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Fluchtpunkt Nordwest

Manchester ist eine Stadt im Nordwesten von England. Sie war gestern der Startpunkt unserer Reise, die heute nach Newcastle weiterführt. Dazu später mehr.

Gestern war ich nur froh, hier zu sein, denn die letzten vierzehn Tage waren unerfreulich. Vielleicht bin ich nicht mehr deutsch genug für den Umgang mit Menschen, die beim Pochen auf Paragraphen eine feuchte Hose kriegen. Vielleicht bin ich nicht mehr jung genug, um Missgunst und Kleingeist abperlen lassen zu können. Ich sag nur: Eigentümerversammlung. Das muss reichen, weg damit. Ich bin jetzt hier, werde die nächsten zwei Wochen nicht nach Deutschland zurückkehren, … … und das ist gut so.

Öfter mal was Neues

Kürzlich haben wir etwas getan, was wir noch nie getan haben: Wir haben einen Urlaub gebucht!

Das ist natürlich nicht ganz richtig. Wir haben schon viele Urläube gebucht, aber immer höchstens zwei Wochen vor Reiseantritt. Davor wollten wir uns nie so richtig damit beschäftigen, oder es gab noch Dinge zu klären, oder wir vergaßen es einfach. Vielleicht wollten wir uns nur nicht festlegen, das Leben ist festgelegt genug.

Nun haben wir es aber doch getan, aus einer Laune heraus: Wir haben einen Urlaub gebucht, und der ist erst im April. Statt der erwarteten Zweifel wie
„Was, wenn ich im April überhaupt keine Lust habe auf Urlaub?
Oder jedenfalls nicht dort?
Oder es regnet?“
passiert etwas ganz anderes: Ich freu mich drauf! Ich freu mich schon jetzt wie ein Kind auf eine Woche in der Sonne.

Vielleicht machen wir das jetzt immer so. Man hat ja länger etwas davon.

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Highlights

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Das ist ja eine Misere hier! Regen, Wind  und 15 Grad Außentemperatur- so macht das Heimkommen keinen Spaß. Ich träum mich gleich wieder weg in die Sonnenwärme Kroatiens, auf den paradiesischen Strand, zu den hilfsbereiten Menschen. Als Süddeutsche mochte ich natürlich auch, dass man dort nur schwer sein Geld loswird. Abgesehen davon gehört aber auch das zu den schönsten Momenten:

1. Als wir versuchen, das Bergdorf Motovon zu finden (das Navi ließ uns wg. einer Baustelle im Stich und schickte uns immer wieder auf die Straße zurück, die nun mal gesperrt war), frage ich schließlich in einem kleinen Straßen-Pub nach einer Ausweichstrecke. Nach wenigen Minuten sind alle Gäste (8-10 Personen) damit beschäftigt, uns in allen Sprachen den Weg zu beschreiben.

2. Als der Liebste in einem Restaurant in der Landessprache bestellt: „Lignje sa miješanom salatom (Calamari mit gemischem Salat). Der Kellner mit der sanften Stimme nickt mehrmals und säuselt: „Yes Sir, I understand perfectly, Sir, Calamari with Salad. Salatom is correct, Sir.“

3. Als wir in einer Bar zum dritten Mal auftauchen und ohne bestellt zu haben unsere üblichen Getränke kommen: 1 Glas Weißwein und 1 Flasche alkoholfreies Bier.

4. Als wir auf einem Markt in Pula mit dem netten Olivenöl-Verkäufer ins Gespräch kommen und er erzählt: Der Verkauf des Öls sei so lukrativ, dass er nur 7 Monate im Jahr arbeiten müsse und theoretisch 3 Jahre davon leben könne. Nein, im Winter arbeite er nicht, da ruhe er sich aus. Er schaue fern oder seinen Freunden zu, wie sie – für weniger Geld – arbeiten gehen. *träum* Der Stand neben ihm sei übrigens frei. *Ganzfestträum* Man müsse nur mit den Farmern gut verhandeln können. *Hm*

5. Als ich abends in der Ferienwohnung auf der Jagd nach Mücken mit dem Geschirrtuch unterwegs bin und der geliebte Brite mich – recht sonnengebräunt – dann immer „The brown hunter“ nennt.

