Schlagwort-Archive: Leben

Auferstehung

ihr fragt
wie ist
die auferstehung der toten?
ich weiß es nicht

ihr fragt
wann ist
die auferstehung der toten?
ich weiß es nicht

ihr fragt
gibt’s
eine auferstehung der toten?
ich weiß es nicht

ihr fragt
gibt’s keine auferstehung der toten?
ich weiß es nicht

ich weiß
nur
wonach ihr nicht fragt:
die auferstehung derer die leben

ich weiß
nur
wozu Er uns ruft:
zur auferstehung heute und jetzt

kurt marti
(Schweizer Pfarrer und Schriftsteller)

 

Florentiner_Dom_innen (3)

 

Die Glücksregel

In irgendeinem Wartezimmer las ich kürzlich von einem Buch, mit dessen Hilfe man sich von Ballast befreien kann. Es ist ganz einfach: Man behält nur das, was glücklich macht. Regelmäßig genutzte Dinge wie Geschirr, Kleidung usw. müssen hoffentlich nicht entsorgt werden, aber alles andere, was man vielleicht irgendwann noch einmal brauchen, anziehen, zeigen könnte, was einfach nur da ist und keine Bedeutung (mehr) hat, kann weg. Wie wirkungsvoll diese Regel ist, selbst wenn man das Buch gar nicht gelesen hat, erlebe ich beim spontanen Nachschauen in meinen Schubladen.

Ich beginne mit einem Hammer (wir haben noch zwei weitere), den ich behalte. Er stammt aus einem früheren Leben, jemand anders hielt ihn schon in der Hand, eine Erinnerung. Aber die Beutel mit den Teekerzen ziehe ich seit Jahren herum und seien wir realistisch: Ich bin keine Romantikerin. Sollte sich das einmal ändern, kaufe ich neue. Diese hier werde ich verschenken und all die herrenlosen USB-, Scart-, Netz- und Sonstwaskabel auch. Aber die Steine und Muscheln nicht! Die zaubern manche Reise auf den Schreibtisch.

Im Lauf des Vormittags bekommt der ganze Schrank mehr Luft und ich auch. Jetzt kann ich gar nicht mehr aufhören damit. Kaum gibt es eine Regel, schon verwirft man alle Bedenken und es geht ganz leicht. Zu solchen Gedankengängen sind wahrscheinlich nur Deutsche fähig.

 

Mitbringsel

 

Zum Weiterlesen:
Die Lehre von der Leere

 

Wünsche

Neulich an der Fleischtheke: Der Verkäufer, ein stattlicher Mann, fragt die Kundin vor mir: „Sonst noch Wünsche?“
„Ach“, sagt sie lapidar, greift nach den Wurstpäckchen auf dem Tresen und legt sie in den Korb ihres Rollators, „Wünsche hätte ich schon … aber ob Sie die erfüllen können?“
Es kommt ihr so aus der Seele, dass ich laut lachen muss. Sie dreht sich um und sagt glattweg:
„Naja wenn er mich so fragt, kriegt er halt eine Antwort!“ Nun lachen wir beide und sie schiebt dem Verkäufer, den sie offenbar kennt, ihre Geldbörse hin. Er nimmt ein paar Münzen heraus und zählt sie laut vor.
„Wenn man lachen kann“, fährt die Frau derweil fort, „ist wenigstens ein Wunsch schon erfüllt.“
Sie sagt das mit einer Stimme, als stehe sie mitten im Leben und wisse selbst nicht genau, wie sie in diesen gebrechlichen Körper geraten ist, aber alles andere ist in Ordnung. Ihren Humor hat sie noch.
Sie nimmt die Börse wieder in Empfang und schiebt vorsichtig den Rollator zur Seite, damit ich Platz habe.
Es ist eigenartig. Die Frau ist wohl über achtzig Jahre alt, spricht aber wie die Person, die sie wahrscheinlich immer war:  spontan, rundheraus, mit fester Stimme und einer guten Portion Mutterwitz. Ihr Äußeres passt nicht zu der Art, wie sie redet.  Es ist wohl nur ihr Körper alt geworden.

