind. Ich hoffe das stimmt.

Bei der ersten Gelegenheit fliehe ich auf eine kleine Landstraße. Dieser Weg ist etwas länger als der durch den Waldpfad, aber egal. Er führt auch zum Ziel.
Wie gut, dass es Wander-Apps gibt.