Rock-Festival

Wir waren schon froh, dass wir nur zuschauen durften und nicht mitmachen mussten. Denn so hatten wir einen witzigen Nachmittag mit Baumstammwerfen, Moscht-Schöpfen, Fässerschleppen und solchen Sachen.

Oberschwäbische Highländ Games in Wilhelmsdorf

Das Irina-Konzept

Morgens im Büro: Ich habe Irina etwas auf den Tisch gelegt und warte, dass sie es abzeichnet, damit ich das Dokument gleich wieder mitnehmen kann.
„Hey“, sagt sie, „was bist du so hektisch? Du siehst mich gar nicht an!“ Jetzt sehe ich sie an – perplex. Sie lacht. „Ihr Deutschen … immer arbeiten, immer in Eile, aber die Kollegen sind doch auch da.
„Irina,“ ich lege den Arm um sie, drücke sie ein wenig, wir mögen uns, „ich komme hierher zum Arbeiten und nicht, um Kollegen anzuschauen!“
„Aber du musst auch die Menschen sehn. Nicht nur Arbeit.“
Dann betrachtet sie meinen funkelnden Fingerring und wir reden ein wenig über Schmuck. Ich wage nicht wegzulaufen, obwohl mein Schreibtisch voll ist. Erst als es um ihre perfekt gepflegten, korallenroten Fingernägel geht und sie auch meine lackieren will, jetzt und hier – den Nagellack hat sie offenbar in der Handtasche – mache ich mich lachend aus dem Staub.

Irina stammt aus Russland und sie klagt oft, dass ihr die Arbeit über den Kopf wächst. Trotzdem findet sie immer wieder Zeit, mit Kollegen, Dozenten und Kursteilnehmern ein Schwätzchen zu halten. Dann ruft sie gutgelaunt „Chaallo, wie warr dein Urlaub“, lacht ihr zwitscherndes Lachen und die um sie herumstehenden Leute scheinen ihre besten Freunde zu sein.

Ich glaube, diese Plaudereien sind für sie Teil ihrer Arbeit. Der Schmierstoff sozusagen. Der Respekt, das Interesse, die Wertschätzung.

Wir Deutschen machen das anders. Ich weiß jetzt grad nicht genau wie, anders eben, und vielleicht manchmal auch gar nicht, aber wir kriegen mehr geschafft.

Wer hat Recht?

Flugrolle

Vor ein paar Wochen im Flieger: Ich sitze zwischen einer fünfköpfigen Familie aus Bayern, weil versehentlich keine nebeneinander liegende Sitze für den geliebten Briten und mich gebucht worden waren. Meinen Fensterplatz habe ich einem der Kinder überlassen („Mei is des nett von Iahna!“) und so kommt man ins Gespräch. Es stellt sich heraus, dass alle miteinander zum ersten Mal in einem Flugzeug sitzen. Vor allem die junge Mutter neben mir zupft ständig am Anschnallgurt herum und je aufgeregter sie wird, desto gelassener werde ich. Beim Start blättere ich in einer Zeitung und beim unangenehmen Absacken während des Flugs beruhige ich die erstarrte Frau: „Das ist normal“.

Interessant. Bei anderen Flügen halte ich nämlich die Hände in die Oberschenkel gekrallt und gehe im Geist durch, ob zu Hause alle meine Unterlagen geordnet sind und ob ich  in diesem Leben genug für meine Kinder getan habe. Falls wir herunterfallen.

Was lernen wir daraus? Der bewundernde Blick einer jungen Bayerin, deren Frage „Muss des so rütteln?“ ich mit einem souveränen „Ja“ beantworten kann, wirkt offenbar, als habe die Regie mir eine neue Rolle zugewiesen: Die der vielgereisten Kosmopolitin. Und das Beste daran: Ich konnte sie spielen.

 

Anm.: Zu diesem Beitrag inspirierte mich Meermond mit ihren Gedanken über Schachteln. Danke für den Impuls!🙂

Geschichten des Lebens

Mariatal

Heute Nacht träumte ich, mit dem Fahrrad abseits des vorgegebenen Wegs zu fahren, und ich kam schneller an als die anderen. Dann wollte ich einem Trauergottesdienst fernbleiben und fand den Zimmerschlüssel nicht, um ins Hotel zurückzukehren. Ich schaute nochmal in der Handtasche nach und – aah! Da war er ja. Schließlich saß eine fremde Frau am Steuer meines Autos und ließ sich nicht vertreiben. Aber ich geiferte so lange herum, bis sie aufgab und den Fahrersitz räumte.

So geht das zurzeit andauernd – meine Träume gehen plötzlich alle gut aus. Dabei kann ich normalerweise in der Nacht irgendwelche Aufgaben nicht lösen, stürze mich deshalb aus dem Fenster und bringe mich zusätzlich mit einer Schere um. Sowas in der Art.

Vielleicht hat es mit dem Buch zu tun, das ich zurzeit vor dem Einschlafen lese. Darin geht es um einen jungen orthodoxen Juden in Zürich, der am engen Korsett seiner Religion leidet. Er hinterfragt es aber nicht, sondern versucht Schleichwege zu finden und geht dabei dem Anderen, Verbotenen nicht aus dem Weg.

Seither lösen sich nachts auch meine Konflikte, traumhaft.

Eine Stelle hat mir besonders gefallen. Eine Kartenlegerin rät dem jungen Mann, nicht allzuviel nachzugrübeln, die Geschichten des Lebens seien eh alle schon geschrieben. Später fällt ihm das ein und …

„… da erkannte ich das Geheimnis: Die Geschichten sind tatsächlich schon geschrieben, aber wir können sie verraten und uns mit dazu. Wir können so leben, wie wir glauben, leben zu müssen oder nicht anders leben zu können, doch es wird immer ein lebn* geben, wie es für uns gemeint ist; es ist jenes, das uns am glücklichsten macht und das uns zu unserer wahren Größe erhebt; was auch immer der prajs*dafür sein möge und wieviel auch immer wir dafür auf uns nehmen müssen“.

Thomas Meyer – Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse
Salis-Verlag

*In dem Buch tauchen häufig jiddische Begriffe auf, an die man sich gewöhnen muss. Gut so. Dadurch lese ich etwas langsamer und habe länger schöne Träume!

Kein Netz auf dem Balkon!

Unser WLAN ist ein Stubenhocker. Es funkt fleißig in der Wohnung herum, doch bis auf den Balkon schafft es nur eine winzige Abordnung an Datensignalen. Nicht genug jedenfalls, um am Internet Freude zu haben. Da aber Sommer ist und das Leben mehr im Freien stattfindet, lasse ich das Tablet eben drinnen und nehme lieber Bücher mit nach draußen (die Ladezeiten der Seiten sind unschlagbar, auch auf dem Balkon). Deshalb ist es zurzeit ruhig in meiner Bloghütte.

WLAN
Sonnige Sonntagsgrüße und bis demnächst!

Ravensburg

Wenn schon meine Heimatstadt bedichtet wird, dann ist jetzt der beste Zeitpunkt, dies ein wenig zu bewerben.

Scheene Ruata an alle aus Ravensburg und dem Umkreis (auch Weingärtler natürlich)!😉

http://www.rutenfest.info/

#limerickreise

Ein Hutmacher lebte in Ravensburg
Und ist mit dem Rad durch die Stadt gegurkt.
Der Hut auf dem Haupt
Wurd‘ stürmisch geraubt,
Seitdem trägt er ihn nur fest angezurrt.

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