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Neue Bekanntschaft

Heute im Büro: Ein Syrer lacht sich kaputt, weil ich ihn für den neuen Dozenten hielt. Noch bevor er sich erklären kann, habe ich ihn nämlich schon in die Küche geführt und die Kaffeemaschine erklärt. Erst da erkundigt er sich zögernd, ob er am neuen Berufsvorbereitungskurs für Flüchtlinge teilnehmen kann.

„Ich Dussel!“ rufe ich und schlage mir an den Kopf. Das findet er so lustig, dass er laut loslacht. Und dieses Lachen habe ich schon tausend Mal gehört. Nun kommen mir auch die klugen Augen bekannt vor, der wache Blick, der gespannt vorgebeugte Oberkörper in Erwartung dessen, was ich wohl als Nächstes raushauen werde.

Lachen, Mimik und Ausstrahlung erinnern mich nämlich an meinen Sohn. Selbst das Alter stimmt ungefähr, nur Haut und Haare des Mannes hier sind dunkler. Wir albern ein wenig herum und je mehr er sich amüsiert, desto stärker irritiert es mich.

Wenn er lacht wie mein Kind, und guckt wie mein Kind, dann denkt er vielleicht auch wie mein Kind. Er kann also kein Fremder sein, und jetzt merkt er es auch. Er blickt mich an, als ob wir uns kennen. Komisch.

„Das haben wir doch längst, du Vollhorst!“

Das Hin und Her mit Griechenland führt natürlich dazu, dass die Witzemacher kreativ werden. Einen habe ich gemailt bekommen, er ist zu nett. Natürlich will ich keinem Griechen zu nahe treten, ganz besonders nicht dem, den meine Tochter kennt. Nix für ungut, gell!

Das Tagebuch von Giorgos Papandreou

 

 

Wunderliche Begegnung

Als ich gestern mit dem Fahrrad nach Hause fuhr, wurde ich von Feen begleitet. Ich besitze ja so ein Kartenset, mit dessen Hilfe man sie rufen und befragen kann zu den Dingen des Lebens. Esoterisch-Spirituelles also, ich bekam es einmal geschenkt. Auf dem Heimweg, vorbei an frisch gepflügten Feldern und mit Erde aufgeschütteten Spargelreihen, hatte ich Feen indes nicht erwartet. Dennoch erschienen ein paar von ihnen und gaukelten wie Schmetterlinge auf und nieder und um mich herum und erfüllten den Wind mit Kinderlachen.

Es gibt sie also, dachte ich und beobachtete die kleinen, durchsichtigen Gespinste, die ausgelassen vor mir her tanzten, als hätten sie lange darauf gewartet. Ihr Übermut steckte mich an, und die Last einer  ganzen Arbeitswoche fiel etwas ab. Meine Schultern wurden weicher, die Schmerzen darin ließen nach, zu meiner eigenen Verblüffung begann ich zu lächeln.

Sind Naturgeister auf unerklärliche Weise von ihrer Welt in meine gelangt? Haben Bäume sie  heruntergeschüttelt? Ehrlich – wenn plötzlich Geister auftauchten, ich würde verschreckt und mit pochendem Herzen versuchen zu fliehen. Ich hingegen hatte Mühe, nicht laut aufzulachen. Diese lustigen Wesen waren mir nämlich nicht fremd. Im Gegenteil schien mir, als kannte ich sie von irgendwoher, und zwar schon lange. Mehr noch: Sie sahen mir ähnlich, jedes einzelne der Gesichterchen glich dem meinen. Ich konnte mir das nur so erklären, dass meine eigenen Feen um mich herumturnten, von mir selbst hervorgebracht, und aus irgendeinem Grund sichtbar geworden.

Derlei Vermutungen und fragwürdige Gedanken auch in der Art, ob meine Nerven mit mir durchgehen, kümmerten meine Begleiterchen nicht. Sie jubelten und hüpften mal vor, mal neben mir und ich musste lachen. Da hörte ich auf,  darüber nachzudenken und überließ mich dem Spaß mit ihnen.

Nicht für sich allein

So. Nun weiß ich, was ein Bodhisattva ist. Eben las ich darüber, ich bin nur nicht sicher beim Aussprechen des Wortes. Weniger der Klang gibt Rätsel auf als die Buchstabenfolgen. Das Auge kann nicht recht folgen, beginnt wieder von vorn, im Gehirn verheddert es sich, aber darum geht’s ja nicht. Sondern darum, was es ist: Zunächst einmal fremd.

Ein Bodhissatva ist ein Mensch mit dem Ziel, von allen Bedürfnissen abzulassen, um sich vom Leiden des Lebens zu befreien und ins Nirwana zu finden. Soweit so normal für jeden Buddhisten. Mit dem finalen Verlöschen pressiert es einem Bodhissatva aber nicht. Seine Bestimmung liegt im Diesseits.

Irgendwo, unterwegs auf dem achtfachen Pfad, schreitet er voran. Doch was er bereits erworben hat an Weisheit, Sanftmut und Geist, das reicht er weiter. Er hilft den Umherirrenden dieser Welt, ihre Lasten abzuwerfen und Erlösung zu finden.

Solche Erleuchtungswesen vermuten wir – der Name verrät es bereits – in Indien. Auch in China gibt es sie bestimmt, doch in unserer globalen Welt kann der Pfad zur Erleuchtung lang sein. Und so tauchte einer von ihnen in Frankreich auf. In der Metro.

Was dort geschah, zeigt der Film.

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Gefunden in: Aufeinanderzu