Zwischenruf

Wenn man den Kopf nicht frei hat, kann man keine Blogartikel schreiben. Deshalb ist gerade nicht viel los hier, das Leben hat seine Tücken in diesen Tagen. Geradezu therapeutisch wirkt da, was ich vor kurzem für mich entdeckt habe: Instagram. Bei der Bearbeitung von Bildern kann man sich herrlich wegdröhnen und das Gedankenkarussell zum Stillstand bringen. Aber eins möchte ich doch erzählen:

Das Schicksal wollte es, dass vor einer Woche die Schmerzen in meinen verspannten Schultern behandelt wurden. Mit Tabletten. Das Gute daran war, dass die Schmerzen im kürzlich gebrochenen Zeh gleich mitbehandelt wurden. Im Iboprofen-Rausch war alles in Ordnung, bis gestern. Da kam noch ein frustrierender Arbeitstag dazu, nichts lief so, wie ich es wollte. Und da … am Abend … kamen die Schmerzen wieder. In den Schultern, im Fuß, trotz Tabletten.

Da fragt man sich, was Schmerzen eigentlich sind, und warum man sie hat.

Das wars von mir, ich wünsche euch allen einen schönen Abend.

 

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Ruhetag für tapfere Indianer

Hier spricht Häuptling Broken Toe. Nicht zu verwechseln mit Wounded Knee, das ist mein Bruder. Ich dagegen habe es geschafft, mir auf dem Weg zum Radio den Ringzzeh zu brechen, das ist der vierte Zeh von links am rechten Fuß.

Wie kam es zu diesem Befund?

Es geschah morgens (da ist meine Wahrnehmung noch eingeschränkt),
ich war in Eile (warum eigentlich?),
und dann sprang ein Stuhlbein direkt vor meine Füße (was Möbelstücke sich manchmal erlauben!)

Wer es noch nicht weiß: Mit einem gebrochenen Zeh wird die entsprechende Stelle großzügig dick, blau, pelzig und ausgesprochen schmerzhaft beim Versuch, aufzutreten. So humpelte ich also auf der Ferse zum Auto in der Erwartung, dass es bei der Arbeit bald nicht mehr weh tut wie sonst immer. Es ist ja nicht das erste Mal, dass Möbelteile meinen Schwung aufzuhalten versuchen. Aber diesmal wurde es nicht besser, sondern schlimmer, und ich ging schließlich zum Arzt.

Jetzt liege ich auf der Couch und schau mir schöne Bilder im Internet an. Damit der Tag nicht ganz umsonst ist.

 

 

 

We are amused

… denn ein langer Traum wird wahr: wir haben ein Haus gekauft! Es hat 1,5 Räume und steht auf einem 170 qm großen Grundstück. Mit anderen Worten: Wir sind jetzt glückliche Besitzer einer Holzhütte und Pächter eines Schrebergartens. Am liebsten würde ich sofort zu Obi, einen Spaten kaufen und anfangen umzugraben. Wir haben nur den Schlüssel noch nicht und ich bezweifle auch, dass um diese Jahreszeit Gartengeräte erhältlich sind.

Beim Rundgang mit dem Vereinsvorstand erfuhren wir übrigens, dass die Kleingartenanlage eine eigene Welt mit vielen Ländern und Kulturen darstellt. Es gibt hier Portugiesen, Russen, Ukrainer, Rumänen, Italiener, ein paar Deutsche sind auch dabei. Und – man glaubt es kaum – der Garten direkt neben unserem gehört – einem Briten!! There are you from the socks. Natürlich gibt es bei diesem Nachbarn einen gepflegten, gefühlt mit der Nagelschere bearbeiteten kleinen Rasen. Auch „mein“ Brite hat Bedarf an Gartenfläche angemeldet und träumt vielleicht schon vom glattrasierten Wimbledon-Wiesle.

Hey, ich freu mich so!

Männersache

Neulich im Büro: Ich sitze an meinem Schreibtisch im Empfangsbereich, da kommt der Lehrer aus dem vorderen Unterrichtsraum und stützt einen Kursteilnehmer. Er kann kaum mehr gehen. Sie lassen sich auf das Sofa im Aufenthaltsbereich sinken, die Abteilungsleiterin kommt aus ihrem Büro und blickt den etwa vierzigjährigen Syrer besorgt an. Der Mann wendet sich ab, vergräbt sein Gesicht in den Händen und spricht kein Wort.

Wir bringen ihm Wasser, einen Schokoladenriegel und versuchen zu erforschen, was los ist. Ein anderer Teilnehmer, ein sanfter junger Mann, der ebenfalls aus Syrien stammt und gerade hereinkommt, setzt sich zu ihm und redet auf ihn ein. „Schwindelig“, sagt er dann zu uns und deutete auf den Mann neben sich, „atmen nicht gut“.

