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Zu heiß zu allem?

Bei anhaltenden Hitzephasen mit all ihren Begleiterscheinungen macht man sich schon mal Gedanken darüber, wie sich das Klima auf Menschen auswirkt.

Südländer mussten immer schon am Tag in der Hängematte liegen, um nicht beim Arbeiten in glühender Sonne an einem Hitzschlag zu sterben. Trotzdem hatten sie genug zu essen: Früchte fallen vom Baum, Gemüse wächst aus der Erde, Fische zappeln am Strand. Sowas in der Art.

Wir Nordländer hingegen mussten stets ackern und machen und tun, um nicht zu verhungern und zu erfrieren: Häuser bauen, Vorräte anlegen. Wenn wir aber im Herbst die Heugabel zur Seite legten, hatten wir Zeit zum Nachdenken, Neues erfinden, Erkenntnisse gewinnen.

Deshalb stammen die größten Bauwerke, Erfindungen, Dichter und Denker aus unseren Breitengraden.

Schmarres.

Die mächtigsten Bauwerke der Antike stehen in Ägypten, die ausgefeilteste Technik im alten Rom, die größten Philosophen lebten in Griechenland. Denen war es nicht zu heiß zum tüfteln und denken.

An dieser Stelle: Respekt.

Ab 32 Grad schmilzt mein Gehirn und ich will wie die Katzen nur noch herumliegen. Egal wo.

Südliche Grüße!

Gestern noch auf dem Balkon, heute – schon wieder. Allerdings ist der Ausblick heute besser, es ist ja auch ein anderer Balkon. Man sieht hier Bäume und dazwischen … das Meer.

Nach Salzwasser und Pinien duftende Grüße aus Kroatien an euch alle!

img_5969Gleich nach der Ankunft:
Koffer abstellen und los, dem Meer Hallo sagen.
Wir sind jetzt da.
🙂

Kein Netz auf dem Balkon!

Unser WLAN ist ein Stubenhocker. Es funkt fleißig in der Wohnung herum, doch bis auf den Balkon schafft es nur eine winzige Abordnung an Datensignalen. Nicht genug jedenfalls, um am Internet Freude zu haben. Da aber Sommer ist und das Leben mehr im Freien stattfindet, lasse ich das Tablet eben drinnen und nehme lieber Bücher mit nach draußen (die Ladezeiten der Seiten sind unschlagbar, auch auf dem Balkon). Deshalb ist es zurzeit ruhig in meiner Bloghütte.

WLAN
Sonnige Sonntagsgrüße und bis demnächst!

Erlebnispark zum Nulltarif

Die Luft flirrt, Fliegen und anderes Gebrumm kämmen durch das Gras. Ich liege wieder einmal in der Wiese vor einem Wald-Weiher, weg vom Lärm der Autos und Motorräder, hier gibt es nur Vogelstimmen, Froschquaken, Blätterrauschen. Gerade wird vom angrenzenden Reiterhof ein Pferd gebracht wie jeden Nachmittag. Die Begleiterin führt es über die Wiese zum Wasser hin, da bleibt es plötzlich stehen und schaut zu mir herüber. Als hätte es eine Frage an mich. Dann ruckt der Kopf zur Seite, weil die junge Frau an der Leine gezogen hat, beide verschwinden im Ufergebüsch. Doch das Pferd will nicht schwimmen. Es kommt zurück, und zwar allein.

Mitten auf der Wiese bleibt es stehn und schaut wieder zu mir. Als wolle es etwas sagen. Kennt mich das Pferd aus einem früheren Leben? Sekundenlang starren wir uns an. Über alle Mystik hinweg rasen meine Gedanken in eine rationalere Richtung: Wie rette ich mich, wenn … „Tina, komm her“, ruft da die Begleiterin, bevor ich den Gedanken zu Ende denken muss. Sie holt das Tier ans Wasser zurück. Tina muss jetzt schwimmen.

Hier ist es spannender als beim Sonntags-Tatort.

