Lebensputz

In Krisen und Orientierungsphasen, oder auch während einer Fastenzeit überdenken wir gelegentlich Ziele im Leben, eingeschlagene Wege und Menschen, die uns begleiten. Manchmal stellen wir fest, dass wir in die falsche Richtung rennen, in einer Sackgasse stecken oder dass es mit jemandem im Umfeld nicht mehr passt. Grund also, das Eine oder Andere loszuwerden.

Das fiel mir kürzlich ein, als ich in der Stadt einer Frau begegnete, die ich kenne. Ein kurzes Hallo, lange nicht gesehn, dann ging man in verschiedenen Richtungen weiter. Mit dieser Frau habe ich meine halbe Teenagerzeit verbracht. Wir liebten uns, wir prägten uns, gemeinsam wurden wir erwachsen und diese Zeit hallt bis heute bei mir nach, Jahrzehnte später. Was hatten wir für einen Spaß miteinander, und all die Gespräche, die zigarettenverqualmten Nächte, und der Martini!

Wir treffen uns schon lange nicht mehr. Irgendwann lebte jede ihr eigenes Leben, ist die verträgliche Variante. Aber um ehrlich zu sein: Ich glaube, ich wurde aussortiert. Ihre Erwartungen erdrückten mich irgendwann und ich begann, mich zu widersetzen. Da zog sie sich zurück. Darüber gesprochen haben wir nie, wir waren noch jung.

Ich bewundere sie bis heute. Sie ist witzig, intelligent und unkonventionell. Sie wusste, was sie wollte und man konnte mit ihr mitkommen oder woanders hingehen – sie blieb auf ihrem Weg. Man konnte sich festhalten an ihr.

Danach hatte ich etwa zwanzig Jahre lang keine Freundinnen mehr. Ich war mit Ehe und Kindern beschäftigt, ist die verträgliche Variante.

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28 Gedanken zu „Lebensputz

    1. Anhora Autor

      Ja, unsere Wege liefen einfach auseinander. Ich hätt sie gern auf meinen Weg mitgenommen, sie mich auf ihren. Mit meinem heutigen Lebenswissen würd ich anders damit umgehen, aber wenn man jung und doof ist …
      Danke für deinen Kommentar! 🙂

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  1. Mallybeau Mauswohn

    Liebe Anhora!

    Ha also, i glaub da derfsch Di net so runtrmacha und Dir saga, dass de aussortiert worda bisch. I glaub, des isch ganz normal. Mir goht des au so. I han zwar koine Kendr, abr i ben au in a ganz andre Richtung ganga als meine Kumpelinnen. Ond i kenn viele dene des au so goht. So isch halt s Läba. Des isch d Entwicklung, dät i saga. Und außerdem bisch Du a subbr Blogfreindin, witzig, intelligent, souverän…. und ohne Di und Dein Brite dät i nie naus in da Urlaub komma. Wer nimmt scho a Kuh im virtuelle Köfferle mit? Des macht au et jeder 🙂
    Also bleib wie de bisch, Dei Läba isch genau richtig butzt! Ond mir Schwoba haltet doch zamma, gell!

    Grüßle von dr sonniga Alb
    Mallybeau

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    1. Anhora Autor

      Ach, liebe Mallybeau, du sollsch mi doch net so loba, i woiß gar net was i saga soll. Sowas sind mir Schwoba doch net gwehnt, hoschs vergessa? Bei uns gilt doch „Net gschumpfa isch gnug globt!“ 😉
      Im Ernschd: Dange für dei tolle Aufmunderung. Du hasch ja Recht, manches entwiggelt sich ausanander, au wenn mrs net will. s’Läba isch koin Schlotzer. Aber was du grad gschriebe hosch des hat mr jetzt scho gut dua, i bin ganz grührt. 🙂 I nemm di au ganz sicher in alle künfdige Urlaubsreisa mit, des wird an Schbass! 🙂

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  2. Reiner

    Solche einseitigen Freundschaften kenne ich … eine Seite dominant und die andere extrem anpassungsfähig und dankbar für die Orientierung. In jungen Jahren stand ich stets an letzterer Stelle.