Das brennende Archiv

menschen gedenken eines menschen.
herz – brennendes archiv!
es ist erinnerung der engel;
erinnerung an alte gaben.
die formel tod, die überfahrt –
die wir zu übersetzen haben.

(Thomas Kling: Das brennende Archiv)

Gefunden in der Frankfurter Anthologie der FAZ, hier gibt es auch eine Interpretation.

Feuer

 

 

Es lebt

Auf dem Grab meiner Mutter ist eine Steinplatte vorgesehen. Ich habe auch schon organisiert, wer sie anfertigen wird, es ist alles besprochen. Mit einer solchen Platte ist das Grab immer aufgeräumt, man braucht nur im Herbst gelegentlich die Blätter abkehren, fertig.

Aber nun sind die Blumen noch da. Meine Mutter ging vor fünf Monaten, und die Pflanzschalen blühen immer noch, als gäbe es kein Morgen. Das Grab wächst und lebt. Ich lasse jetzt noch keine Steinplatte darauf legen.

Grab

Wohngeister

„Betreten verboten“ steht auf dem Schild an einem Bauzaun, an dem ich achtlos vorübergegangen wäre, hätte ich nicht vor ein paar Jahren dahinter gewohnt. Zwischen den Metallstäben sehe ich die Forsythienbüsche neben der Haustür, den alten Briefkasten aus Blech, das undichte Fenster im Treppenaufgang. Aber das Fenster ist nicht mehr da. Das ganze Haus ist nicht mehr da. Vor mir liegt eine lehmige Baugrube, die im Nieselregen nass und fettig glänzt. Trotzdem sehe ich die alten Wände und Mauern und sogar mich selbst, wie ich durch die Räume gehe, und die Schatten der jungen Leute, die nach mir einzogen, sehe ich auch. Was bleibt von Menschen in einem Haus? Man nimmt seine Sachen und geht, aber vielleicht gibt es Wohngeister, die über die Jahre entstanden sind und bei einem Umzug einfach auch mal bleiben wollen. Ich habe dort gern gewohnt. Und nun irren die Geister umher wie Ameisen, denen jemand den Bau eingetreten hat.

 

San_Gimignano

(Gesehen in San Gimgnano, Toskana)

Passend zum Thema auch eine verträumte Kreation von Ulli.

Immer wieder anders

Auf dem Friedhof ist es nie langweilig. Meine Mutter hat nämlich Glück: Sie liegt am Rand eines Gräberfelds und neben ihr wartet eine Wiese auf neue Bewohner. Heute kam wieder jemand dazu. Ich weiß nicht, wer es ist, es liegen nur hingestreute Blumen im Gras. Urnengräber sind weniger konventionell als Sarggräber – manche haben eine Einfassung, andere nicht, manche haben Blumenschalen, andere Rasen, manche haben Marmorplatten, andere Herzchen – aber nur ein paar Blumen? Das seh ich zum ersten Mal. Kein Kreuz, kein Name, kein Nix.

Nicht weit davon wurde auf einem Grab die Bepflanzung entfernt und ein Hebekran steht jetzt breitbeinig darüber. In seiner Mitte baumelt eine Steinplatte, die sich ihren Einsatz wohl anders vorgestellt hat. Aber Geduld. Die Arbeiter sind nur in die Mittagspause gegangen.

Hier bleibt nichts, wie es ist, und das mag ich. Es riecht auch nicht nach Wundverbänden und überheizten Zimmern, sondern nach Bäumen und Gras, und Blüten leuchten in den schönsten Farben. An heißen Tagen sind abends so viele Menschen mit Gießkannen unterwegs, dass man eine ausufernde Grillparty mit ihnen feiern und ein bisschen über das reden könnte, was man erlebt hat. Wenn aber wenig Leute da sind, weiß man, dass es bald zum Regnen kommt. Ganz allein war ich hier noch nie. Und meine Mutter ist ja auch da.

