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Regentropfenrätsel

Wer viel Zeit zu Hause verbringt, hat viel Zeit zum Nachdenken. Fragen treten auf, von denen sich manche beantworten lassen, andere nicht. Jedenfalls nicht von mir.

Zum Beispiel beschäftigt mich die Windschutzscheibe meines Autos: Warum sehen bei Regenwetter die Wasserperlen innerhalb der Scheibenwischerfläche anders aus als außerhalb? Dort, wo die Scheibenwischer nicht hinkommen, sitzen winzige Tröpfchen sauber nebeneinander. Wo dagegen gewischt wird, sieht es auf der Scheibe etwas ungeordnet aus. Nass halt, aber ohne System.

Das Bild entstand nach durchregneter Nacht, bevor ich den Motor startete. Scheibenwischerwasser habe ich seit Wochen oder Monaten nicht benutzt, ich weiß gar nicht, ob noch etwas drin ist. Das Glas müsste also außen eine einheitliche Oberfläche haben. Warum formen sich dann scharf abgetrennt unterschiedlich aussehende Wasserperlen? Weiß das jemand?

Neulich beim Spazierengehn

Im Wald einen geparkten Porsche zu sehen, kommt vor. Auch Porschefahrerinnen und Porschefahrer müssen mal raus. Ungewöhnlich ist also nicht der Sportwagen, der an einer Schotterstraße im Schatten der Bäume geparkt hat – ungewöhnlich ist der Grund dafür. Ein junger Hipster schleppt nämlich gerade einen Getränkekasten aus dem Gebüsch und hievt ihn auf den Beifahrersitz.

Er verschwindet wieder im Strauchwerk und kehrt Minuten später zurück mit weiteren Flaschen in der Hand. Wir sind inzwischen nähergekommen und sehen: es sind Wasserflaschen. Sie tragen keine Etiketten, frei verkäufliche Flaschen eben, die augenscheinlich mit Wasser gefüllt sind.

Während der Fahrer auch diese im Auto verstaut, sich ans Steuer setzt und mit donnerndem Sound davonbraust, schauen wir uns an und wollen nun wissen, was hinter dem Gebüsch ist.

Es ist ein Brunnen. „Kein Trinkwasser“, steht darauf wie an allen öffentlichen Brunnen.
Wir rätseln.
Hätte der Mann lila Hosen und ein buntes Tuch getragen, würde man den Glauben eines Esoterikers an Heilkräfte aus fließendem Gewässer als Erklärung heranziehen können. Es war aber einer mit Vollbart, gestyltem Haar, Röhrenjeans und weißen Sneakers. Und Porsche.

Es war also einer mit Ehrgeiz, Erfolg, Einkommen. Wenn der eigens mit dem Porsche anreist, um dieses Wasser zu beschaffen – dann kann man es trinken. Er wird es wohl nicht zum Gießen verwenden. Nein, es ist höchstwahrscheinlich ein besonderes Wasser, egal warum. Mehr noch: Nun will ich es auch.

Nächstes Mal bringe ich eine Flasche mit. Erst probieren, bevor ich mit einem ganzen Kasten anrücke.

Lasse ich mich zu leicht von Äußerlichkeiten beeindrucken?
Oder übersehe ich etwas?

Strandgut

Wichtigstes Werkzeug am kroatischen Strand sind Flipflops und eine Schaumstoffmatte. Es gibt hier nämlich keine Sand-, sondern Kieselstrände, und das tut beim Auftreten oder Draufliegen weh.

Alles andere braucht keine weiteren Hilfsmittel. Das Wasser ist kristallklar und ca. 25 Grad warm. Der kilometerlange Strand mit seinen hübschen Buchten ist aufgeräumt und sauber. Man muss auch keinen Liegestuhl oder Sonnenschirm mieten, sondern setzt sich nach dem Schwimmen gepflegt in den Schatten der Pinien. Die Kinder der meisten  Länder gehen wieder zur Schule, sodass es herrlich ruhig ist. Nur noch wenige Touristen und Einheimische genießen hier Wasser, Sonne und Ruhe – ein kleines Paradies.

Und was macht ihr morgen? 😉

Drehmoos

Es ist noch nicht lange her, da fand ich auf dem Balkon einen tierisch schönen Gartenknödel. Jetzt hab ich wieder etwas entdeckt: Drehmoos im Balkonkasten. Die Besonderheit dieses Wesens lässt sich auf einem Bild nicht einfangen, deshalb habe ich ein Video hochgeladen (ich werd jetzt nämlich Youtube-Star!)

Habt ihr sowas schon einmal gesehen? Nicht einmal Google erwähnt irgendwo kreiselnde Moosstämmchen. Was tun die da?

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Das Ding mit dem Kanal und der Schale

„Wenn du vernünftig bist, erweise dich als Schale und nicht als Kanal, der fast gleichzeitig empfängt und weitergibt, während jene wartet, bis sie gefüllt ist und erst dann das Überfließende weitergibt, sodass sie ohne Schaden bleibt.

 Lerne auch du, nur aus der Fülle auszugießen und habe nicht den Wunsch, freigebiger zu sein als Gott. Die Schale ahmt die Quelle nach. Erst wenn sie mit Wasser gesättigt ist, strömt sie zum Fluss, wird sie zur See. Du tue das Gleiche! Die gütige und kluge Liebe ist gewohnt überzuströmen, nicht auszuströmen.

 Ich möchte nicht reich werden, wenn du dabei leer wirst. Wenn du mit dir selbst schlecht umgehst, wem bist du dann gut? Wenn du kannst, hilf mir aus deiner Fülle. Wenn nicht, dann schone dich.

(Bernhard von Clairvaux, Mystiker und erster Abt des Zisterzienserklosters Clairvaux, 12. Jahrhundert)

 

Jetzt ist es raus: Es hat sich ausgeflossen. Jetzt wird gefüllt! Bernhard, ein Kirchenmann immerhin, hat gesagt, wir dürfen das. Wir sollen es sogar. Ein weiser Rat, der richtige für Erschöpfte und Zerbrechende. Doch nun fragen sich alleinerziehende Mütter und Väter, pflegende Angehörige, Menschen mit mehreren Jobs, um zu überleben: Was, wenn die Schale nie voll wird? Darf man seine Verpflichtungen dann hinschmeißen? Und wenn ja: Wohin?

Würde der gute Bernhard im Alter von 195 Jahren mit schwerer Gicht und Inkontinenz die Helferin fortschicken, wenn die seit hundert Jahren bei ihm ist und nur noch wie eine Kanalröhre Anforderungen aufnimmt und Verrichtungen ausspuckt? Wäre sie überflüssig, weil sie keinen Überfluss verschenkt? Würde er sie fortschicken, auch wenn niemand anders da wäre?

 

 

Fischbrunnen in München

Fischbrunnen in München