    Manchmal spielt das Schicksal über die Jahrzehnte seltsame Streiche. Mein bester Freund aus alten Tagen erkrankte schwer und ist in der Folge früh-verrentet. Sehen wir uns heute, ist es komplett anderes als damals … für mich mit viel Gefühl und Verantwortung verbunden.

    Die wenigen neuen, tieferen Kontakte mit den Jahren sind heute auf Augenhöhe.
    Niemanden Herrn und niemanden Untertan…

    Grüße !

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    1. Anhora Autor

      Lieber Reiner, danke für deine Gedanken dazu. Du hast Recht, so war es bei mir damals: dominant trifft haltsuchend. Interessant, was du mit deinem Freund erlebt hast bzw. jetzt erlebst. Es ist als ehemals Schwächerer eine besondere Erfahrung, der Stärkere zu werden und dies nicht ausspielen zu müssen, sondern, ja, auf Augenhöhe zu verbleiben. Ich kenne das von den letzten Jahren, als meine Mutter noch lebte. Des Leben lehrt einen seltsame Dinge. Lieber Gruß, A.

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    1. Anhora Autor

      Das haben wir gelegentlich sogar gemacht in all den Jahren. Aber ich hatte immer noch das Gefühl, sie erwartet immer noch etwas von mir. Ich wusste aber nicht was, und es ist nie weitergegangen. Manchmal ist es komisch zwischen den Menschen, aber auch spannend. Und – wir sind ja noch jung *hüstel* – wer weiß was die Zukunft noch mit uns vorhat. Wenn es nichts ist, dann hatten wir jedenfalls eine tolle Zeit, und die kann uns keiner nehmen. 🙂

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      1. maribey

        Ja, manchmal ist es das Vergangene, was schön war und es lässt sich nicht mehr ins Heute holen, dann ist es ein guter wichtiger Teil unseres Lebensweges. Spannend ist es, diese Beziehungen, Begegnungen, Entwicklungen…

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  3. Arletta Rusterholz

    Was für ein toller Blog! Ich werde ihn in meine Blogroll einsortieren. Thema „Aussortieren“, ich finde das interessant, was Du da schreibst, manchmal denke ich auch mit Wehmut an die Zeit zurück, in der ich noch mit Freundinnen rumhing und einen draufmachte, alles bequatschen und betratschen konnte. Inzwischen sind mir die ganzen Freundinnen abhandengekommen. Wer hat wen aussortiert? Von meiner Seite habe ich niemanden absichtlich aussortiert, obschon es einige ehemalige Freundinnen bestimmt so empfinden mögen, aber es geschah kaum je absichtlich. Irgendwann kam mein Brite (ja, auch bei mir ist es ein Brite!), irgendwann die Familie, die Tiere und und und. Eine Prioritätsverschiebung halt. Und ganz unbewusst und unbemerkt sind die ganzen Kontakte verlorengegangen. Schade? Nicht schade? Vergleichsmöglichkeiten gibt’s ja nicht. Enttäuschungen gab’s ja schliesslich auch. Und wenn ich heute ab und an aus Zufall auf eine der damaligen Freundinnen treffe, dann verspüre ich wenig Lust, den Kontakt wiederaufzunehmen. Zu weit auseinandergelebt. Schlecht? Nicht schlecht? Reue empfinde ich dort, wo ich einen der inspirativen Kontakte verloren habe. Denn die waren rar. Mit lieben Grüssen, Arletta http://www.lettifarm.ch

