Bundespräsident Gauck bricht eine Auslandsreise ab. Die Kanzlerin, der französische und der spanische Präsident begeben sich an die Unglücksstelle. Eine Ministerin besucht Haltern am See. In Deutschland wehen die Fahnen auf Halbmast, eine Schweigeminute lenkt die Gedanken der ganzen Nation zu den Opfern.
Ich habe gelesen, dass ein solches Spektakel und der Aufruhr in den Medien es den Angehörigen noch schwerer mache. Ich weiß nicht, ob das stimmt. Ich stelle mir gerade vor, dass eine von mir geliebte Person in diesem Flugzeug gesessen hätte. Der Rummel würde nichts ungeschehen machen und meine Trauer nicht lindern. Aber es wäre vielleicht tröstlich, dass der Verlust dieses Menschen wichtig genug ist für den internationalen Aufmarsch, die Schlagzeilen auf den Titelseiten und die Sondersendungen im Fernsehen.
Je mehr sich auch andere damit beschäftigen, desto weniger sind wir mit dem Schmerz allein. Desto geringer wird auch die Furcht, dass ein toter Mensch im Nichts versinkt. Eine Illusion freilich. Der wahre Grund für die kollektive Erschütterung ist das drastische Beispiel, mit dem uns die eigene Endlichkeit vor Augen geführt wird und dass wir nicht alles planen können. Trotzdem würde mir das Aufsehen in diesen Tagen wahrscheinlich helfen.