Archiv der Kategorie: Zeitgeschehen

Politische Ereignisse, evtl. Zeitgeist, also den Alltag prägende Entwicklungen.

Das liebe Vieh

Heute beim Spazierengehn: Als wir an eine Kuhweide kommen, hebt eins der grasenden Tiere langsam den Kopf und glotzt uns an. Selbst die Kuhkultur unterscheidet sich von Land zu Land, denke ich. Vor wenigen Wochen noch standen wir mitten im weitläufigen Weideland Nordenglands und dort begegneten uns keinen dummgezüchteten Milchkühen wie diese hier, sondern intakte Familien mit Stieren und Jungtieren und Lust am Leben.

Ich dachte noch, etwas weniger Eigenständigkeit wäre mir lieber, denn der Fußweg am Hadrianswall entlang führt ständig durch Weideland. Einmal hatte sich z. B. eine ganze Gruppe von Rindern auf dem Wanderweg aufgebaut und blickte uns beim Näherkommen interessiert an. Wir blieben stehen, konnten nicht ausweichen und die Tiere bewegten sich auch nicht. Schauten nur. Da breitete der geliebte Brite die Arme aus, ruderte langsam auf und ab mit ihnen, als setze er zum Flug an, und schritt voran. Die Rinder überlegten kurz und machten dann bedächtig ein paar Schritte zur Seite. Ich huschte dicht hinter dem Liebsten drein wie Jane, die gerade von Tarzan gerettet wird.

Derlei Mut und Technik braucht es auf unseren Kuhweiden nicht, schon weil keine Kuh frei herumläuft. Die Weideflächen in Süddeutschland sind oft nur Parzellen mit verschiedenen Eigentümern. Von Weitläufigkeit keine Spur und auch bei den Tieren ist ein weiter Geist nicht erkennbar, noch nicht mal irgendein Geist. Wir glotzen also zurück und die Kühe widmen sich wieder ihrer Hauptbeschäftigung: Fressen und verdauen.

Überraschungen sind hier nicht zu erwarten. Für Verblüffung sorgen sowohl im Brexit-England als auch seit heute im AfD-Deutschland vor allem die zweibeinigen Rindviecher.

 

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Die Friedenslinde

Etwas entfernt sehen wir die Zundelbacher Linde. Sie wurde 1871 gepflanzt, als die Menschen sich zum Ende des deutsch-französischen Krieges nach Frieden sehnten.

Einen besseren Grund für das Setzen eines Baumes gibt es gar nicht.

Die fast 150 Jahre alte Linde überragt eine idyllische Wiesen- und Waldlandschaft zwischen Weingarten und Unterankenreute.

„Der Friede ist kein Naturprodukt; er wächst aus menschlichem Handeln“ (Gustav Heinemann). Ich hoffe, Trump und Kim Jong Um hören bald auf zu pokern, und alle andern Länder auch.

Wieder online

Hier bin ich wieder! Nach elf Tagen hat Unitymedia es geschafft, uns wieder ans Internet anzuschließen, wir sind wieder online. Seit vorgestern. Allerdings habe ich mich nun ans Leben im Off gewöhnt. Es zieht mich nicht recht zurück ins bunte Netz.

Was passiert, wenn man auf unbestimmte Dauer den Stecker gezogen kriegt?

Ich habe

  • mehrere Bücher gelesen: zum Glück hatte ich vorher noch genug auf den eReader gepackt
  • manche Fragen offen lassen müssen: zwei Kaffka-Erzählungen gelesen und nicht verstanden, das Buch also geschlossen und etwas anderes gelesen
  • Fenster geputzt: jeden Tag eins
  • Nickerchen gemacht: warum nicht, an den Wochenenden?
  • mich gut unterhalten: im Radio eine Sendung des mir zuvor unbekannten Kabarettisten Matthias Brodowy gehört. Der ist gut!
  • Balkonblumen beim Blühen zugeschaut: manchmal saß ich einfach da wie der Mann aus dem Loriot-Sketch
  • festgestellt: wenn man Nachrichten nur im Radio oder Fernsehen hört und nicht zu jedem Huster von Trump oder Erdogan ein eigener Beitrag aufspringt – dann ist es immer das Gleiche. Langweilig.

Bei allem Ärger über den schlechten Kundendienst und Übersetzungsaufträge, die ich ablehnen musste, habe ich auf der anderen Seite erstaunlich viel Zeit und Ruhe gehabt. Und keinen Druck durch „Das will ich noch lesen, was machen die Aktienkurse, eine E-Mail muss beantwortet werden, ein Beitrag sollte geschrieben, gelesen, kommentiert werden, ach das Wetter noch, und was gibts inzwischen Neues in der Welt?“ Was immer man tut am Bildschirm – es scheint das Falsche, etwas anderes wichtiger oder spannender zu sein. Bei mir ist es jedenfalls so.

Ohne Internet war es also entspannter, und solchermaßen entwöhnt will ich auch weiterhin wieder mehr in der realen Welt herumhängen als in der virtuellen. Schön ist es aber, wenn das eine freiwillige Entscheidung ist.

 

Wir lassen uns nicht kirre machen!

Mutmacher für Londoner Pendler:

„Die Blume, die in tragischen Zeiten blüht,
ist die seltenste und schönste von allen.“

Hinweistafel in der U-Bahnstation Tower Hill angesichts des
Zusammenhalts in London nach dem Terroranschlag
am Westminster vom 22.03.2017.

Gefunden bei itv.com

 

 

Gestern in München

Nicht dass wir unsere Freizeit mit Protestaktionen und Demos verbringen. Ich wollte nur mal wieder meine in München ansässigen Kinder sehen – eins davon hatte Geburtstag – und zeitgleich fand die Münchner Sicherheitskonferenz statt. Reiner Zufall. Wir schauten nur zu.

Ich verstehe zu wenig von den Zusammenhängen weltpolitischer Sicherheitskonzepte. Auch die Nato hat Blut am Hemd, aber ich persönlich fühle mich sicherer in einem Bündnis, und meine Kinder sollen niemals einen Krieg erleben. Hat bis jetzt gut geklappt, aber leider nicht in allen Ländern.

Ich hör schon wieder auf, hier noch ein paar Bilder. Die Veranstaltung war übrigens mitnichten in der Hand junger, fanatischer Protestler. Im Gegenteil. Ich sah überwiegend ü50er.
Weiß nicht, wo die Flyer zur Teilnahme ausgelegt waren!

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muenchen-2017-02-1Soviel zum Münchner Kaspertheater. 😉

Der amerikanische Clown

Wer dachte, dass Horror-Clowns nur gelegentlich Passanten erschrecken, weiß es jetzt besser: Einer von ihnen wird heute Präsident der Vereinigten Staaten. Er braucht noch nicht einmal eine Maske – ich erschrecke mich auch so. Ein Naturtalent. Träum weiter, Amerika.

 

rummelplatz