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Petrus und der Hahn

Neulich beim Besuch der Otto-Dix-Ausstellung „Alles muss ich sehen“,
Zeppelin-Museum,  Friedrichshafen:

„Abermals krähte der Hahn“, Farblithografie von Otto Dix

Das Internetbild ist nichts im Vergleich zu der Lithografie in der Schau, auf der der Hahn seine Anklage noch gellender auszuspeien scheint: „Verraten hast du ihn! Du bist schuldig!“ Das ganze Bild zittert davon und der verzweifelte Petrus verbirgt sein Gesicht.

So etwas passt nicht in unsere Zeit, doch mich lässt das Bild nicht los. Was passt denn in unsere Zeit? Wie gehen wir heute mit Schuld um? Gibt es sie überhaupt noch? Oder tun wir nur deshalb das Nötige nicht und das Unnötige schon, weil wir Angst haben, fehlgeleitet wurden, nicht wussten dass und so weiter?

Ich bin lange vor dem Bild gestanden. Bis es auf einmal zu sprechen anfing und ich begriff: Ja, es gibt Schuld, auch heute noch. Und man kann sich ihr stellen. Vielleicht ist dann ein Weiterleben möglich ohne diese Last im Herzen.

Bildquelle: www.mutualart.com

Vergeben und vergessen

Muss man sich mit einem Menschen an seinem Lebensende aussöhnen? Will man es? Kann man es? Ist man es ihm schuldig, dass er einen Konflikt nicht mit ins Grab nehmen muss? Könnte man selbst dann befreit weiterleben?

Wenn es so einfach wäre, würds ja jeder machen. Wie geht denn das? Wenn mir einer den Arm abhackt, kann ich an dessen Sterbebett wohl sagen: Ich verzeihe dir. Aber der Arm ist danach immer noch ab, und ich werde niemehr Flöte spielen. Zu verzeihen wäre ja, als sei man damit einverstanden.

Man kann lernen, mit einem Arm zu leben. Man kann lernen zu sehen, was den Verursacher getrieben hat, aber vergeben hat für mich zu viel mit Verharmlosen und Schwamm drüber zu tun. Was ist vergeben überhaupt?

 

Sonnenuntergang (1)