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Versiebt

Morgens liege ich meist schon eine Weile wach, bevor es Zeit ist. Die Gespenster der Nacht lassen dann ab und die des Tages werfen sich auf mich. Wenn der Alarm endlich fiept, rolle ich zur Bettkante, stütze  mich mit dem Arm auf, schiebe ein Bein über den Rand und seufze: „Ohje“.

Beim Duschen wendet mein Hirn sich dem Wasser zu. Es kann deshalb nicht heiß genug sein, spitz trommelt es meine Haut ab, ich atme leichter.  Abgelaugt und in Frottee geschmiegt schlurfe ich aus dem Badezimmer.

Starker Tee und Frühstücksbrot lässt meinen Blutzucker steigen. Ich kann jetzt meine Augen einen Spalt weit öffnen und schaue in die Nachrichten. Überschriften verschwimmen bald fast, bald ganz, tauchen zittrig wieder auf, mein Blick hält sie nicht fest und irrt weiter zu dem Brief, der auf dem Tisch liegt. Ach ja, man will mich nicht für die Stelle, auf die ich gehofft hatte. „Die Auswahl fiel schwer, aber … wir wünschen Ihnen für die Zukunft …“

Während ich die Zeilen noch einmal überfliege, dämmert mir etwas. Der Lebenslauf. Auf einmal weiß ich, und zwar erst jetzt, in diesem Augenblick: Meine derzeitige Arbeit ist im Lebenslauf nicht erwähnt. Ich brauche gar nicht nachzusehn, tue es dennoch und sehe, dass er vor zwei Jahren endet. Jetzt bin ich wach. Ich hatte ein paar Details angepasst in der Auflistung, und meine jetzige Tätigkeit nicht nachgetragen. Glatt vergessen.