Lebendiges Deutsch

„Aa swei bitte.“
„Aa swei, ja.“

So klingt es, wenn im Asia-Imbiss ein Engländer bei einer Chinesin das Gericht A 2 bestellt. Wir sind gerade fertig mit ein paar Besorgungen und bringen Taschen und Kälte in den kleinen Gastraum. Hinter dem vollgestellten Tresen steht ein Mädchen mit pechschwarzem Pferdeschwanz, das jetzt auch meine Bestellung aufnimmt („Aa fumpf“) und dann etwas über die Schulter ruft. Ihre Sprache klingt in meinen Ohren ungeschmeidig, die Stimme harsch und es will nicht zu dem anmutigen Gesichtchen passen wie so oft bei Chinesinnen. Ein blasser Junge hebt hinter ihr den Kopf und die Schlitze seiner Augen werden noch schmaler, als ihm auf chinesisch „A 2“ und „A 5“ befohlen wird. Er nickt heftig und windet sich sofort wieder zwischen Woks und Gefrierschrank in der winzigen Küche.

Wir werfen die Mäntel über einen Stuhl, quetschen uns an den einzigen freien Tisch (es gibt nur drei) und besprechen den anstehenden Termin beim Steuerberater. Das Gespräch muss auf englisch übersetzt werden und ich bin zappelig. Während mir assets and liabilites nicht auf deutsch einfallen will, tönt es von der Theke her: „Aa swei? Aa fumpf?“ Der geliebte Brite springt auf und holt die dampfenden Teller. Ich koche ausgesprochen gern und experimentiere ständig, aber so wie dieser kleine Laden krieg ich es nie hin.  „Haben Gabel?“ Soll und Haben. Jetzt fällts mir wieder ein. Vermögen und Verbindlichkeiten, Aktiva und Passiva, Assets and liabilities. Habe jetzt aber nur Hunger.

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6 Gedanken zu „Lebendiges Deutsch

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