Ich öffne die Fenster und lasse frische Luft herein, die Leiterin tätschelt seine Hand und beruhigt ihn. Der an sich große Mann sitzt ganz klein da und verbirgt immer noch sein Gesicht. Er weint. Er weint still vor sich hin, und hört gar nicht mehr auf.

Ich habe im öffentlichen Bereich noch nie einen deutschen Mann weinen gesehen. Und wenn, dann wären es Frauen, die sich – wie hier – kümmern. Aber keine der syrischen Frauen kommt. Nur Männer. Eine ganze Gruppe wartet mit ihm auf die Ambulanz. Einer von ihnen begleitet ihn, als er abgeholt und zur Beobachtung ins Krankenhaus gebracht wird.

Der Syrer hat in der Vergangenheit ein Auge verloren, und in ein paar Tagen wird ihm ein künstliches Auge eingesetzt. Vielleicht hat er einfach Angst.

Heute bei herrlichem Sonntagsspaziergang

Los gings im Bett,
war schon im Bad,
bin an der Küche vorbei
und jetz grad auf dem Weg zum Sofa.
Wetter macht auch mit.
 

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PS: Nein, die Bilder stammen leider nicht vom trauten Heim, sondern von den Bed&Breakfast-Unterbringungen während unserer Wanderung am Hadrianswall entlang. Träumen darf man ja. 🙂

Kulturaspekte

Auf einer Bahnhofstoilette in Basel erlebte ich kürzlich die weibliche Mentalität im Allgemeinen und die schweizerische im Besonderen: Nach der Ankunft mit dem Zug musste ich nämlich aufs stille Örtchen, wo allerdings schon etwa zehn Frauen vor vier besetzten Kabinen warteten. In dem engen Vorraum war Schlangestehen unmöglich und so stellte man sich irgendwo hin. Ich merkte mir nur die Frau, die vor mir eingetreten war, eine Inderin im roten Sari.

Wenn eine Kabine frei wurde, löste sich aus dem ungeordneten Haufen immer genau eine Frau und begab sich zur Toilette. Anscheinend wusste jede, wann sie an der Reihe war. Doch einmal geriet der Ablauf ins Stocken: eine Kabine war frei geworden, und keine Frau trat vor. Nach wenigen Augenblicken richteten sich ein paar Augenpaare auf die Inderin neben mir und deuteten freundlich auf die offen stehende Tür. Verschämt lächelnd huschte sie hinein.

Wenig später kam sie wieder heraus, trat zum einzigen Waschbecken und wusch sich die Hände. Als ich fertig war und die Kabine verließ, wusch sie sich die Hände immer noch. Ich stellte mich hinter sie und wartete, aber sie rieb und knetete ihre Finger unter dem Wasserstrahl und wollte nicht aufhören. Kein Mensch kann so schmutzig sein, dass man so lange ein Waschbecken belegen muss, dachte ich und sah etwas ungehalten zu.

Das bemerkte eine andere Frau. Sie wandte sich diskret an die Inderin und sagte mit Schweizerischem Akzent: „Nehmen Sie die Hände einfach vom Hahn weg, dann hört das Wasser auf.“ Die Inderin zog ihre Hände zurück, betrachtete kurz das Wunder des versiegenden Wasserstrahls und lachte schüchtern auf.

Während ich nun ans Waschbecken trat, erklärte die Frau der Inderin noch unauffällig das Gebläse zum Händetrocknen.

Liebe Schweizerinnen, ich bin derart beeindruckt, dass ich hier davon erzählen wollte. Nicht nur die Inderin hat an diesem Tag etwas gelernt, sondern auch eine Deutsche. 🙂

Helvetia

Die Allee

Wenn ich einmal durch diesen Tunnel gehe, dann soll er so sein wie diese Allee. Die Kronen der Baumreihen schließen sich über mir, Licht fließt durch das Laub, auf den Feldern liegt dicker Wildkräuterflaum. Es riecht wie nach einem Regenschauer.

Wenn ich durch diese Allee gehe, sind auch andere Menschen unterwegs: zu Fuß oder mit dem Rad machen sie sich auf den Heimweg nach einem langen Tag. Ich bin nicht allein, und das ist gut. Weiter vorne, am Ende der Allee, wird es hell. Vielleicht wartet dort jemand, doch das ist nicht wichtig. Ich setze einen Schritt vor den andern, höre die Vögel singen, es ist ein warmer Tag.

So träume ich manchmal, wenn ich auf dem Weg von der Arbeit nach Hause durch diese lange Allee radle. An ihrem Ende befindet sich ein kleiner Friedhof. Neulich standen wieder Menschen an einem offenen Grab, die Sonne schien ihnen auf die Schultern.