Happening am Käsestand

Gestern waren wir bei einem Cheese Tasting. Unser Engländer in der Familie übersetzte das mit „Käseschmecken“, genau gesagt war es ein englisches Käseschmecken. Dass es in Großbritannien Hunderte Käsesorten gibt, wusste ich nicht, und kulinarische Produkte der Spitzenklasse erwartete ich auch nicht. Umso größer war die Überraschung, denn auf unserem Teller lag etwas vom Besten, was ich an Käse bislang gegessen habe: Cheshire, Leicester, Lancashire, Stilton, Cheddar und Caerphilly – jeder einzelne zerging auf der Zunge und schmeckte köstlich, genau wie die Hawkshead Chutneys, die es dazu gab. Aber das war später.

Zuvor hatten wir viel Gelegenheit uns umzusehn, denn der eingewanderte Engländer hinter dem kleinen Stand hatte offenbar weniger Besucher erwartet und kam mit den Bestellungen nicht nach. Bemerkenswert fand ich, dass er dennoch Zeit fand zum Plaudern. Immerzu standen Leute um ihn herum und unterhielten sich mit ihm. Seltsam, dass von den gut hundert Leuten, die gekommen waren, niemand murrte. Entspannt saßen sie beieinander, jemand spielte auf der Gitarre, Kinder turnten vor den Tischen herum und es gab weder strenge Blicke noch irgendwelche Beschwerden, soweit ich erkennen konnte. Die einzigen, die die Köpfe reckten und Bemerkungen machten, wenn wieder ein voller Käseteller vorbeigetragen und an einem anderen Tisch serviert wurde, waren wir. „Another five before yours,“ lächelte uns der Engländer dann zu. „Another four before yours“ beim nächsten Mal. Ich glaube wir waren die einzigen, die überhaupt nachfragten.

Wir hätten das ja anders organisiert. All die Käseproben wären bei uns im Voraus geschnitten und bereit, auf den Teller gelegt zu werden. Außerdem gäbe es jemanden in Bereitschaft, den man bei Bedarf herbeiholen könnte zum Helfen. Auf ein paar Stückchen Käse müssten unsere Gäste niemals so lange warten wie wir.

Wieso schimpfte niemand? Lag es daran, dass fast nur Engländer gekommen waren? Ich glaube, meine Schwester, ihr Mann und ich waren die Einzigen mit Deutsch als Muttersprache, wir fühlten uns wie in Little Britain. Bis das erste Stückchen Käse in unserem Magen landete, dauerte es jedenfalls über eine Stunde. Gut, dass wir Zeit hatten und keinen Hunger. Sind Briten nun langsamer? Wissen das die Leute und erwarten nichts anderes? Oder ging es gar nicht nur um Käse? Vielleicht waren diese paar Stunden für die meisten eine schöne Möglichkeit, um Landsleute zu treffen. Und wir ein bisschen zu deutsch. Geschmeckt hats trotzdem.

Veranstalter: Cheeseclub

2 Gedanken zu „Happening am Käsestand

Das Absenden eines Kommentars gilt als Einverständnis dafür, dass Name, E-Mail- und IP-Adresse durch WordPress bzw. Gravatar gespeichert und verarbeitet werden. Dies dient der Nachverfolgbarkeit bei Missbrauch und Spam. Lasst euch trotzdem nicht abhalten, ich freue mich auf eure Meinungen! :-)

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.