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    1. Anhora Autor

      Liebe Arletta, herzlichen Dank für deinen Kommentar und willkommen auf meinem Blog. Ich freu mich sehr, dass es dir hier gefällt! 🙂
      Ja, was das Aussortieren betrifft: Ich gebe zu, dass auch ich mich im Lauf des Lebens schon bewusst von Menschen zurückgezogen habe, weil sie mir zu viel Kraft nahmen oder weil wir uns nichts mehr zu sagen hatten. Diese Leute mochte ich zwar einmal, aber sie waren mir nie so richtig wichtig, diese Entscheidungen fielen mir nicht schwer. Und so kenne ich die Gedankengänge, wenn man sich distanziert, vielleicht deshalb ist es mir nie ganz aus dem Sinn gegangen, dass auch ich einmal Gegenstand solcher Überlegungen war.
      Jedenfalls war meine Freundin tatsächlich das, was du erwähnst: Inspirierend. Voller Ideen. Mitreißend. Aber auch dominant. Solche Menschen trifft man nicht oft, wie du sagst. Sie war die intensivste Beziehung zu einer Freundin, die ich hatte, aber das ist wohl auch eine Alterssache.
      So, und du hast also auch einen geliebten Briten, wie cool ist das denn! 🙂 Ich werde mich gleich mal auf deinem Blog umsehen, vielleicht erfahr ich da mehr. 😉
      Neugierigs Grüßle!
      Anhora

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      1. Arletta

        Liebe Anhora
        Leider gibt’s auf meinem Blog über „den Briten“ nichts zu erfahren, weil „mein Brite“ ein diesbezüglich sehr auf Privatsphäre bedachter Brite ist, was ich natürlich akzeptieren muss. Ich find’s auch witzig, ich habe über’s Netz nun schon einige Bloggerinnen kennengelernt, die auch einen Briten „haben“ hihi, und teilweise sind das ganz glückliche Bloggerinnen, weil die dürfen sogar in GB leben, worauf ich ein ganz klein wenig neidisch bin, denn eigentlich hmmm ja, würde ich auch gerne in GB leben. Und damit kann ich gleich wieder den Bogen machen zu deinem Thema hier, liebe Anhora, ich habe nämlich das Gefühl, ich hätte „drüben“ also in GB mehr Kontakte, sogar mehr Freundinnen, als ich es hier je hatte. Darüber habe ich grad heute nachgedacht. Frauen, die mich inspirieren und mit denen ich auch heute im „reiferen“ Alter noch gerne einen draufmach, die sind allesamt in Britannien drüben. Und dann die Gärten dort… aaah… nein, jetzt schweife ich aber endgültig von deinem Thema ab, beg your pardon. Mit ganz, ganz lieben Grüssen, Arletta

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        1. Anhora Autor

          Liebe Arletta,
          private Geschichten über „meinen“ Briten wirst du bei mir hier auch nicht finden, aber manchmal fließt er in meine Geschichten ein oder man sieht ihn auf den Bildern. Damit hat er kein Problem, ich frag ihn ja immer.
          Ich würde auch sofort mit ihm nach England ziehen, einfach der neuen Erfahrung wegen. Aber ihm gefällts in Süddeutschland, er will nie wieder weg. Aber was ist schon nie? 😉
          Freunde habe ich in GB nicht, hab ja nie dort gelebt. Aber ich kenne die Familie des Briten, da sind ein paar nette Leute dabei. Mit denen treffen wir uns auch hin und wieder. Mit engen Freundschaften hab ichs wie erwähnt ja nicht mehr so. Es gibt halt für alles eine Zeit. 🙂

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    1. Anhora Autor

      Seltsam, dass wir über alles reden konnten: über unser Leben, die Männer, den Job, einfach alles. Nur über unsere Beziehung zueinander – das ging nicht. Wenn man ein bisschen Lebensklugheit aus einem vorangegangenen Leben ins nächste mitnehmen könnte … dann wär man als junger Mensch nicht ganz so doof. 😉

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  4. alltagschrott.ch

    Schwierig in jungen Jahren, seine Gefühle und Wünsche etc zu verstehen, geschweige denn mitzuteilen. Wie Reiner sagt, als „reifere“ Erwachsene hat man nochmals die Chance. Man versteht viel besser, was für eine Freundschaft man sich erwünscht. Trotzdem sind Jugendfreunde in der Erinnerung etwas Besonderes… und zum Teil kommt ein wenig Nostalgie hoch…
    Liebe Grüße
    Priska

