Halbe Hunde

Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus, und so kam es, dass ich vor der Hochzeit meiner Tochter zum ersten Mal in meinem Leben ein Nagelstudio aufsuchte. Drei zierliche Damen sitzen dort nebeneinander an kleinen Tischchen und beugen sich über die Hände ihrer Kundinnen. Ohne von der Arbeit aufzublicken, unterhalten sich die drei von Zeit zu Zeit miteinander.

Diese kleinen Wortwechsel in dem ansonsten stillen Studio erinnern an das Miauen von Nachbars Katze. Es handelt sich bei dem Trio nämlich um Vietnamesinnen, und in ihrer Sprache klingen die Wörter gedehnt, mit viel Melodie. Ich muss dann genau aufpassen, denn ihr Deutsch ist stark von der Muttersprache eingefärbt. Wenn die junge Frau vor mir etwas sagt, ist nicht ohne weiteres zu erkennen, ob sie mich meint auf deutsch oder eine der Kolleginnen auf vietnamesisch. Es hört sich eigentlich gleich an.

Einmal betritt eine Kundin den Laden und fragt: „Wie lange würde es dauern, bis ich drankomme?“ Eine der Damen blickt auf, schätzt mit einem Blick die drei Tische ab und antwortet: „Halbe Hunde.“ „Bitte?“ „Halbe Hunde!“ kommt es vernehmlicher, wohl in der Annahme, sie habe zu leise gesprochen. „Gut,“ antwortet – ebenfalls in einer Annahme – die Kundin. „Dann komme ich in einer halben Stunde wieder“.

Ich könnt da jeden Tag hingehen. Aber für regelmäßige Behandlungen ist es dann doch zu teuer. Schade.

Wandschmuck

Impressionen, die nicht irgendwo in den Tiefen Italiens entstanden sind, sondern gestern in der Altstadt von Konstanz.

Die wie gemalt wirkenden Fensterläden des Wohnhauses auf dem ersten Bild wurden nicht wegen der Herbstsonne verschlossen, sondern weil das Gebäude derzeit unbewohnt ist. Es stammt aus dem 17. Jahrhundert, und soviel Zeit hat der davor stehende Roller noch nicht gesehen. Mit gefiel der Kontrast von Licht und Schatten, Alt und Neu, feststehend und mobil.

Die Graffitis darunter stammen von Tuk, einem Streetart-Künstler. Er arbeitet mit Schablonentechnik und die beiden hübschen Farbtupfer hätte ich im Vorbeigehen fast übersehen. Aber eben nur fast. 🙂

Italienische Fantasie

Urlaub am Gardasee – das klingt wie Urlaub im Bayerischen Wald: Öde. Hinz und Kunz fahren an den Gardasee, und zwar schon seit den Siebziger Jahren. Nicht immer sind es die spannendsten Zeitgenossen, die sich dieses Reiseziel aussuchen. Mit anderen Worten: Es zog mich nie hin.

Der geliebte Brite kennt dieses Klischee indes nicht und hält den See nach einem Blick im Netz für einen „interesting place“ – Wasser, Berge, hübsche Restaurants und „Schau die schönen Blumeninseln“. Gähn.

Zum Glück setzte er sich durch! Wir verbrachten eine Woche in Riva del Garda und der See hat an diesem nördlichsten Punkt etwas Magisches. Links und rechts ragen die Ausläufer der Dolomiten empor, nach Süden hin wird es licht. Ich hätte immerzu dort stehen und aufs Wasser schauen können, verzaubert vom zarten Dunst am Horizont, von den Pastellfarben, von den in der Ferne durchsichtig scheinenden Bergkämmen.

Wer Lust hat, kann hier alle Arten von Wasser- oder Bergsport betreiben. Wir hatten keine Lust, oder nicht viel und haben hauptsächlich ausgeruht und all das Schöne genossen. Riva del Garda ist gepflegt, organisiert, alles funktioniert. Man spricht deutsch und denkt auch ein bisschen so. Bevor jetzt mahnend der Zeigefinger erhoben wird, weil der massenhafte Einfall der Deutschen den Italienern den Spaß verdorben und ihre Mentalität zerstört habe – so war es nicht. Der Gardasee gehörte einst zu Österreich, noch früher gar zu Bayern (doch ein bisschen Bayerischer Wald!) und es waren vielleicht eher die Italiener, die den verbliebenen Ansässigen ihre Stempel aufdrückten. Das Ergebnis ist perfekt: Eine Mischung aus deutscher Tüchtigkeit und der einen oder anderen gerade gelassenen Fünf.

Das einzig Langweilige ist der Name: Gardasee. Wie abgedroschen klingt das denn? Wie schön hört sich dagegen Lago Maggiore an! Oder Lago di Garda. Das hat Rhythmus, das hat Fantasie!

Ach egal.

Es war fantastisch!

 

Sie haben ihr Ziel erreicht!

Gestern noch auf der Rutschbahn, heute schon auf dem Standesamt: Mein Baby ist jetzt Ehefrau, und ich habe einen Schwiegersohn. Krass.

Wir haben nun griechische Verwandte, und auf der Hochzeit wurde Sirtaki getanzt. Das möcht ich unbedingt auch können, den Lehrmeister haben wir ja nun in der Familie. Was für eine Lebensfreude und Ungekünsteltheit die Griechen mitbrachten, kann ich kaum beschreiben – und die Deutschen waren unbeschwert, begeistert dabei. Alle hatten Spaß, und ich war die stolzeste Brautmutter der Welt. 🙂

Aktuelles Kochstudio

Meine selbst eingemachten Zucchini sind die Hölle. 4 Esslöffel zerstoßener Pfeffer auf 1 Liter Aufguss ist zuviel. Ob es die Schärfe ist, die nicht ganz durchgekochten Zwiebelringe (5 Minuten sind zu wenig), oder der Essigsud, den ich nicht ja nicht wegschütte, sondern austrinke – wenn ich jedenfalls ein Schüsselchen von meinem ersten Zucchini-Einmachversuch verputzt habe, stoßen wenig später Feuerwellen durch meinen Körper. Schweiß bricht aus, Schnappatmung setzt ein, und selbst die entlegensten Zellen werden aus dem Schlaf gerissen.
Hat was.
Meine neue Hausmedizin gegen Kreislaufschwäche.