Rudolf Bartels FriedhofsbildRudolf Bartels, „Friedhofsbild“
zu sehen im Schloss Achberg – „Aufbruch ins Freie“

 

Freundschaft

Meine erste Freundin hieß Vera. Sie war ein ruhiges Mädchen mit schwarzen Haaren und blassem Gesicht. Morgens holte sie mich immer ab und wir gingen gemeinsam in den Kindergarten. Einmal hatte ich aber keine Lust auf das tägliche Ritual und ich lief davon, bevor sie klingelte.

Als Vera eine Weile nach mir im Kindergarten eintraf, saß ich schon an einem der Spieltische, und alle Stühlchen waren besetzt. Sie blieb einen Augenblick stehen und schritt dann zögernd zu einem anderen Tisch, an dem noch niemand saß. In der Mitte dieses Tischs lag ein Haufen bunter Glas-Steckerchen, die man auf einer Unterlage zu einem Bild zusammenfügen konnte. Sie setzte sich, blickte still vor sich hin, nahm ein paar Steckerchen in die Hand und ließ sie langsam zwischen den Fingern auf den Tisch zurückfallen. Sie war ganz allein.

Ich hätte mich zu ihr setzen können, aber an unserem Tisch waren interessantere Spielsachen. Was es war, weiß ich nicht mehr, nur dasss wir Steckerchenbilder alle öd fanden. Ich spielte also weiter und begriff nicht, warum es auf einmal keine rechte Freude mehr machte.

Noch heute denke ich manchmal daran, und dann bekümmert mich die Traurigkeit meiner Freundin in jenem Moment und dass mein Verhalten etwas damit zu tun hatte. Vera’s Familie zog bald danach weg, und ich habe sie nie wiedergesehen.

London (43)

Fast wie früher

Wenn es heiß ist, muss man auf dem Friedhof Blumen gießen. Wär ja schade um die teuren Pflanzen in den Schalen, und es würde auch aussehen, als läge hier jemand ohne Bedeutung, allein und vergessen, von dürren Pflanzen bedeckt. Ich gehöre jetzt also zu denen, die sagen: „Ich komm grad vom Friedhof.“ Das kenne ich bisher nur von alten Frauen mit Übergewicht. Ich weiß nicht wieso Übergewicht, es muss Zufall sein, dass ich nur solche Frauen kenne, die vom Friedhof reden. Ich selbst bin noch nicht so alt wie diese und Übergewicht habe ich auch nicht, aber der Friedhof ist schon da. Wenigstens bis eine Steinplatte angefertigt ist, werde ich bei heißem Wetter gießen müssen.

Neben dem frischen Grab meiner Mutter entstehen immer neue Gräber. Jedes Mal, wenn ich hingehe, sieht es anders aus. Es ist noch Platz. Es sind auch immer Leute da, die ebenfalls gießen oder Gräber richten, mit der Zeit wird man sich kennen. Es ist eine neue Gemeinschaft. Die blumengießende Friedhofsgemeinschaft. Aber traurig ist es nicht, es ist, wie es ist. Auf dem Friedhof stelle ich mir meine Mutter immer so vor, wie sie früher war, als sie noch sprechen konnte und ein lebendiger Mensch war.

Am Wochenende kam die Tochter zu Besuch. Ungefähr eine halbe Stunde lang standen wir vor dem Grab ihrer Oma, lachten, weinten, redeten über alles Mögliche. Es war, als säße meine Mutter bei uns. Sie lachte, weinte und redete mit. Fast wie früher.
 

Strauss© Ursula Holly

 

Gretchenfrage

Nun sagt: Wie habt ihr’s mit euren Schwingungen?