So. Ein Blick aus dem Fenster zeigt keine signifikante Änderung, aber wir haben ja Sonne und Meer im Herzen mitgebracht. Das reicht eine Weile. Schön.

Pula – Istrien

Der Himmel hielt sich heute bedeckt. Wir verbrachten den Tag deshalb in Pula, der mit knapp 60.000 Einwohnern größten Stadt auf der Halbinsel Istrien. Das einstige Fischerdorf war lange von den Römern besetzt, deshalb gibt es hier ein Amphitheater und andere historische Bauten. Später beherrschte Venedig die Stadt bzw. Istrien und brachte italienische Architektur und die Sprache mit. Italienisch ist bis heute zweite Amtsprache in dieser Region.

Pula kommt mir in der Tat italienisch vor, aber nicht nur durch den typischen Baustil, sondern auch weil viele Gebäude in keinem guten Zustand sind: Hauswände sind schmutzig verfärbt, Fassaden blättern ab – nicht so wie in den anderen Orten Istriens, die herausgeputzt sind wie Filmkulissen, selbst die Dörfer im Hinterland sind gepflegt und organisiert. Pula ist … anders, und trotzdem romantisch-schön. Man kann durch verschlungene Gässlein bummeln und es gibt viele Restaurants und Läden in der Flaniermeile.

Morgenfrage

Beim Frühstück oder anderen Mahlzeiten mag ich keine Stille in der Wohnung, bei uns läuft immer das Radio im Hintergrund. In der Ferienwohnung hier gibt es nur einen Fernseher, aber das macht nichts. Ich akzeptiere auch das Gequäke der BBC oder CNN News, irgendeine Geräuschkulisse eben. Ich hab da wohl einen Tic.

Allerdings funktioniert an diesem Fernseher hier nur ein einziger Sender: NHK World. Er berichtet ausschließlich über Japan, und zwar auf US-amerikanisch. Durch den Mangel an Alternativen sehen wir uns nun jeden Morgen zum Frühstück Sumo-Ringkämpfe an, es findet wohl gerade ein Wettbewerb statt. Mein Tag beginnt also mit Müsli, einer Tasse Tee und der Frage: Warum rutscht den Ringern das rückseitige Band ihres Kampfanzugs nicht ins Wabbelgesäß? Ich habs jetzt oft genug gesehen – selbst bei breitbeinigen Verrenkungen und heftigen Würfen bleibt das Ding, wo es ist: Über den Backen. Nicht dazwischen. Ist das gar kein Textil, sondern ein Brett?

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Abgesehen davon gibt es im Moment nichts, was mich zum Grübeln bringt. 😉

Strandgut

Wichtigstes Werkzeug am kroatischen Strand sind Flipflops und eine Schaumstoffmatte. Es gibt hier nämlich keine Sand-, sondern Kieselstrände, und das tut beim Auftreten oder Draufliegen weh.

Alles andere braucht keine weiteren Hilfsmittel. Das Wasser ist kristallklar und ca. 25 Grad warm. Der kilometerlange Strand mit seinen hübschen Buchten ist aufgeräumt und sauber. Man muss auch keinen Liegestuhl oder Sonnenschirm mieten, sondern setzt sich nach dem Schwimmen gepflegt in den Schatten der Pinien. Die Kinder der meisten  Länder gehen wieder zur Schule, sodass es herrlich ruhig ist. Nur noch wenige Touristen und Einheimische genießen hier Wasser, Sonne und Ruhe – ein kleines Paradies.

Und was macht ihr morgen? 😉

Südliche Grüße!

Gestern noch auf dem Balkon, heute – schon wieder. Allerdings ist der Ausblick heute besser, es ist ja auch ein anderer Balkon. Man sieht hier Bäume und dazwischen … das Meer.

Nach Salzwasser und Pinien duftende Grüße aus Kroatien an euch alle!

img_5969Gleich nach der Ankunft:
Koffer abstellen und los, dem Meer Hallo sagen.
Wir sind jetzt da.
🙂

Redewendungen

Zu einem Getränk braucht man etwas im Mund. In Griechenland jedenfalls. Wein oder Bier ist offenbar nichts im Mund, oder nicht genug.

