Schlagwort-Archive: Misstrauen

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Ein Mann schließt im Internet einen Vertrag ab. Damit nichts übersehen wird, richtet er eine automatische Weiterleitung ein: Seine Frau erhält alle E-Mails des Anbieters, sodass auch sie ein Auge darauf werfen kann.
Am Abend – der Mann war schon zu Bett gegangen – merkt die Frau, dass etwas nicht stimmt. Es werden nicht nur die relevanten, sondern auch alle anderen E-Mails an sie weitergeleitet.
Noch später am Abend – sie will gerade das Laptop ausschalten – erscheint die E-Mail einer Frau im Postfach: Sie freue sich auf das Treffen mit ihm und wünsche eine gute Nacht. Garniert mit zahlreichen Herzchen und Kussmündchen.
Sie geht zu Bett, lindnert ein paar Minuten lang (lieber gar nicht mit ihm weitermachen als falsch weitermachen?) und weckt ihn dann auf.
„Wer ist Herta Unterbusch?“
Er grunzt verschlafen und murmelt „Eine aus dem Volkshochschulkurs.“
Seine Frau berichtet nun kurzatmig von der missglückten Weiterleitung und was für einen Gute-Nacht-Gruß er erhalten habe.
Es scheint ihn nicht zu interessieren. Die Dame habe gerade E-Mails und Smilies entdeckt, sie schicke ständig solches Zeug herum. Nett sei sie, bisschen schräg, 75 Jahre alt. Zu dem Treffen kommen noch vier weitere Personen. „Schlaf jetzt.“
Die Frau kommt nur schwer zur Ruhe in dieser Nacht.

 

Bis zum Abend des nächsten Tages jedoch sind alle Zweifel ausgeräumt. Und das, obwohl die Ehefrau keinerlei Kontakt zur Kussmund-Dame gehabt hatte.

Was denkt ihr, was sie überzeugt hat?

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Wenigversprechende Aussichten

Kürzlich stand morgens das Bürofenster zum Lüften offen und da hörte ich von der Straße her arabische Musik. Es schien kaum vorstellbar, dass morgens um halb acht vor der Hochschule ein orientalischer Bazar seine Buden aufgestellt hat, also schaute ich nach und es war ein Auto, das mit laufendem Motor und geöffneter Tür unten parkte. Ein junger Mann saß halb auf der Kühlerhaube und rauchte eine Zigarette.
 
Noch vor zwei Wochen hätte mich diese Musik an meine Bauchtanzkurse aus längst vergangenen Tagen erinnert und daran, wie bereichernd es ist, wenn verschiedene Kulturen sich begegnen. Oder mir wären die zahlreichen jungen Leute eingefallen, die aus allen Ländern der Welt gekommen sind und hier studieren, die meisten sind wahrscheinlich Muslime und einer von ihnen wartet unten auf einen Kommilitonen. Diesmal jedoch – eine Woche nach den Attentaten in Paris – waren das nicht meine ersten Gedanken. Sondern: Obacht! Was geht da unten vor?
 
Ich kann mich gar nicht freimachen von diesem Misstrauen, nun bin ich auch infiziert. Man liest zuviel von orientierungslosen Menschen, Hasspredigern, Schläfern. Es tut mir so Leid für den Islam und all seine ganz normalen Gläubigen.

Rätselcamp III

Die Satellitenschüsseln auf den Wohnwagen-Dächern schauen nach Süden. Ein Mann steht auf einem Stuhl und zupft an einer von ihnen herum, das Hemd hat er ausgezogen, sein mächtiger Bauch glänzt braun in der Sonne.

Unter den Vorzelten sitzen Leute.  Seit drei Wochen etwa leben sie auf dieser Wiese, auch Kinder. Müssen sie nicht zur Schule? Ihr Haar und ihre Hautfarbe scheinen dunkel zu sein. Was tun sie hier bloß? Wenn jemand mich einladen würde an seinen Camping-Tisch… „Lehnen Sie doch Ihr Rad hier an“, zum Beispiel, „wir gehen zu meinem Wohnwagen da drüben, sehen Sie? Auf der anderen Seite, trinken Sie etwas mit uns.“ … dann würde ich es erfahren. Das Fahrrad würde ich aber bei mir behalten wollen, ich kenne die Leute ja nicht. Dieses Misstrauen – da hilft auch das Kirchenzelt nichts – könnte die Leute jedoch beleidigen.

Vielleicht gut, dass keiner mich fragt.