Die Sommerstars

Die wahren Helden dieser Tage sehe ich auf der Fahrt über eine Brücke. Die wird gerade saniert und ich stehe im Stau, in der Hitze klebt mir die Bluse an den Leib und die Frisur beginnt zu tropfen. Ich beobachte die braun gebrannten Kerle auf der Baustelle. In der heißen Sonne schieben sie Rüttelmaschinen vorwärts und schreiten neben Walzen einher, es wird gefräst, gesprüht, gestampft, gedampft, die Schultern glänzen vom Schweiß und den einzigen Schatten spendet eine Schildmütze, die der Eine oder Andere sich tiefer ins Gesicht zieht.

Fast jede Arbeit kann von Männern wie Frauen verrichtet werden, selbst Fußballspieler sind keine Ausnahme, wie das Team von Silvia Neid vor kurzem wieder klar gemacht hat. Aber Straßenarbeiter, die wochenlang bei dreißig bis vierzig Grad Celsius schuften – ich würde mal sagen: Das können nur Männer. Also: richtige Männer. An dieser Stelle deshalb ein Gruß aus tiefster Bewunderung und ehrlicher Überzeugung: Jungs, ihr an den Straßen und anderen Baustellen: Ihr seid die Größten!

Mein lieber Schwan

An heißen Julitagen wie diesen muss ich gehn. Raus aus der Wohnung, weg von den Rasenmähern, weg von Heckenschneidern und dem Nachbarn mit dem bellenden Husten. Ich fahre mit dem Rad zu einem kleinen See in der Nähe, setze mich ins Gras und höre den Tieren zu. Es ist schon fast fünf, die Idylle noch makellos. Im Ufergebüsch singt eine Amsel, Enten ziehen über das Wasser und melden ein träges „Quack“, Grashüpfer rasseln, Käfer brummen, jetzt ist die Schwanenfamilie aus dem Weiher gestiegen. Ein paar Meter entfernt von mir rupfen die Elternvögel und ihre Jungen in der Wiese herum und lassen mit himmelwärts gerecktem Schnabel kleine Happen in den Hals rutschen. Das Männchen ist allen bekannt hier. Wenn man hinausschwimmt und der Brut zu nahe kommt, rennt der Schwanenvater flügelschlagend über das Wasser und versucht, den erschrockenen Badegast zu vertreiben.

Ich setze mich aufrecht hin, damit die Tiere mich sehen und nicht näher kommen. Vorsichtshalber strecke ich einen Arm hoch, um größer zu werden ohne aufstehen zu müssen, proforma halte ich mein Handy in den Fingern und knipse ein Bild. Doch es ist eh keiner mehr da, der mich sieht, die wenigen Besucher sind schon gegangen. Die Schwäne wackeln jetzt auf mich zu. Ich nehme den Arm rasch herunter. Aus der Nähe sieht man, dass ein Schwan durchaus die Größe eines Hundes erreicht. Ich nehme mein Buch und klappe es mehrmals laut knallend zusammen um zu sehen, was passiert. Sie sind entweder taub oder mutig, keins der Tiere reagiert, aber im Augenwinkel nehme ich eine Bewegung wahr. Ich stelle fest: Es ist doch noch jemand da. Hinter mir ist ein Mann aufgeschreckt.

Angelegentlich blättere ich in den Seiten herum und benehme mich wieder, die Schwäne zum Glück auch. Sie watscheln allmählich zum Wasser zurück, ein Bein vor das andere setzend, mit den dicken Leibern weit nach rechts oder links schlingernd. Ich lege mich ins Gras zurück und lasse mich vom warmen Sommerwind streicheln. Sie haben mir nichts getan. Ich bin ein Held.

 

Schwanensee

August

Die beste Zeit des Tages beginnt abends, so ab halb neun. Wenn ich den klebrigen Film von meiner Haut abgeduscht habe, wenn ich in einer weiten Bluse auf dem Balkon sitze und die Füße auf das Geländer lege, wenn warmer Wind die zentnerschweren Hitzebrocken abträgt, wenn das Thermometer unter 30°C anzeigt. 