Wir sitzen in einem Straßencafe, drei Gläser Ouzo stehen vor uns auf dem Tisch und eine kleine Schale mit Nüssen.

„Die Nüsse sind übrigens dazu da, dass wir etwas im Mund haben“, sagt die Tochter. Sie lebt seit einem halben Jahr in Griechenland und kennt diese nette Redewendung. „Neulich war ich zum Beispiel bei einer Bekannten auf ein Gläschen Wein und sie sagte: ‚Ich schau mal was im Kühlschrank ist. Damit wir etwas im Mund haben‘. Griechen nehmen ein Getränk nicht einfach so zu sich. Man bekommt traditionell (in Touristenhochburgen ist es anders) etwas zum Knabbern dazu. Damit man etwas im Mund hat.“

Ich hatte den Mund jedenfalls viel zu voll. Eine Woche lang Kebab, Mousaka, Tsatsiki, Octopus Balls auch, was es eben gab. Danach – ich erzähle aus der Retrospektive – hatte ich fast drei Kilo mehr auf den Hüften. Wie jedes Jahr. Jetzt werden wieder Gürkchen geknabbert, das muss reichen im Mund.

Schön wars!

 

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Nicht hinunterspülen!

„Do not throw paper in the toilet. Please use the bin“. Wie wahrscheinlich jeder Tourist halten wir das Schild über der Toilette in unserem Hotelzimmer für einen Übersetzungsfehler: „Bitte kein Papier in die Toilette werfen. Benutzen Sie den Abfalleimer“. Der Hinweis, dass es um Papiertüten für Damenhygiene oder sowas geht, fehlt. Übrigens auch die Papiertüten, aber wir sind in Griechenland. Da nimmt man es nicht so genau.

Auch in öffentlichen Toiletten finden wir solche Schilder, merkwürdig: auch in Männer-WCs. Wir denken nicht weiter darüber nach, irgendeinen Grund wird es schon geben. Wahrscheinlich haben die Griechen ihn selbst vergessen, es kann unmöglich „so“ gemeint sein. Wir haben längst festgestellt, dass es hier keine feststehenden Regeln gibt, erst recht nicht „so eine“, wenn es sie wirklich gäbe. Griechen entscheiden situativ, ob Vorgaben Sinn machen oder nicht, und dem ist durchaus etwas abzugewinnen.

Eine Ausnahme gibt es aber doch. Wir erfahren sie erst kurz vor unserer Rückreise von der Tochter, die in Griechenland lebt: Papier – ja, auch benutztes Toilettenpapier – darf niemals in die Toilette geworfen werden! Es ist davon auszugehen (nachgeprüft habe ich es nicht), dass selbst Griechen sich an dieses Verbot halten. In jeder Toilette steht ein Abfalleimer bereit.

Warum? Wegen der Rohre. Ihr Durchmesser sei zu klein und durch das Papier entstehen schnell Verstopfungen. Man fragt sich, warum keine dickeren Rohre verlegt wurden, wo doch von Anfang an klar war, welchem Zweck sie dienen. Wir vermuten, dass eher Probleme mit der Kanalisation auf Griechisch, also unschlagbar entspannt beseitigt werden: einfach kein Papier mehr reinwerfen. Spart Gestank, Arbeit und Kosten. Das Klopapier von ein paar ungläubigen Touristen kann das Abwassersystem wahrscheinlich gerade noch aushalten.

 

Straßenkünstler

Die Verkehrssituation in Griechenland entspricht der Mentalität der Bewohner: Sie ist entspannt. Die Durchschnittsgeschwindigkeit schätze ich auf 40 km/h, denn die Autofahrer passen sich den Gegebenheiten an: enge, oft kurvige Straßen, auf denen ständig Fußgängern unterwegs sind, die es nicht eilig haben. Vielleicht weil Gehwege nicht vorhanden oder nicht nur eingeschränkt sind.

Kardamena_GehwegGehweg in Kardamena / Griechenland

 

Auch auf die zahlreichen Rollerfahrer muss geachtet werden. Auf dem Sattel sitzen bis zu drei Personen, die elegante oder ältere Griechin gerne im Damensitz. Vereinzelt wird ein Helm getragen, wahrscheinlich Touristen. Die Mehrheit trägt keinen.

