Schlagwort-Archive: Silvester

Bevor das alte Jahr endgültig ausrangiert ist …

… möchte ich euch allen einen guten Rutsch wünschen.

Insbesondere wünsche ich allen, die wie ich am Silvesterabend allein sind, dass sie sich selbst genug sein können. Es ist für viele eine ungute Zeit, aber nichts bleibt, wie es ist.

Macht es euch schön, ihr seid es wert!

Alles Gute,
passt auf euch auf,
bleibt gesund.

Eure Anhora

Dinner for One – jetzt auch in England!

Der wahrscheinlich beliebteste und am häufigsten ausgestrahlte britische Sketch ist in England so gut wie unbekannt. Der geliebte Brite sah ihn zum ersten Mal hier in Deutschland, mit mir.
Doch das wird sich ändern!

Wenn Miss Sophie nämlich heute wieder einmal ihren 90. Geburtstag feiert und mit Sir Toby, Admiral von Schneider, Mr Pomeroy and Mr Winterbottom anstößt, wenn der Butler James an die Stelle all dieser längst verblichenen Freunde treten muss – dann ist zum ersten Mal auch das englische Publikum dabei.

Ob man auf der Insel über die (deutschen) Klischees zur britischen Aristokratie genauso lacht wie bei uns, wird sich zeigen. Die Verkopften erkennen vielleicht auf Anhieb Tabubrüche wie Verlust, Alkohol, Sex im Alter. Für die andern ist es einfach ein herrlicher Slapstick.

“Same procedure as last year, Miss Sophie?” “Same procedure as every year, James”.

1963 wurde Dinner for One mit Freddie Frinton und May Warden in Hamburg für den NDR aufgezeichnet. Seit 1972 wird die Komödie in Deutschland und anderen Ländern regelmäßig am Silvestertag ausgestrahlt. Am 31.12.2018 wird er von Sky Arts zum ersten Mal auch in Großbritannien zu sehen sein.
Premiere: „Dinner For One“ erstmals im britischen Fernsehen

Ich wünsche allen meinen
Leserinnen und Lesern

einen guten Rutsch und
ein gesundes, fröhliches und positives
neues Jahr!

 

Te Deum

Am Silvestertag sitzen wir im Petersdom und warten darauf, dass der Vespergottesdienst beginnt. Links von mir nestelt eine niedliche kleine Nonne mit ihrem Handy herum, verschickt WhatsApps, steht auf und filmt, telefoniert, eine Italienerin. Sie sitzt direkt am Mittelgang.

Es ist noch über eine Stunde Zeit, denn man muss früh dran sein, um an einem solchen Ereignis teilzuhaben. Wie groß alles ist. Heute werden hier 60.000 Menschen gemeinsam das Jahr ausklingen lassen, die zu spät gekommenen auf dem Petersplatz nicht mitgezählt. Ich betrachte die gewaltigen Kunstwerke von Bernini und Michelangelo, und tief unter uns liegt irgendwo der Apostel Petrus begraben. Gott scheint hierzusein, ich spüre ihn, und er ist groß. Viel größer, als ich ihn sonst wahrgenommen habe. Also gibt es ihn doch, hoffe ich und kann es gar nicht umsetzen, dass ich wirklich hier bin. Und fast direkt am Mittelgang.

Der Altar mit dem beeindruckenden Bronze-Baldachin von Bernini.
Darüber die Kuppel von Michelangelo.

Irgendwann beginnt der Einzug. Ministranten, Bischöfe, Kardinäle betreten die Basilika, und mitten unter ihnen ER. Der einen kleinen Renault fährt. Der in der Kantine zum Essenholen ansteht. Der in bescheidenen Räumen wohnt. Der Papst. Tausende Arme schnellen nach oben mit Handys, um Bilder zu erhaschen. Als Franziskus etwa zwei Meter neben uns vorbeischreitet, dreht sich die kleine Nonne plötzlich zu mir um, dreht dem Papst also den Rücken zu und hebt rasch ihr Handy hoch. Hat sie gerade ein Selfie gemacht? Ja. Hat sie. „Ich und der Papst“, wird sie stolz zu ihren Mitschwestern sagen.

Ein Chor mit überirdisch schönen Stimmen beginnt mit dem Lob-, Dank- und Bittgesang des Te Deum, im Wechsel singt die Gemeinde. Ich singe alle Lieder mit, auf lateinisch, wir haben ein Büchlein mit den Texten erhalten. Egal ob richtig oder falsch – ich möchte Teil dieser Gemeinschaft sein, auch wenn sie beim Anblick der ständig nach oben gereckten Handy-Hände fast ausschließlich aus Touristen zu bestehen scheint. Aber ich bin ja auch nicht besser. Ich will auch Bilder von diesem fantastischen Ort, und diesem fantastischen Papst.