Was mich immer wieder beschäftigt ist, was man in Artikeln über spirituelle Lebensführung zu Themen wie Energien, Kraftfeldern und Achtsamkeit liest. Dabei geht es häufig um positive Schwingungen: „Tu, was dein Herz zum Lachen bringt. Tu, was deine Seele leuchten lässt. Nur dann bist du in deiner Wahrheit und schöpfst dein volles Potenzial.“ Die essenzielle Frage ist deshalb: „Was muss ich tun, um heute Abend glücklich ins Bett zu sinken?“ oder „Wie kann ich fühlen, was mein Herz mir sagt?“ usw. Der spirituelle Mensch macht sich frei von Dingen, Speisen, Situationen und Menschen mit negativen Energien. Gesunder Egoismus tut gut, steht in edel aufgemachten Esoterikheftchen, im Internet oder in Achtsamkeits-Apps.

Was man selten liest: Die Konzentration auf sich selbst und auf die Schwingungen im eigenen Umfeld haben Nebenwirkungen.

Ich male mir gerade ein abgelegenes Dorf aus, in dem nur vier Menschen leben. Vor einem Haus sitzt eine einsame alte Frau auf einer Bank. Man sieht sie jeden Tag, sie ist dürr und ganz gelb im Gesicht, das Gehen fällt ihr schwer. Eine andere Frau kommt vorbei und sieht das. Sie schaudert. Sie spürt die Schwingungen der Krankheit, der Angst vor Verpflichtung und gestohlenen Zeit, deshalb eilt sie davon und benutzt diesen Weg nicht mehr.

Dann nähert sich ein Mann. Auch ihm wird beim Anblick der Frau unwohl und er gerät in einen seelischen Aufruhr. Um sich zu schützen, verlässt er das Dorf und kehrt nicht mehr zurück.

Als Letztes kommt eine andere Frau. Auch sie spürt die Angst vor der Krankheit, der Verpflichtung, der gestohlenen Zeit und ihre Energie gerät durcheinander. Da aber sonst niemand da ist, setzt sie sich zu ihr und fragt, was sie braucht. Sie hilft ihr nun regelmäßig, obwohl es ihr schwerfällt, aber sie bringt es nicht übers Herz, die alte Frau sich selbst zu überlassen.

Wer macht es richtig? Die achtsamen Esoteriker, die lieber Mandalas in den Sand zeichnen? Oder die Frau, die nun einen Menschen an der Backe hat?

Zweisamkeit2

© Ursula Holly

Wenn nicht jetzt, wann dann?

Im Nachttisch meiner Mutter finde ich ein Körbchen mit zwei Piccolo-Flaschen Henkell Trocken und ein Sektglas. Es hatte in ihrer Wohnung auf dem Schrank gestanden, bevor sie in die Pflegestation umziehen musste. Sie hatte damals darauf gezeigt und ich packte es zu den anderen Sachen, die sie mitnehmen wollte. Offenbar hat sie den Sekt aber nie getrunken. Dabei hatte mich vor ihrem Umzug einmal jemand von der Verwaltung gefragt, ob meine Mutter öfters Alkohol trinke. Niemals, beteuerte ich damals. Als Chef-Einkäuferin ihres Haushalts hätte ich ihn ja besorgt haben müssen.

Auf das Naheliegende kam ich natürlich nicht. Erst als ich mich von den Mitarbeitern der Einrichtung verabschiede, kommt noch einmal die Sprache darauf. Ein Pfleger grinst und verrät: Es war die Wohnungsnachbarin. Frau Groß. Die brachte den Stoff, und dann haben die beiden zusammen gebechert. Typisch. Meine Mutter hat sich vom Leben genommen, was sie wollte. Vielleicht hat ihr ein gelegentliches Gläschen das Sprechen erleichtert, aber es wird nichts genutzt haben, denn die Nachbarin ist über neunzig und fast taub. Es wird egal gewesen sein.

Warum diese beiden Fläschchen noch da sind, weiß ich nicht, vielleicht hatte Frau Groß etwas Besseres als Henkell Trocken oder sie haben das Körbchen einfach vergessen. Ich mache jetzt jedenfalls eins auf, und dann erhebe ich es mit Blick nach oben und denke mir ein von Herzen kommendes „Wohlsein“!