Auf jeden Fall sind die Fahrer Akrobaten. Wir haben mit eigenen Augen beobachtet, wie ein älterer Herr mit einer Hand telefonierte und mit der andern seinen Roller lenkte. Und beim Besuch in unserer Lieblings-Strandbar staunen wir jeden Abend, wenn gegen elf Uhr ein Teenager mit seinem Roller aus einer der belebten Seitenstraßen zum Vorschein kommt, einen großen Müllsack in Empfang nimmt, den er über die Schulter wirft und mit einer Hand festhält, während er mit der anderen Hand den Roller steuert, zurück durch die Menschenmengen.

Erlaubt ist das möglicherweise nicht, aber die Polizei hat anderes zu tun als Rollerfahrer zu verfolgen. Im südlichen Teil der Insel Kos sind angeblich ganze zehn Polizisten im Einsatz.

 

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Octopus Balls

Kein Scherz: In Griechenland isst man Octopus Balls. Für alle der englischen Sprache nicht mächtigen Leser: bitte hier nachschlagen. Und ja. Das ist hier eine Vorspeise. Wir beugen uns über die Menükarte eines Restaurants in Pothia auf der Insel Kalymnos, und stoßen auf diese im Englischen irritierende Bezeichnung.

 

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Gemeint sind natürlich nicht „die“ Balls, die im ersten Moment unsere Augenbrauen nach oben zucken lassen. Es handelt sich um – im Deutschen weitaus unverfänglicher bezeichnete – Bällchen. Oktopus-Bällchen.

Jedenfalls esse ich keinen Oktopus, Tintenfisch, Calamaris oder wie man es auch nennt. Ich habe nie verstanden, was an frittierten

Gummiringen schmecken soll. Um einen Oktopus jedoch in Bällchenform bringen zu können, muss man ihn vorher pürieren, und das ist der Unterschied. Das Ergebnis ist eine derart fein schmeckende Speise, dass ich ein Bällchen nach dem andern wegputze, als gäbe es kein Morgen.

Ob ich wirklich nur Fangarme gegessen habe oder nicht doch ein wenig Hödchen dabei war, will ich nicht wissen. Mir hat’s geschmeckt!

 

PS: Wer in Griechenland Griechen treffen will, ist auf der Insel Kalmynos gut aufgehoben. In der malerischen Haupt- und Hafenstadt haben wir keine ausländischen griechische Touristen gesehen. Ein Ausflug hierher lohnt sich!

http://www.yeome.de/kalymnos-reise.html

http://griechenland-insider-urlaub.de/Dodekanes/Kalymnos/Pothia

 

Ozeanspektakel

Ich blicke aufs Meer und denke im erste Moment: Kardamena erwartet einen Terroranschlag. Der Tag begann wie die letzten Tage auch: Wir schlappen in Flipflops am Strand entlang, Salzluft bläst uns ins Gesicht und das Meer funkelt in der Morgensonne wie ein Silberteppich. Aber in diesem Glitzern zeichnet sich heute im Dunst des Horizonts die Silhouette eines Schiffs ab. Kein Ausflugsschiff oder Fischerkahn, auch kein Linienkreuzer ist hier vor Anker gegangen, sondern ein monströses Boot mit Radarschirmen an einem Mast, die die Umgebung scannen.

„Ist das ein Militärschiff?“ frage ich den geliebten Briten. Auch er starrt auf das Objekt in der Ferne und runzelt die Stirn.

„Aber nein“, murmelt er, „dann wäre es ja nicht weiß“. Ach so. Ich überlege, welchen Sinn Camouflagefarben auf dem Ozean haben. Müssten Kriegsschiffe nicht tiefblau sein, um schwerer entdeckt zu werden? Zumindest bei überwiegend sonnigem Wetter?

„Ich denke, es ist die Eclipse“, fährt er fort, „von Abramowitsch.“ Aha. Wer oder was ist Abramowitsch?

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Den männlichen Lesern braucht man es wahrscheinlich nicht zu erläutern, aber die eine oder andere Leserin weiß vielleicht so viel über die Eclipse wie ich: nichts. Die Eclipse ist die zweitlängste Yacht der Welt (von innen sieht sie so aus) und sie gehört dem russischen Milliardär Roman Abramowitsch (10 Dinge über Roman Abramowitsch).

