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Einer trage des andern Last

Diese Bibelstelle hat sich ein hilfsbereiter Baum zu Herzen genommen – er greift seinem Nachbarn unter den Arm  Ast.

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Ohne ihren tragfähigen Unterstützer hätte die Buche im Vordergrund vielleicht einen Ast weniger. Aber vielleicht wollte sie nur ihren Nachbarn am Wachsen hindern und hielt deshalb den Finger drauf?
Wir wissen viel zu wenig über Bäume.

München Hauptbahnhof

Gestern in München: Als wir aus dem Zug gestiegen sind und die Haupthalle erreichen, fällt uns die enorme Polizeipräsenz auf. Eine größere Gruppe Uniformierter stehen vor dem nächstgelegenen Ausgang, und als wir an fünfzehn Bahnsteigen vorbei zur gegenüberliegenden Seite gehen, um zum Stachus zu gelangen, werden Menschenmassen und Polizeiaufgebot immer dichter. Auf Treppen und Galerien stehen Leute und halten Fotoapparate, nun hören wir aus dem Getümmel Geschrei und Gesänge. Ich stelle mich auf die Zehenspitzen und kann hochgereckte Arme erkennen, die zu jungen Männern in schwarzen Kleidern gehören. Weitere Polizisten bilden nun Barrieren.

Sauber, denke ich. Hier findet eine Demonstration mit Neonazis statt und wir stehen mittendrin. Immerhin scheinen die Polizisten keinen Stress zu haben, sondern leiten den Zug entspannt in eine bestimmte Richtung. Es sind fast ausschließlich Männer zwischen Zwanzig und Dreißig, die nun an uns vorbeigeführt werden. Ich weiß nicht, welche Parolen sie rufen und worüber sie sich so ereifern, aber ein neben uns stehender junger Polizist gibt freundlich Auskunft: „Das sind Fußballfans aus Hannover. Kamen mit einem Sonderzug und wir begleiten sie jetzt zur S-Bahn. Die sind harmlos, nur ein bisschen laut.“ Jetzt seh ichs auch. Jacken und Schals zeigen ja das Logo, die Vereinsfarbe ist offenbar Schwarz.

Ich bin begeistert: Bayern München hat den Meistertitel bereits sicher, Hannovers Abstieg steht ebenfalls fest. Trotzdem sind so viele gekommen, um ihre Mannschaft anzufeuern.  Leider hats nicht geholfen, Hannover verlor. Aber auf solche Fans darf man trotzdem stolz sein.

 

München-Hbh

Begegnungen

Neulich bei der Mitarbeiterversammlung: Statt Vorträgen gibt es Impro-Theater. Leider sind wir nicht Zuschauer, sondern Akteure. Man teilt uns in Gruppen ein und wir müssen einen Sketch erarbeiten, um eins der vielen Angebote unserer Einrichtung darzustellen. So sollen die Mitarbeiter verschiedener Standorte einander begegnen und auch andere Projekte kennenlernen. Bei der Vorführung muss man dann jeweils erraten, worum es geht.

Unsere Gruppe hat weder eine Idee, noch wollen wir Theater spielen. Das verbindet schon mal. Wir berichten von unseren einzelnen Arbeitsaufgaben und eine Frau erzählt von einem 18-jährigen Jungen. Er kann nicht mehr gehen, seine Hände nicht mehr bewegen und nicht mehr sprechen. Kommunikation ist nur noch über die Augen und Buchstabenfelder möglich. Die Frau betreut ihn in der Schule: Sie hilft ihm beim Lernen, gibt ihm Essen, begleitet ihn auf die Toilette.

Ob sie das nicht depressiv mache, frage ich. „Nein“, erwidert sie, „im Gegenteil. Er ist mein Sonnenschein.“ Ich schaue verblüfft und sie lacht. „Er ist unser aller Sonnenschein,“ fährt sie fort, „die ganze Klasse mag ihn. Jeder will seinen Rollstuhl  schieben und bei ihm sein.“ Dabei ist es keine gewöhnliche Klasse: alle SchülerInnen haben Defizite oder Verhaltensauffälligkeiten. Doch „dieser Junge steckt uns alle an mit seinem strahlenden, positiven Wesen.“

Trotz der lustlosen Haltung beim Einüben unseres Theaterstücks ist das Konzept der Geschäftsleitung aufgegangen. Diese Frau werde ich vielleicht nie wiedersehen, aber ich habe sie kennengelernt und durch sie einen Jungen, den ich mag.