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    1. Anhora Autor

      Liebe Priska, wie schwierig es doch ist, Konflikte auszusprechen auf eine Art, dass andere sich nicht angegriffen fühlen. Die entsprechenden Techniken sollten eigentlich ein Schulfach sein.
      Natürlich hast du Recht: Abgesehen davon, ob und wie Jugendfreundschaften zu Ende gegangen sind – die Erinnerung daran ist etwas fast Greifbares. Im Moment, wo ich über all das nachdenke, meine ich, es wäre vor ein paar Wochen gewesen. Da waren unsere Sinne wohl noch weit offen, und die Speicherplatte noch nicht überfüllt. 😉

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  5. Hausfrau Hanna

    Freundschaften,
    liebe Anhora,
    und Beziehungen, die sich im Laufe der Jahre verändern, weil man sich selbst auch verändert hat: Mich machen solche Begegnungen oder Telefongespräche nach langer Funkstille stets nachdenklich.
    Vielleicht treffen die banalen Worte „So isch’s Läbe!“ den Nagel auf den Kopf.
    So ist es wohl!
    Und für alles, auch für Freundschaften, gibt es eine Zeit…

    Herzlichen Gruss zu dir und ich hoffe, die Magengrippe ist vorbei und Vergangenheit!
    Hausfrau Hanna

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    1. Anhora Autor

      Liebe Hausfrau Hanna, danke für die netten Worte! Ja, wir müssen nehmen, was kommt, und alles ist für etwas gut. Auch wenn man nicht immer weiß, wozu. 😉
      Danke für die Nachfrage – ja die Magengrippe ist überstanden, nur der Kreislauf tut noch ein bisschen dumm. So ist es eben. „S’Läba isch koin Schlotzer!“ 😉

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    1. Anhora Autor

      Tatsächlich ist ein Kommentar von dir im Spam-Ordner gelandet. Wieso das denn?? Da guck ich normalerweise nicht nach, gut dass du nachgefragt hast! Hab dir auch schon geantwortet.

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        1. Anhora Autor

          Von heute an werd ich auch gelegentlich in den Spamordner schauen! Auf die Idee wär ich ja nicht gekommen, dass da Kommentare reinrutschen von Personen, denen ich immerhin folge! Schlecht programmiert, würd ich sagen, aber von jetzt an pass ich auf. 🙂

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  6. suzy

    Das erste was mir beim lesen durch den Kopf geschossen ist war – warum habt Ihr Euch auseinander gelebt?
    Ich habe nicht mehr viele Freunde aus der Kindheit. Aus der Studienzeit noch einige wenige Freundinnen die ich selten sehe, aber wenn ich sie sehe ist es als ob nie Zeit vergangen wäre. Vielleicht bleiben einfach nur die übrig die es wert sind?
    Man kennt Menschen so lange und irgendwann stellt man fest dass man sich nichts mehr zu sagen hat, auseinander gelebt hat oder noch schlimmer, dass der/die andere/r nicht ehrlich war. Am meisten getroffen hat mich meine Ex Freundin, die meinem baldigen Ex Mann nicht die Grenzen gezeigt hat die sie hätte setzen sollen. Die Frau kenne ich seit 20 jahren 😦
    Freundschaften sind so wichtig und soooo kompliziert 🙂

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    1. Anhora Autor

      Liebe Suzy, die Geschichte mit deiner Freundin ist natürlich ungleich viel schmerzhafter als meine. Aber generell halten Freundschaften selten ein Leben lang. Meist geht man ein Stück Weg miteinander und an irgendeiner Kreuzung kann man sich nicht einigen, welche Richtung eingeschlagen werden soll. Dann geht man getrennte Wege. Das tut weh und man vermisst die schöne Zeit, die man miteinander hatte. Aber so ist das Leben, man kann nichts festhalten.

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