Im Ort erfährt man Widersprüchliches. Sicher ist nur, dass diese Yacht auf ihrer Kreuzfahrt durch die Ägäis etwa einmal im Jahr vor der Küste der Insel Kos auftaucht. Manche sagen, Abramowitsch komme hier in Kardamena an Land und hinterlasse enorme Trinkgelder. Andere meinen, jemand geht von oder an Bord, weil der Flughafen nur 10 km entfernt ist.

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Später – die Yacht hat inzwischen gewendet – schwimme ich ein Stück aufs Meer hinaus, näher heran. Ich schaue zu, wie sich an der Seite ein zuvor unsichtbares Tor hebt. Dann fährt eine Art Plattform heraus, darauf ein Beiboot, das langsam ins Wasser abgesenkt wird. Es sieht aus wie in einem Science-Fiction- oder James-Bond-Film. Ich kann mich nicht losreißen.

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Zur Strafe muss ich lange zurückschwimmen, weil ich ein gehöriges Stück hinausgetrieben worden bin. Zeit zum Nachdenken darüber, dass dieses Schiff über ein Raketenabwehrsystem verfügt, gepanzerte Fenster sowie ein U-Boot für eine mögliche Flucht.

 

Nachts krähen die Hähne

Klingt sie nicht wundervoll? Die Überschrift, meine ich. „Nachts krähen die Hähne“ fiel mir während unseres Urlaubs in Griechenland ein, in der Nacht, im Bett, und sie hat etwas Literarisches, wie ich fand. Ich lag wach und überlegte eine Weile lang, was man mit diesen Worten assoziieren würde, eine Erzählung voller Rätsel zum Beispiel oder kontemplative Gedankengespinste, von mir aus ein Krimi, aber die ganze Geschichte ist: In unserem Hotelzimmer sind nachts Hähne zu hören. Sie krähen in der Ferne vor sich hin, stundenlang, langgezogene Klagelaute, als suchten sie Hilfe oder Trost beim Mond.

Von deutschen Hühnerställen kennt man das nicht. Hier kommentiert der Gockel den Anbruch des Tages mit einem kräftigen Kikeriki und damit hat sichs. Der griechische Hahn hingegen scheint sich zu einem Nachtvogel entwickelt zu haben. Warum, weiß ich nicht, vielleicht ist ihm tagsüber zu heiß. Auf jeden Fall klingt sein Krähen anders. Oder liegt es an der veränderten Wahrnehmung in der Nacht?

Kardamena City

Wer seine englischen Sprachkenntnisse auffrischen will, sollte nach Griechenland reisen. Genauer gesagt nach Kardamena auf der Insel Kos. Wer hier am Strand steht und aufs Meer hinausblickt, sieht in der Ferne die türkische Küste schimmern. Wer sich dann umdreht, sieht aneinandergereihte Strandbars mit Schildern, auf denen „10PM Bingo – Midnight Quiz“, Greg’s Place“, The Galleon Inn“ und dergleichen steht.

In den Restaurants erwarten den Touristen neben ein paar traditionellen griechischen Gerichten vor allem Pasta, Pizza und Fleischgerichte wie Roastbeef und Ähnliches. An den Nebentischen wie auch tagsüber am Strand lassen sich die zum Teil vernehmlich geführten Konversationen in bestem Manchester/Lancashire-Akzent mühelos mitverfolgen und man erfährt ein wenig aus dem Leben der Beteiligten (ob man will oder nicht). Mit anderen Worten: Der Ort ist fest in britischer Hand.

Neben den akustischen Eindrücken ist auch eine beeindruckende Optik zu bestaunen. Zum einen haben die Damen und Herren aus dem Vereinigten Königreich mitunter erheblich mehr an Körperfülle aufzubieten als hierzulande, zum andern muss der häufig zu besichtigende Körperschmuck erwähnt werden. Es ist immer interessant, was Menschen in anderen Ländern oder Kulturkreisen schön finden, und bei diesen sind es Tattoos, für die in der Regel auch genug Fläche zur Verfügung steht. Deshalb sind Arme, Beine, Brustkörbe und Rücken üppig mit Bildern und Ornamenten ausgestattet, und zwar auch bei Älteren. Und bei Frauen. Und älteren Frauen.

