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Klippen überwinden

5. Tag: Grindon – Twice Brewed

Heute sehen wir die Military Road zum letzten Mal.


Der Hadrian’s Wall Path bleibt von nun an straßenfrei und führt jetzt auch dauerhaft an der römischen Mauer entlang.

Immer wieder fehlt ein Stück. Dann ist die nächste Farm aus den Steinen errichtet worden, oder wie in der Priorei von Lanercost ein komplettes mittelalterliches Kloster.


Unser Weg führt heute hauptsächlich über die Crags: Felswände, die z. T. schwindelerregend tief nach unten gehen. Sie zeigen nach Norden, also ins damalige Feindesland, und oben verläuft der Wall. Es herrscht ein kräftiger Wind und man denkt, man befindet sich im Hochland. Tatsächlich sind wir gerade mal 300 m über dem Meeresspiegel.


Links neben dem See sieht man die hohen Felsklippen, und dort hinauf führt unser Weg. Als wir oben sind und an den Crags entlangwandern, fasse ich es nicht, dass die gefährliche Seite nicht abgezäunt ist oder wenigstens ein Schild die Wanderer warnt. Man sieht nämlich nur einen abschüssigen Grasstreifen, und der hört nach wenigen Metern auf. Dann geht es senkrecht runter: 50 m, 100 m, aber man sieht es vom Weg aus nicht. An solchen Stellen bin ich im Sturmschritt vorwärtsmarschiert, den Blick strikt nach links gerichtet, wo die Heide sanft abfällt. Bei sowas hab ich Angst.

Hier sehen wir den berühmtesten Baum der Filmgeschichte: Der mächtige Ahorn im Sycamore Gap spielte eine wichtige Rolle in „Robin Hood – König der Diebe“ mit Kevin Costner und Morgan Freeman. Mehr darüber …

Die Ruinen von Housesteads stammen von einer größeren Kasernenanlage römischer Soldaten. Auf vielen Tafeln sieht man Bilder der Gebäude und Menschen in der damaligen Zeit, und die Steine erwachen zum Leben. Wir sind beeindruckt von der hochentickelten Zivilisation vor 2000 Jahren.

Den ganzen Tag geht es kräftig auf und ab, wir wandern und klettern im Wechsel. Das geht in die Oberschenkel, aber mir tut nichts weh. Selbst meine Schultern sind locker geworden, trotz Rucksack, und alle Muskeln haben Lust auf dieses Gehen. Ich würde auch auf keinen Fall das heiße Wetter in Deutschland mit der prickelnden Frische hier eintauschen, und das als bekennende Sonnenanbeterin! Ich möchte nur noch in diesen grandiosen Horizont blicken, wo riesige Feld- und Heideflächen in zarten Farben ineinanderlaufen. Die Weite des Landes macht etwas mit mir. Ich träume davon, ein Leben lang immer hier weiterzugehen, und in solchen Momenten bin ich ein ganz und gar glücklicher Mensch.


Wanderung am Hadrianswall:

Tagesstrecke: 12,2 km in ca. 6 Std. (längere Pausen gemacht)
Bisher gelaufene Strecke: 79,9 km
Reststrecke: ca. 55 km

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