Franziskus hält nach einiger Zeit eine Predigt auf italienisch. Ich mag seine Stimme so, und ganz bestimmt erzählt er uns von der Liebe, von der großen Liebe Gottes zu den Menschen, und wie wir es im Kleinen nachtun können.

Später wird er auf dem Petersplatz die abgesperrten Wege abschreiten, freudig, lachend, wie wir ihn aus dem Fernsehen kennen. Er wird sich viel Zeit nehmen und den Menschen die Hand reichen, kleine Kinder küssen. Auf großen Bildschirmen werden wir ihn sehen und uns mitfreuen. So geht das, mit der Liebe.

2018

Liebe Leserinnen und Leser,

wenn es schon keine Weihnachtsansprache gab von mir, dann wenigstens auch nichts Großartiges zum Jahreswechsel. Nur ein Bild und die besten Wünsche für ein gesundes, spannendes, freudiges neues  Jahr!

Demnächst gibts auch wieder etwas zu lesen hier. 🙂

Herzliche Grüße
Eure Anhora

 

 

Das neue Jahr

Das letzte Kalenderblatt ist abgerissen, wir stehen parat für einen neuen Anlauf im Zeitenkreislauf. Noch ein kurzer Blick zurück und wir sehen Menschen, die kamen und gingen, Dinge, die anders geworden sind. Das Leben bleibt nicht stehen.

Wer sich aber vergangene Zeiten zurückwünscht, in denen man sich angeblich noch auskannte – und das tun derzeit viele – dem möchte ich die Abbildung unten nahelegen. Nur so als Beispiel. Dann frage ich die Konservativen und Bewahrer aller Länder, ob sie vielleicht auch wie ich einen USB-Stick mit 30 GB am Schlüsselring herumtragen. Oder ein Smartphone voller Musik und Bilder.

Ich könnte auch an den medizinischen Kenntnisstand vergangener Tage erinnern (zum Beispiel Krebsforschung) , oder an die politische Lage (zum Beispiel Kalter Krieg), aber davon gibt es keine lustigen Bilder.

Ich wünsche euch allen also ein gesundes, glückliches neues Jahr und einen offenen Geist für die Veränderungen, die es bringen wird. Lasst uns das Gute darin erkennen, die Möglichkeiten nutzen und Herausforderungen anpacken. „Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen“ sagte schon Aristoteles.

1956: Eine Festplatte mit 5 MB wird in ein Flugzeug verladen. Sie bietet genug Speicherplatz für beispielsweise ein Weihnachtsbild mit Tante Hilde und Onkel Ernst.

Ich bedanke mich von Herzen bei allen meinen Lesern hier. Es sind viele dazugekommen im vergangenen Jahr – ohne euer Interesse und Mitmachen wäre hier tote Hose. Das Schreiben für euch, der Austausch und eure eigenen Blogbeiträge machen mir so viel Freude.

Danke, danke, danke!

 

Silvester

FarbenfeuerwerkSchlusspunkt
In sich gehen
Loslasssen
Verabschieden
Entsorgen
S‚isch over
Tschingderassa
Erdbeerbowle
Rutschparty

 
An dieser Stelle möchte ich mich bei allen meinen Lesern bedanken. Danke, dass ihr mich besucht, danke, dass ihr meine Texte lest und kommentiert, danke an alle BloggerInnen, die mich mit ihren eigenen Beiträgen bereichern. Ich freue mich auf ein neues Jahr mit euch.  🙂

Rutscht gut rein und euch allen ein gesundes, glückliches Jahr 2016!

Abb.: © Ursula Holly

Leben und lieben

Zwei Glasscheiben gleiten vor mir auseinander. Ich betrete das Pflegeheim und entdecke am Ende eines langen Flurs meine Mutter. Sie sitzt  in ihrem Rollstuhl und starrt gerade aus, als warte sie ab, was als Nächstes geschieht. Hinter ihr – ebenfalls im Rollstuhl – macht sich ihr Mann zu schaffen. Meine Mutter hat nicht genug Kraft, um sich den langen Weg selbst anzuschieben. Stückchen für Stückchen stupst er sie deshalb vorwärts, wie eine kleine Bimmelbahn mit nur zwei Waggons ruckeln sie auf mich zu. 

Die beiden haben keine Eile. Er murmelt etwas, sie antwortet leise, ich gehe auf sie zu und übernehme meine Mutter, betrachte ihren Hinterkopf  wie vor einigen Jahren den meines Sohnes, wenn ich ihn durch den Park der Klinik schob. Ein Mensch im Rollstuhl muss dem, der hinter ihm steht, vertrauen können, er ist völlig schutzlos. Zum normalen Leben gehört dieser Blick auf einen Hinterkopf nicht.