 

Kardamena-Pub

Kardamena-Tafeln

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Sommerfrische auf italienisch

Braucht jemand eine günstige Villa? Ich weiß, wo es welche gibt: Im Piemont, in den Bergen und Hängen um den Lago Maggiore herum liegen schicke, elegante Residenzen mit meist geschlossenen Fensterläden. Vor etwa hundert Jahren wurden sie von den Reichen aus Mailand erbaut und inzwischen wären sie froh, ihre Prachtbauten wieder loszuwerden, wenn man Tonio glauben darf. Tonio ist unser Wanderführer, und während wir mit heraushängender Zunge vor einem der mondänen Gebäude stehen bleiben, beschreibt er die Details so anschaulich, dass ich vermute er betreibt auch noch ein Geschäft als Immobilienmakler. Dann marschieren wir weiter stramm bergauf und haben ein Gesprächsthema immerhin. Es ist die erste Wanderung mit unserer Reisegruppe, lauter ältere Menschen und wildfremd noch dazu.

Schuld an der Misere sei Monti, schimpft Tonio in einem fort. Natürlich ist der Gardasee oder Comer See attraktiver geworden für wohlhabende Sommerfrischler, völlig unverständlich, aber Monti will einfach auch zu viele Steuern. Nun muss mancher arme Reiche sein Anwesen aufgeben, unter Berlusconi hätte es das nicht gegeben. Die einen oder andern von uns erheben Einwände gegen solcherlei Anschuldigungen, weil sie über die Hintergründe Bescheid wissen. Das sind die Lehrer. Die Lust an Wissensanhäufung und Wissensvermittlung verliert sich offenbar auch im Ruhestand nicht. Es entstehen kleine Diskussionen in der Gruppe, manche schütteln den Kopf oder lachen.

Während wir weiter wandern, wechseln wir immer mal ein paar Worte mit dem, der gerade neben einem geht, es ist eine fröhliche und aufgeschlossene Gruppe. Ich stelle fest, dass die äußerlich eher schlichten Erscheinungen die anregendsten Gesprächspartner sind. Und da wir als Käufer einer Villa allesamt nicht in Frage kommen, berühren uns auch die Probleme italienischer Großgrundbesitzer nur peripher. Die Tour macht Spaß.

Schöne Reise!

Wenn mich die Optik nicht täuscht, bin ich das Küken hier. Selbst morgens um sechs und bei schwacher Beleuchtung sind graue Haare und Furchen in den Gesichtern um mich herum nicht zu übersehen. Verstohlen betrachte ich eingesunkene Schultern, Kugelbäuche und unvorteilhaften Frisuren.

Während wir fahren, erzählt der Busfahrer von der Gegend, die an uns vorbei zieht. Von der kleinen Kirche in Zillis mit Bildern an der Decke und Spiegeln auf den Bänken, oder die Legende vom Ingenieur des Gotthard-Tunnels, der sich kurz vor dem Zusammentreffen der beiden Bohrlöcher aus Nord und Süd das Leben nahm.

An einer Raststätte setzen wir uns mit unseren Kaffeebechern auf ein Bänkchen und ich frage mich, warum ältere Leute sich oft so schlecht sitzende Kleidung kaufen. Haben Sie Angst davor, attraktiv zu sein? In Großstädten sieht man elegante, stilsichere und mit Klasse gestylte Menschen in jedem Alter, aber die reisen wohl nicht in Bussen. Wir sind hier auch nur, um uns und dem alten Toyota eine Fahrt nach Italien zu ersparen, zumal Airbags und sichere Bremssysteme noch nicht erfunden waren, als er das Licht der Welt erblickte.

Nun fährt draußen ein weiterer Reisebus in die Parkplatzbucht vor uns ein. Aus der Seitenöffnung tröpfeln Passiere, die sich Stufe um Stufe aus dem Innern herausgekämpft haben und auf dem Asphalt angekommen erst einmal im Kreis herumtrippeln, bis sie sich orientiert haben. Es ist kein deutscher Bus und ich verrate hier nicht, woher er kommt, aber die Gestalten sehen aus als lebten sie in Höhlen und als ernährten sie sich nur von Chips, so weiß sind die Gesichter und so formlos die Körper, die von bunten Textilien nicht ausreichend bedeckt werden. Diese Reisenden schlurfen nun ein wenig gebeugt auf die Raststätte zu, manche an Stöcken, obwohl sie gar nicht so alt aussehen.