Der Liebste stellt kühlen Wein auf den Tisch und sinkt in seinen Sessel. Er streckt die Beine aus, lässt die Arme hängen, wir warten auf die Nacht. Dann legen wir den Nacken über die Polsterlehne und zählen die Sterne. Sie schicken tausend Gutenachtgeschichten und alle beginnen mit „Es war einmal …“. Was wir sehen, gibt es mitunter schon nicht mehr, so lange sind die Lichtstrahlen gereist. Wer kam nur auf die Idee, ausgerechnet daraus die Geschicke der Gegenwart deuten zu wollen?

Gegen Mitternacht sinkt dieTemperatur auf 25°C, die Luft steht still. Ein paar Nachbarn unterhalten sich noch leise auf ihren Balkonen, Rolläden rasseln herunter, die Grillen werden müde und hören auf zu zirpen, ein Auto rollt in die Tiefgarage. Klack klack, das ist der Metallrost in der Einfahrt. Dann wird es still. Carpe noctem.

Familienidylle

In der Nähe der Firma beobachte ich manchmal drei Störche auf einer Wiese. Es sind „unsere“ Störche, ihr Nest befindet sich neben dem Gebäude, in dem ich arbeite. Das Junge ist von den Eltern nicht mehr zu unterscheiden, so groß ist es geworden. Die Familie bleibt noch zusammen und stakst auf immer demselben Flecken herum, weiße Vögel im nassen Gras. Und in der Nacht? Verbringen sie sie zu dritt im Nest? Passen die da alle noch rein?

Gestern hat eine Kollegin ihr erstes Baby bekommen. Eine weitere ist schwanger. Die dritte wurde vor einem Jahr Mutter und ist für die Firma nicht mehr verfügbar. Die Chefin sagt, die Störche werden jetzt erschossen.

😉

Klimabericht

Reglos sitze ich auf meinem Stuhl, Arme und Beine abgespreizt. Die schwere Luft bewegt sich ein wenig, sie soll alle Stellen meines Körpers erreichen. Es ist Sonntagmorgen, 31°C, mit halb geöffneten Augen blicke ich über das Balkongeländer in die Nachbarsgärten. Sie liegen da wie gelähmt. Nur die Vögel lärmen, als ob nichts wäre, und gelegentlich erhebt sich ein lautes Rasseln, das an die Baumgrillen Südeuroas erinnert. Vielleicht sind welche eingewandert. Die geplante Wandertour verschieben wir, man kann heute nichts tun. Von irgendwo ertönt die Sirene eines Krankenwagens.

Wir bleiben im Schatten.

Fit wie Lumpi – das Komplettset

Ich will meine Kondition zurück. Früher hatte ich sie, so lange ist das noch gar nicht her. Aber in diesen Tagen strengen mich die einsamen und freudlosen Joggingrunden durch Wohnsiedlungen an. Deshalb – neuer Versuch – fahre ich seit kurzem mit dem Fahrrad zur Arbeit. 10 flache km.

Viele Menschen radeln mit mir denselben Weg oder sie kommen entgegen. In freundliche und verschlafene Gesichter blicke ich, manch eines lächelt mir zu. Ich atme die Frische des Morgens ein. Entlang einiger Sträucher mit unscheinbaren weißen Blütendolden fahre ich durch schweren, fruchtigen Duft. Abends pustet mir die Hitze ins Gesicht, sie fegt über Straßen und Felder, seit Tagen haben wir Sonne und Wind wie an der Küste. Anders als dort schimmern bei uns aber aufgeworfene Erdschollen feucht und dunkelbraun. Mächtige Bäume schunkeln im Takt der Böen, die durch ihr schweres Laub brausen.

Entlang der Spargelfelder mit ihren langen Reihen angehäufter Erde verliere ich meine Rastlosigkeit. Zwischen bunt gekleideten Arbeitern auf  Erdbeerfeldern verpuffen all die Befürchtungen, Griesgrämigkeit versickert auf satten Viehweiden und Radwegen mit Menschen, die mir ein Lächeln schenken. Außer Atem und völlig entspannt komme ich nach 40 Minuten an.

Das ist es, was ich im Moment brauche.