Ihr Mann rollt hinter uns her, wir lachen. Vor dem Ausgang muss ich die alten Leute so rangieren, dass sie sich gegenüber sitzen. Sie beugen sich zueinander, karierter Wollmantel trifft blaue Trainingsjacke, zwei Gesichter schieben sich nach vorne und unter einiger Anstrengung treffen sich ihre Lippen zu einem Abschiedskuss.

Die Scheiben der Eingangstür gleiten wieder auseinander, ich bringe meine Mutter zum Auto zurück und wir winken ihrem Mann, der hinter der Glastür geblieben ist und uns aufmerksam zuschaut. Jetzt hebt er beide Arme hoch und winkt zurück. Eine Schwester erscheint hinter ihm, sie wird ihn ins Zimmer zurück begleiten.

***

Ich wünsche euch allen vertrauenswürdige Menschen hinter euch und ein liebendes Gesicht vor euch. Ich wünsche euch Menschen, denen ihr vertraut und die ihr liebt. Ich wünsche euch ein glückliches neues Jahr.

Genug!

Schnell nochmal raus, eine rauchen. Ich schnippe die Asche lässig auf den Balkonboden, was tuts. Ein paar Kracher können es nicht erwarten und es knallt, pfeift, flackert glühend am Nachthimmel auf. Aus einer Wohnung dringt Lachen. Vielleicht haben sie mich entdeckt, denke ich, ein schnatterndes Häufchen im zugigen Eck, brrrr, ist das kalt. Nass. Eklig. Gut, dass ich morgen drin bleiben kann, warm an die Heizung gekuschelt oder jedenfalls ganztags auf dem Sofa. Neun Zigaretten habe ich noch. Das vergangene Jahr eignete sich nicht, um aufzuhören damit. Jetzt ist es zu Ende und die Dinge haben sich verändert. Ich halte nichts von Vorsätzen zum neuen Jahr, aber für diesen einen ist nun die richtige Zeit. Das hab ich am letzten Silvester zwar auch gesagt, aber dieses Mal meine ich es. Ich hab genug. Ab morgen bin ich Nichtraucher.

Einen guten Rutsch euch allen!
Möge euch das gelingen, was ihr euch vorgenommen habt.

Ideen zum Jahreswechsel

Nimm dir Zeit um zu arbeiten,
es ist der Preis des Erfolges.

Nimm dir Zeit um nachzudenken,
es ist die Quelle der Kraft.

Nimm dir Zeit um zu spielen,
es ist das Geheimnis der Jugend.

Nimm dir Zeit um zu lesen,
es ist die Grundlage des Wissens.

Nimm dir Zeit um freundlich zu sein,
es ist das Tor zum Glücklichsein.

Nimm dir Zeit um zu träumen,
es ist der Weg zu den Sternen.

Nimm dir Zeit um zu lieben,
es ist die wahre Lebensfreude.

Nimm dir Zeit um froh zu sein,
es ist die Musik der Seele.

(aus Irland)

Danke euch allen für die Besuche auf diesem Blog! Die Welt im Flachbildschirm ist jedenfalls in Ordnung: Es gibt Wissen, Inspirationen und vor allem nette Leute. Schön, für euch zu schreiben!

Fürs neue Jahr wünsche ich euch Ideen, die begeistern und Zeit für das, was euch voranbringt und glücklich macht.

Herzliche Grüße
Anhora

Das Phantomregiment

Der Klang der Orgel schmettert gegen die Kirchenwände und wird zurückgeschmissen, dass es bebt in unseren Ohren. Wuchtig taucht ein Regiment aus dem Nebel auf. Erst hören wir fern die Fanfare, dann kommen Stiefelschritte näher und jetzt ziehen Schemen an uns vorbei. Eisern. Wie das Leben. Wir betrachten es halb mit Angst vor dem, was es bringt, halb mit Lust zu sehen, wohin es geht.

Die Musik wird getragen von Moll, wenn auch die Hauptmelodie gern harmlos spielt in Dur. Doch dahinter bleibt es ungenau, dunkel, melancholisch. Die Töne schwellen an und ich folge dem Takt der Marschierenden, die blicklos nach vorne stapfen, weiter und weiter, dann verschwinden sie. Es hallt nurmehr dünn, leise, ein einzelner Ton führt jetzt das Stück. Noch einmal wird er an die Hand genommen durch weitere Orgelstimmen, dann die Fanfare, ein letztes Mal und weit weg – vorbei.

Leroy Anderson, lese ich im Programm. Nie gehört den Namen. Grandios. Beim Silvesterkonzert in der Kirche, das im örtlichen Veranstaltungskalender noch nicht mal erwähnt worden war.