Wir schauen eine Weile lang zu, bummeln dann zu unserem Bus zurück und die eigene Reisegruppe erscheint mir nun gut gekleidet, mit gesunder Hautfarbe (mit überhaupt einer Hautfarbe) und voll natürlicher Anmut. Ich bin gespannt auf ein paar Tage am Lago Maggiore.

Schlusswort

Hier sitze ich nun, am Ende meines letzten Strandspaziergangs in Alcudia. Das Wasser, das meine Füße umspült, ist deutlich wärmer geworden als bei der ersten Wanderung. Das Meer wird mir fehlen. Die Buffets irgendwie auch, das heißt – nein. Eigentlich nicht. Denn wenn man sich etwas auf den Teller gelegt hat und es entspricht nicht ganz dem, was man erwartet hat und man ist froh darüber, weil es die Qual der Wahl am nächsten Tag um dieses Eine verringert – dann kann das nicht richtig sein. Und ich will auch gar nicht wissen, wie viel jeden Tag weggeworfen wird und wie viele Menschen vor Hunger krank sind oder sterben.

Beim Meer ist das anders. Man kann nicht genug davon haben, und es gibt nichts, was an diesem Gedanken stört. Auf den Strandspaziergängen der letzten Woche tauchte in meinem Kopf viel auf und verebbte auch wieder, wie im Rhythmus der Brandung, die die Stimmchen einzelner Touristen übertönt. Wenn man aber auf einen der Bootsstege hinausgeht, wird es ganz still und man hört nur das Glucksen um die Pfähle herum. Dann ist man der Tiefe und Unergründlichkeit des Meeres oder auch des Lebens ganz nah.

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Ende der Veranstaltung. Morgen gehts heim. Danke euch allen fürs Vorbeischauen und Mitlesen hier!

Es gibt für alles eine Zeit

Der Tag beginnt mit einem mächtigen Frühstück. In unserem Hotel halten sich üblicherweise ja – ein paar Wochen früher freilich – die Stars der Radlerszene auf, um zu trainieren und irgendein Rennen zu fahren. Das Sky Team zum Beispiel wandelt regelmäßig in diesen heiligen Hallen, und wenn man weiß, wer Bradley Wiggins ist, dann will man auf die Knie sinken vor Ehrfurcht, wenn man sich für Radfahrer interessiert.

Ich interessiere mich aber mehr für das Buffet, auf dem sich Fitnesskost in allen Farben, Formen und Bestandteilen türmt, denn die Gäste hier sind praktisch alle zum Radfahren gekommen. Außer mir. Ich bin zum Essen und nicht Nachdenken gekommen. Zum Maßhalten wäre derzeit der falsche Zeitpunkt, schließlich zahlen wir für diese spektakulären Leckereien und mein schwäbisches Herz sowie auch das halbschottische des geliebten Briten neben mir geben ein klares Signal zum Angriff.

Anreise

Die Busfahrt von La Palma nach Alcudia könnte an sich schön sein um diese Jahreszeit: Mallorca ist noch grün und blüht schon fleißig vor sich hin. Die Schwierigkeit ist nur, dass ich nicht recht zum Fenster hinaus sehen kann, denn wir sitzen auf der rechten Seite des Busses. Nicht dass es dort keine Fenster gäbe, sie sind da, wo sie hingehören. Aber mein Nacken und die rechte Schulter sind so verspannt, dass ich nur unter Schmerzen nach rechts sehen kann. Auch links geht nicht richtig, und so bleibt – wenn ich nackenschonend schauen will – nur die Rückseite der Vordersitzes: Grau meliert mit überlappendem schwarzen Kunststoffbesatz am Kopfteil, ansonsten uninteressant. Jedenfalls scheint die Sonne, soviel kann ich auch unter eingeschränkten Bedingungen feststellen, und der kurze Gang von der Ankunfthalle des Flughafens bis zum Busparkplatz hat auch nur Gutes versprochen: Es ist warm!