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Abfahrt mit Wochenblatt

Wer mit dem Rad 800 Höhenmeter oder noch weiter nach unten fährt, braucht eine Zeitung. Es muss nicht das Wochenblatt sein, die Frankfurter Allgemeine tuts auch oder jede andere handelsübliche Zeitung. Nicht weil es langweilig werden könnte, wenn es nichts zu treten gibt, sondern wegen der Kälte. Zeitungspapier schützt vor dem Auskühlen, weiß der Liebste. Wir stehen auf dem Flüelapass, er faltet die Bögen in die richtige Größe und klemmt sie zwischen die Trikots. So macht man das also.

Mir ists egal, ich fahr mit dem Auto. Da brauch ich eine Zeitung höchstens, wenn ich in der nächsten Etappe auf ihn warte. Das ist aber diesmal nicht der Fall, wir kommen in der selben Minute in Zernez am Hotel an, wo der Alpenüberquerer mit wohlgewärmter Brust vom Fahrrad steigt. Sein Gesicht indes ist so steifgefroren, dass er kaum reden kann.

(Alpentour letztes Wochenende: Klosters – Davos – Flüela-Pass – Samedan – Zernez – Bernina-Pass – Tirano)

 

Beweglich bleiben

Zum Glück war mir aufgefallen, dass die Luftpumpe noch im Wagen lag. Ich schloss den Kofferraum wieder auf, schob Sachen in einem Korb hin und her und fischte das Utensil heraus. Dann griff ich nach dem Autoschlüssel, den ich hineingeworfen hatte und schlug die Heckklappe wieder zu. In den Händen hielt ich nun die Luftpumpe und – den Hausschlüssel. Das Auto: verschlossen. Der Autoschlüssel: Im Korb. Wir: In Tägerwilen. In der Schweiz. So fing es an.

Vier Leute fröstelten ratlos in der Morgenkälte herum, während Hunderte von anderen Radfahrern wie die Bienen von dem Posten hier ausschwärmten. Schließlich starteten auch wir (mit mehr Adrenalin im Blut als erwartet) zu unserem 80-km-Bodensee-Radmarathon, und zum Glück hatten wir die Pumpe. Auf halber Strecke nämlich hatte einer unserer Mitradler eine Reifenpanne. Nur ich fuhr wie er ein Mountainbike und kein Rennrad wie die meisten Teilnehmer. Und nur ich hatte den passenden Ersatzschlauch im Satteltäschchen UND die passende Luftpumpe! Erleichtert und mit fröhlichem Lachen wurde das Rad wieder in Gang gebracht, und bei herrlichem Spätsommerwetter konnten wir den Bodensee mit seinen idyllischen Ausblicken und einladenden Dörfern weiter genießen.

Zurück am Ausgangspunkt rief ich dann eine Nummer an, und eine halbe Stunde später bog ein gelber Wagen in den Parkplatz ein. Ein freundlicher Schweizer stieg aus und brachte einen flachen Kochlöffel, ein aufpumpbares Luftkissen und ein Plastikband mit. In weniger als einer Minute öffnete er damit meinen Toyota. Nicht gerade vertrauensstiftend, aber wer klaut schon eine 20 Jahre alte Karre? Weiß ja niemand, dass die läuft wie ein “Örgele” und kaum Reparaturen braucht. An dieser Stelle will ich jedenfalls heftig werben für den ADAC, der auch grenzübergreifend rettet, und zwar ohne Zusatzkosten.

So war es also ein toller Tag: Mal wieder rausgekommen und Problemchen gehabt, die sich lösen ließen!

 


 

Bronze!