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  © Ursula Holly

Trauer feiern

Die Damen der Reisegruppe, zu der ursprünglich auch ich gehören sollte, zündeten in der St.-Pauls Cathedral in London Kerzen an für meine Mutter. Meine Tochter brachte Blumen in eine Kapelle auf der griechischen Insel Samos, während in Deutschland zu diesem Zeitpunkt ihre Oma beerdigt wurde. Wir streuten Blütenblätter in ihr Grab und es hat mich beschäftigt, wie unterschiedlich die Menschen Anteil und Abschied nehmen. In manch einen Kopf würde man gerne hineinsehen.

Immer wieder denke ich über meine Mutter nach, unsere Geschichte war gewiss keine ungetrübte. Deshalb ist es so unbegreiflich, dass jetzt, nach ihrem Tod, jeder Zwist aus alten Zeiten zerplatzte wie eine Seifenblase. Als sie in ihrem kühlen Bett lag, war ein Schloss aufgesprungen und es gab den Schlussstrich unter Vergangenes frei, die Erlösung von Zweifeln, und soviel Liebe. Die Tage nach dem Tod meiner Mutter werde ich nie vergessen. Sie haben gut gemacht, was nicht gut war zwischen uns. Unfassbar, dass das geht.

Melancholie© Ursula Holly

 

Wie im Himmel

Den – nicht ganz freiwilligen – Gedanken von Ulli möchte ich mit euch teilen, er tut nicht nur einem Kind gut. Heute werden wir die Asche meiner Mutter der Erde zurückgeben.

079  10.06.15 wie im Himmel

Oma …? Bist du jetzt eigentlich eine alte Frau?

M …  ich bin jetzt eine ältere Frau, aber ganz alt bin ich noch nicht, das werde ich erst-

Aber wenn du dann eine ganz alte Frau bist, kommst du dann in den Himmel?

(leise in mir: öhmmm – räusper) Mm … ja, ich glaube schon …

Und wenn ich dann eine ganz alte Frau bin, darf ich dann zu dir in deinen Himmel kommen?

(Puh, Gänsehaut, kleiner Klops wächst im Hals) Ja … dann darfst du in meinen Himmel kommen. Ich warte dort auf dich …

006 himmel bre

005 abendhimmel bre

004 abendhimmel bre

001 abendhimmel bre

Und mit jedem Sonnenuntergang komme ich „meinem“ Himmel ein Stückchen näher- am Ende ist oben gleich unten und unten gleich oben, ist es weit, ist es Licht …

085  12.06.15 Licht

P.S. Ausserdem ist der Film „Wie im Himmel“ absolut empfehlenswert (für die, die ihn noch nicht kennen bzw. noch nicht gesehen haben …)

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Geistreich

Wie oft habe ich mir gewünscht, nicht mehr hierher kommen zu müssen – in die Wohnung meiner Mutter, ins Pflegeheim. Wie oft habe ich mir gewünscht, die nicht enden wollenden Besuche würden aufhören. Sieben Jahre sind vergangen, und nun ist es so: ich muss nicht mehr kommen. Trotzdem stehe ich heute in dem Raum, in dem sie die letzten Monate ihres Lebens verbrachte. Nicht weil ich ihrer Seele nachspüren will oder sowas, sondern weil ich ihr Zimmer ausräumen muss. Es fällt mir aber nicht schwer, ich bin gern hergekommen. Sie ist noch hier. Ich besuche sie wie immer, aber diesmal geht es ihr gut. Es ist, als ob sie mir helfen wollte und nach den Pinseln greife, die ich gerade in einem Täschchen fand. Dann lacht sie über sich selbst, weil Himmelsfrauen ja gar keine Bilder malen können. So wie sie früher – als sie noch besser sprechen konnte – darüber lachte, wenn ein falsches Wort ihre Lippen verließ oder gar keins. Das ist auch nicht wichtig, niemand kann alles, und Geister sind wie alte Menschen: Sie haben ein Recht, dazusein. Sie können lieben und geliebt werden. Nur die Hülle ist weg, die beschwerliche. Ich hatte heute einen schönen Nachmittag.

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© Ursula Holly, „Tanz der Elfen“